Felssturz-Liveblog
Bauern dürfen auch am Freitag heuen ++ Bergsturz kann nicht ausgeschlossen werden ++ Livecam aus der Gefahrenzone in Brienz

Das Bündner Dorf Brienz droht von einem Felssturz zerstört zu werden. Alle Entwicklungen und Neuigkeiten erfahren Sie hier in unserem Liveblog.

Drucken

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 12. Mai gilt in Brienz GR die Alarmstufe Rot und damit ein Betretungsverbot.
  • Insgesamt sind oberhalb von Brienz GR im Gebiet der sogenannten «Insel» bis zu zwei Millionen Kubikmeter Material in Bewegung, dies bei einer Geschwindigkeit von bis zu 1 Meter pro Tag. 

Abbruchstelle: Verfolgen Sie die aktuelle Lage über die Live-Kamera:

Die Kamera ist auf den Berg gerichtet - hier wird der Abbruch erwartet.

Quelle: Blick TV / Gemeinde Albula/Alvra

Geschwindigkeit der Insel hat sich verdoppelt

Wie die Gemeinde Albula auf Twitter schreibt, hat sich die Geschwindigkeit der Insel innert 8 Tagen verdoppelt und liegt aktuell bei rund einem Meter pro Tag. Gestern habe es knapp 30 Blockschläge gegeben. «Ein Schuttstrom ist möglich, aber auch ein Absturz der Insel kann nicht ausgeschlossen werden.»

Bauern dürfen auch am Freitag ihre Wiesen bewirtschaften

Die Bauern von Brienz dürfen auch am Freitag auf die unteren Wiesen um diese trotz drohendem Bergsturz zu bewirtschaften. Wie die Gemeinde Albula am Morgen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schreibt, sollen zum Heuen die beiden Kontrollposten «Stiert» und «Bualet» wie bereits am Vortag von 8 bis 21 Uhr in Betrieb sein. (sat)

Beim Betreten der Gefahrenzone droht eine saftige Busse

Das betreten der Gefahrenzone kann gefährlich - und teuer dazu. Die Gemeinde Albula/Alvra twittert: «Alle Verletzungen des Betretungsverbots werden mit Bussen von bis zu 5000 Franken geahndet.» 

Landwirtschaft auf unteren Wiesen zugelassen

Bäuerinnen und Bauern dürfen heute Donnerstag auf den unteren Wiesen arbeiten, wie die zuständige Gemeinde auf Twitter schreibt. Zwei Kontrollpunkte sind von 8 bis 21 Uhr in Betrieb. (pin)

Bergsturz kann nicht ausgeschlossen werden

Zum heutigen Zeitpunkt kann ein Bergsturz immer noch nicht ausgeschlossen werden. Das sagten die Behörden am Mittwochabend an einer Infoveranstaltung. Demnach können die Behörden auch nicht sagen, wann die Einwohnerinnen und Einwohner zurückkehren könnten. Das könne in Tagen, Wochen oder Monaten sein.

Derzeit gebe es bis zu 40 kleinere Stösse, die Rutschungen würde fast einen Meter pro Tag betragen. Gemeindepräsident Daniel Albertin sagte, dass nur die tiefer gelegenen Wiesen bewirtschaftet werden dürfen. Rund 40 Einwohnerinnen und Einwohner dürften kurzzeitig in ihre Häuser zurückkehren, um wichtige Dinge zu holen. Albertin sagte, dass das unbefugte Betreten der Sperrzone eine Busse von bis zu 5000 Franken nach sich ziehen könnte. (rem)

Die Behörden informierten am Mittwochabend über den neusten Stand.

Ein Bauer mäht seine Wiese in der «roten Zone».

Ein Bauer mäht seine Wiese in der «roten Zone». 

Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone (6.6.2023)

Grünes Licht: Bevölkerung darf kurz zurück ins Dorf

Die Behörden geben grünes Licht: Die evakuierte Bevölkerung kann heute Brienz/Brinzauls für jeweils 90 Minuten betreten. Das teilte die Gemeinde auf Twitter mit. Auch die Landwirtschaft darf zurück und weiter Gras mähen, um Futter zu produzieren. (abi)

Am Mittwoch darf die Bevölkerung kurz ins Dorf zurück

Bereits mehrere Mal wurden angesetzte Zeitfenster für einen Kurzzugang zum Dorf wieder verschoben. Nun soll es für die Bevölkerung von Brienz am Mittwoch so weit sein. Wie die Gemeinde am Dienstag schreibt, soll es damit erstmals seit der Evakuierung am 12. Mai wieder möglich sein, das Dorf «für eine kurze Zeit» zu betreten. 

Um 10 und 13 Uhr sind jeweils Zeitfenster à 90 Minuten eingeplant. Maximal dürfen sich jeweils 30 Personen im abgesperrten Dorf aufhalten. «Der Besuch dient Ihnen unter anderem dazu, wichtige Dinge aus den Häusern zu holen, die Sie für Ihren Alltag benötigen», schreibt die Gemeinde. Zutrittsberechtigt seien «maximal zwei Personen pro Haushalt.»

Ganz sicher ist auch diese Rückkehr aber noch nicht. Der Besuch sei nur möglich, wenn die Gefahrenlage das am Mittwochmorgen zulasse. Derzeit sähe es aber so, als würden die «Indikatoren für die unmittelbare Gefahr eines Ereignisses» einen Besuch zulassen. (mg)

Um Futter zu produzieren: Landwirte sollen Gras mähen können

Die Landwirtschaftlichen Betriebe sollen ab Dienstag tageweise Zutritt zu bestimmten Wiesen bei Brienz erhalten. Konkret geht es um die Flächen südlich der Kurve «Stiert Grond», wie die Gemeinde Albula/Alvra am Montag mitteilte. Die Landwirte sollen dort das Gras mähen und zu Futter verarbeiten können. Nutztiere dürfen jedoch weiterhin nicht auf den Wiesen weiden.

Der Kartenausschnitt zeigt die «unteren Wiesen». Dort können Landwirte tageweise Futter produzieren.

Der Kartenausschnitt zeigt die «unteren Wiesen». Dort können Landwirte tageweise Futter produzieren.

GFS Albula/Alvra

Der Zutritt sei für die Betriebe «sehr wichtig», schreiben die Behörden. Denn die Futterproduktion sei eine der Betriebsgrundlagen der Berglandwirtschaft. Die Gemeinde will den Zutritt jeweils tageweise von 8 bis 21 Uhr bewilligen – sofern die Gefährdungslage dies zulässt.

Die Landwirte erhalten jeweils eine SMS, in der über die Durchführung informiert wird. Zudem bekommen sie vom Gemeindeführungsstab Funkgeräte. Mit diesen werden sie gewarnt, wenn das Gebiet rasch evakuiert werden muss. (abi)

Gemeinde bittet um Geduld: Weiterhin keine Besuche möglich

Die Brienzer Bevölkerung braucht weiter viel Geduld. Zwar sind die Blockschläge zurückgegangen, die Insel bewegt sich aber sehr schnell und beschleunigt weiter. Für die Behörden ist daher klar: Ein stundenweises Betreten des Dorfes durch die Bevölkerung wäre momentan noch nicht sicher, wie die Gemeinde auf Twitter schreibt. (abi)

Weiterer Mini-Abbruch am Montagmorgen

Getöse mischt sich am frühen Montagmorgen ins Vogelgezwitscher in Brienz. Weitere Felsbrocken sind hinuntergestürzt, wie das Video unten zeigt.

CH Media Video Unit

Erneut stürzen Felsbrocken ins Tal

Am Sonntagmittag stürzten in Brienz erneut Felsbrocken ins Tal. Kurz vorher hatte die Gemeinde Albula noch davor gewarnt, ins Sperrgebiet zu gehen, es herrsche Lebensgefahr. Die Gemeinde hat auch vorsorglich einen Wanderweg gesperrt. Er könnte nicht mehr abgesucht werden, wenn kurzfristig die Phase Blau eingeleitet werden müsse. Die Phase Blau will der Gemeindeführungsstab unmittelbar vor einem Abbrechen des Berges verfügen.

In diesem Fall würden die beiden westlichsten Gebäude von Surava evakuiert. Zudem würde die Landwasserstrasse und die Albula-Linie der Rhätischen Bahn entlang der Albula gesperrt. Betroffen wäre auch die Passstrasse Tiefencastel-Lenzerheide zwischen Tiefencastel und Vazerol.

Felsbrocken löst sich am Sonntagmorgen vom Hang in Brienz

Am Sonntagmorgen hat sich in Brienz erneut ein Fels gelöst und ist ins Tal gedonnert. Wie die Gemeinde Albula/Alvra noch am Samstag mitteilte, nehmen die gemessenen Geschwindigkeiten auf der Insel weiter zu.

Katja Jeggli/CH Media Video Unit

Mehr als 40 Blockschläge pro Tag: Brienzer Bergsturz beschleunigt sich weiter

Auch am Freitagmorgen kommt der Berg in Brienz GR nicht zur Ruhe. Mehrere Steine rollen den Hang hinunter. In den letzten Tagen hat die Blockschlag-Aktivität laut der Gemeinde Albula/Alvra markant zugenommen. Die Chronologie der bisherigen Steinschläge – im Video.

Brienz bröckelt weiter: Erneut haben sich Felsbrocken gelöst.

Silja Hänggi/CH Media Video Unit

Bevölkerung darf weiterhin nicht ins Dorf

Die Bevölkerung von Brienz darf auch weiterhin nicht für einige Stunden in ihr Dorf zurück. «Momentan gibt es dafür zu viele Blockschläge und daraus die Gefahr durch herumfliegende Splittersteine», schreibt die Gemeinde auf Twitter. Alleine am Mittwoch seien 40 solcher Blockschläge registriert worden. Damit hätten sie «markant zugenommen», so Brienz.

Auch die gemessenen Geschwindigkeiten der Insel nehmen weiter zu. Wie es weitergeht, ist derzeit immer noch offen. Für den kommenden Mittwoch hat die Gemeinde die Bevölkerung zu einer weiteren Informationsveranstaltung eingeladen. (mg)

Mehrere Felsbrocken donnern in Brienz den Berg hinunter

Am Mittwoch donnerten in Brienz GR erneut mehrere Felsbrocken ins Tal. Das Bergdorf Brienz GR darf nicht mehr betreten werden. Die Behörden gehen davon aus, dass sich das Gestein oberhalb des Dorfes demnächst lösen wird.

Am Mittwoch donnerten in Brienz GR erneut mehrere Felsbrocken ins Tal.

Quelle: Blick TV / Gemeinde Albula/Alvra

Blockschläge nehmen weiter zu

Laut der Gemeinde Albula/Alvera bewegen sich die Hauptteile der Insel knapp einen halben Meter pro Tag. Der Westteil erreicht derweil eine Geschwindigkeit von einem Meter pro Tag, wie die Gemeinde auf Twitter mitteilt.

Sie ruft dazu auf, die Sperrzone zu beachten. Denn die Blockschläge hätten weiter zugenommen. Von diesen können sich Splittersteine lösen, «die sehr schnell und weit fliegen können». (abi)

Fünf Personen fahren durch Absperrung in die Gefahrenzone

Am Pfingstwochende und am Dienstag sollen im Gefahrengebiet bei Brienz fünf Personen mit dem Velo unterwegs gewesen sein. Laut einer Nachricht der Gemeinde Albula auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurden die Velofahrer von der Überwachungskamera erfasst, nachdem sie die Absperrungen umgangen haben. (luk)

Grösserer Abgang fällt Tannen-Gruppe

Ein grösserer Felsabgang war am Dienstagmittag um 13 Uhr zu beobachten. Ein Felsbrocken donnert zu Tale und fällt eine Tannengruppe. Danach ist ein Brocken zu sehen, der den Schutzwall überspringt und in der daran anschliessenden Wiese zu stehen kommt.

Felsen fällen Baumgruppe und überspringen den Schutzwall

Quelle: Blick TV / Gemeinde Albula/Alvra

Elster stört Blick auf Felsen

Da denkt man sich nichts Böses und will sehen, ob sich in Brienz etwas tut – und dann das: Die Sicht wird den Zuschauerinnen und Zuschauern genommen, weil sich genau vor der Kamera ein Vogel, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Elster, platziert und es sich dort gemütlich macht. Immerhin: Nach etwas mehr als einer Minute macht das Tier einen Abflug und gibt die ganze Sicht wieder frei.

Quelle: Blick TV / Gemeinde Albula/Alvra

Felsstürze auch in aktueller Phase möglich

Die Gemeinde Albula/Alvra, in welcher sich Brienz befindet, mahnt dazu, die Sperrzone unbedingt zu beachten. Denn auch vor der sogenannten Phase Blau könnten bereits Felsstürze auftreten.

Die Abgänge vom Sonntag im Video

Am Sonntagnachmittag sind erneut grosse Felsbrocken ins Tal gedonnert. Das Bergdorf Brienz GR darf nicht mehr betreten werden. Die Behörden gehen davon aus, dass sich das Gestein oberhalb von Brienz in den kommenden Tagen lösen wird.

CH Media Video Unit

Geschwindigkeit der Gesteinsmassen verdreifacht

Die sogenannte Insel bewegt sich immer schneller talwärts. Die Geschwindigkeit seit mittlerweile dreimal so hoch wie am 9. Mai, als die Entscheidung zur Evakuierung fiel, teilt die Gemeinde Albula/Alvra mit. Aus diesem Grund und wegen Nebels, durften die Bewohnerinnen und Bewohner bisher auch nicht kurzfristig in ihr Dorf zurückkehren.

Bewegungen überraschen selbst Experten – Kurzbesuch fällt aus

Seit zwei Wochen steht das Dorf im Albulatal leer, noch immer hängt das Gestein bedrohlich am Hang. Doch seit kurzem bewegt sich der Berg anders, als es die Experten vorausgesagt haben. Die Bevölkerung muss deshalb auf einen Kurzbesuch im Dorf verzichten.

Den ausführlichen Artikel zum Thema lesen Sie hier:

Zwei Abgänge innert weniger Minuten: Erneut donnern Steinbrocken ins Tal

CH Media Video Unit

Besuch am Freitag und Wochenende abgesagt

Aus Sicherheitsgründen darf die evakuierte Bevölkerung ihre Häuser am Freitag und auch am Pfingstwochenende nicht besuchen. Auch die Bewirtschaftung der Wiesen ist nicht möglich. Das teilte die Gemeinde Albula am Donnerstagabend mit. (cam)

Szenario Bergsturz wird «unwahrscheinlicher»

Hoffnung für Brienz: Die Felsmassen oberhalb des Dorfs bewegen sich langsamer, als die Geologen ursprünglich berechnet hatten. Die Gemeinde Albula hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass die Geschwindigkeit nicht mehr exponentiell zunehme, sondern «nur noch linear». Die Geschwindigkeit ist ein zentrales Kriterium, wenn es um die Beurteilung eines Bergsturzes geht.

Daniel Figi vom Geologenteam, das den Berg beobachtet, zeigt sich daher vorsichtig optimistisch, wie SRF am Donnerstag berichtet. «Die Geschwindigkeiten sind weiterhin hoch und die Beschleunigung kann wieder zunehmen. Aber das Szenario Bergsturz wird je länger je unwahrscheinlicher», sagte er gegenüber SRF.

Bislang gingen die Behörden davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Bergsturz bei 10 Prozent liegt. Bergstürze können extrem hohe Geschwindigkeiten und Zerstörungskraft entwickeln – dieses Szenario gilt daher als das gefährlichste. In diesem Fall würde die Insel wie eine grosse Lawine ins Tal donnern.

Dafür geht Daniel Figi neu davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines Schuttstromes zunimmt. «Entwickeln sich die Geschwindigkeiten weiterhin so wie jetzt, wird ein Schuttstrom gleich wahrscheinlich wie das bislang wahrscheinlichste Szenario einzelner Felsstürze», sagte er.

Bei einem Schuttstrom rutschen grössere Teile oder die ganze Insel in einem zäh fliessenden Strom langsam in Richtung Tal. Auch solche Schuttströme besitzen grosse zerstörerische Kraft. Bislang lag die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario bei 30 Prozent, diejenige für mehrere Felsstürze aus Teilbereichen der Insel bei 60 Prozent. (chm)

Luftraumsperre verlängert

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat die Luftraumsperre über dem Gebiet rund um Brienz/Brinzauls aus Sicherheitsgründen bis vorerst zum 7. Juni 2023 verlängert. Das teilt die Gemeinde Albula am Donnerstag mit.

Neu reicht sie vom Boden bis auf eine Höhe von 8’000 Fuss (2’440 m).
Das Flugverbot dient der Sicherung von Drohnen- und Helikoptereinsätzen durch die Einsatzkräfte und gilt insbesondere auch für Drohnen. (chm)

Die Flugverbotszone über Brienz. Sie gilt auch für Drohnen.

Die Flugverbotszone über Brienz. Sie gilt auch für Drohnen.

Gemeinde Albula

Seit zwei Wochen steht das Dorf im Albulatal leer, das Gestein hängt immer noch bedrohlich am Hang. Experten gehen von einem Abbruch in den nächsten drei Wochen aus. Es gibt aber auch eine gute Nachricht für die Bevölkerung.

Schlechte Sicht verhindert die kurze Rückkehr ins Dorf

Aus der geplanten Mini-Rückkehr für die Bewohnerinnen und Bewohner von Brienz wird doch nix. Wegen des Nebels könne der Hang zu wenig gut beobachtet werden und die Sicherheit sei nicht gewährleistet, wie die Gemeinde auf Twitter schreibt. Bei besserer Sicht soll der Besuch im Dorf am Freitag stattfinden. Dann dürfen die evakuierten Personen jeweils für zwei Stunden zurück.

Die Rutschgeschwindigkeit der Insel habe sich gegenüber dem 8. Mai mehr als verdoppelt, wie die Gemeinde schreibt. «Jedoch hat sich gezeigt, dass die Beschleunigung nicht mehr exponentiell, sondern nur noch linear zunimmt», heisst es weiter. Wann und auf welche Art die Insel abbricht, kann derzeit immer noch nicht abgeschätzt werden. (mg)

Brienzer dürfen am Donnerstag kurz ihr Dorf betreten

Die Gemeinde Albula plant, dass die evakuierten Personen am Donnerstag während zwei Stunden ins Dorf zurückkehren können. Aus Sicherheitsgründen dürfen sich allerdings nicht mehr als 30 Personen gleichzeitig im Dorf aufhalten. Zudem sollen maximal zwei Personen pro Haushalt das Dorf betreten dürfen.

Weiter heisst es, dass sämtliche Personen sich im Vorfeld bei der Gemeinde via Hotline anmelden müssen. Der Besuch könne aber nur erfolgen, wenn die Gefahrenlage dies zulässt. Der Entscheid dazu fällt am frühen Donnerstagmorgen. (cam)

Soforthilfe: 2500 Franken pro Haushalt

Wie in einem Tweet der Gemeinde Albula/Alvra hervorgeht, erhalten die Betroffenen jeweils pro Haushalt eine Soforthilfe in der Höhe von 2500 Franken. (cam)

Die Situation könnte sich in kürzester Zeit zuspitzen

Die Geschwindigkeit der Insel steigt weiter, wie die Gemeinde Albula/Alvra am Mittwochmorgen mitteilt. Sollte die Beschleunigung wieder zunehmen, könnte sich die Situation in kürzester Zeit wieder zuspitzen.

Das passiert, wenn Phase Blau aktiviert wird

Rund um die Ortschaft Brienz ist die Phase Rot ausgerufen: Mensch und Tier mussten das Dorf verlassen, betreten verboten. Aktuell bröckelt der Berg über Brienz. Alles wartet gespannt darauf, was der Berg macht. Der Niedergang der Flanke wird in diesen Tagen oder Wochen erwartet. Wenn der Berghang noch schneller abzurutschen beginnt, wird die Phase Blau ausgerufen. Doch was bedeutet das? 

Zusätzlich zum Gebiet Rot (siehe Karte), werden im Gebiet Blau die Kantonsstrassen Kantonsstrassen von Tiefencastel auf die Lenzerheide (zwischen Tiefencastel und Vazerol) und von Tiefencastel nach Filisur/Davos (zwischen Tiefencastel und Surava) gesperrt.

Auch der Bahnverkehr der Albulalinie wird zwischen Tiefencastel und Filisur eingestellt. 

Schliesslich müssen die Bewohner der beiden westlichsten Häuser vom Nachbardorf Surava ihre Bleibe verlassen. (jk)

Wenn der Berg über Brienz noch schneller rutscht, wird Phase Blau ausgerufen und die Verkehrsachse, die das obere mit dem unteren Tal verbindet, aus Sicherheitsgründen gekappt.

Wenn der Berg über Brienz noch schneller rutscht, wird Phase Blau ausgerufen und die Verkehrsachse, die das obere mit dem unteren Tal verbindet, aus Sicherheitsgründen gekappt.

Gemeinde Brienz

Grosse Solidarität: Mehr als 160 Wohnungen für Evakuierte angeboten – Betroffene haben alle eine Unterkunft gefunden

Ferienwohnungsvermieter aus der Region haben den evakuierten Personen aus Brienz/Brinzauls mehr als 160 Wohnungen angeboten. In einer Mitteilung auf Twitter bedankt sich die Gemeinden Albula/Alvra für die grosszügige Geste. Weiter heisst es, dass in der Zwischenzeit jeder einzelne der Betroffenen in einer Wohnung untergebracht wurde. Somit müsste man im Moment nicht vom Angebot profitieren. (cam)

Ereignisse von Tag zu Tag: Berg in Brienz GR bröckelt

Das Bergdorf Brienz GR darf nicht mehr betreten werden. Die Behörden gehen davon aus, dass sich das Gestein oberhalb von Brienz GR in den kommenden Tagen lösen wird.

Ramona De Cesaris/CH Media

Grosse Brocken donnern am Montagabend ins Tal

Nachdem es bereits am Montagmorgen zu mehreren Felsstürzen gekommen ist, löst sich am Abend erneut ein grosser Brocken und rollt Richtung Brienz. Mit einem grösseren Abbruch wird in den nächsten drei Tagen bis drei Wochen gerechnet.

 Ein grosser Brocken rollt Richtung Brienz.

Ramona De Cesaris/CH Media

Die Gesteinsbewegungen der letzten Tage im Video

In Brienz/Brinzauls gilt die Alarmstufe Rot. Die Gemeinde Albula/Alvra geht von einem Abbrechen der Gesteinsmassen innert der nächsten drei Tage bis drei Wochen aus. Am Wochenende und am Montag haben sich weitere Steine gelöst.

Abbrechen in den nächsten drei Tagen bis drei Wochen

Am Berg gibt es derzeit keine relevanten Veränderungen, wie die Gemeinde Albula/Alvra mitteilt. Man geht von einem Abbrechen der Gesteinsmassen innert der nächsten drei Tage bis drei Wochen aus. Die Geschwindigkeiten der Insel würden weiter steigen. (pin)

Erneut rollen Steine mit Getöse zu Tal

Lärm im Gefahrengebiet: Felsen rollen runter.

Quelle: Blick TV / Gemeinde Albula/Alvra

Spezialisten installieren weitere Reflektorspiegel

Rotorenlärm über dem ansonsten stillen Berghang: Am Freitagmorgen kreist ein Helikopter im Bereich der «Insel». Spezialisten montieren derzeit zusätzliche Reflektorspiegel, wie die Gemeinde Albula/Alvra auf Twitter mitteilte. Damit kann die Geschwindigkeit der Insel überwacht werden. Aktuell rutscht der Hang zwischen zehn und 25 Zentimeter – je nach Stelle. (abi)

Der emeritierte ETH Professor Simon Loew, Flughelfer Jann König, und Geologin Olivia Sartorius, von links, nach einem Erkundungs-Flug.

Der emeritierte ETH Professor Simon Loew, Flughelfer Jann König, und Geologin Olivia Sartorius, von links, nach einem Erkundungs-Flug. 

KEYSTONE
Einsatz Mitten im Gefahrengebiet.

Einsatz Mitten im Gefahrengebiet.

KEYSTONE
Spezialisten des Frühwarndienstes bringen im «Brienzer Rutsch» zusätzliche Reflektorspiegel an. Damit können Distanzen und Geschwindigkeiten per Laser gemessen werden.

Spezialisten des Frühwarndienstes bringen im «Brienzer Rutsch» zusätzliche Reflektorspiegel an. Damit können Distanzen und Geschwindigkeiten per Laser gemessen werden.

KEYSTONE

So schnell rutschen die Insel-Bereiche

Der Berg über Brienz GR rutscht. Wie schnell, dass zeigen Visualisierungen, die die Gemeinde am Freitag im Newsletter verschickt hat. Die vier Bilder zeigen unterschiedliche Momente in den zurückliegenden Monaten. Man sieht deutlich, dass die Rutschgeschwindigkeit zunimmt.

Aktuell rutscht der Hang je nach Stelle zwischen 10 und 25 Zentimeter pro Tag. Die Experten rechnen, dass demnächst ein Abbruch erfolgt und Gesteinsmassen ins Tal rutschen. Die ganze sogenannte Insel hat ein Gesteinsvolumen von fast zwei Millionen Kubikmeter.

Die Experten vermuten, dass die Rutschgeschwindigkeit auch wegen des anhaltenden Regens zugenommen hat. 

Vier Bilder des Georadars, der den Berghang überwacht, zeigen die Entwicklung der sogenannten Insel im vergangenen Jahr. Grün und Gelb = Keine oder kaum Bewegung. Rot und Pink = 2 bis 4 Zentimeter pro Tag. Hellblau und Dunkelblau = 10 bis 20 Zentimeter pro Tag. Weisse und violette Bereiche = mehr als 25 Zentimeter pro Tag.

Vier Bilder des Georadars, der den Berghang überwacht, zeigen die Entwicklung der sogenannten Insel im vergangenen Jahr. Grün und Gelb = Keine oder kaum Bewegung. Rot und Pink = 2 bis 4 Zentimeter pro Tag. Hellblau und Dunkelblau = 10 bis 20 Zentimeter pro Tag. Weisse und violette Bereiche = mehr als 25 Zentimeter pro Tag.

Geopraevent AG / Frühwarndienst Albula/Alvra

Im Detail rutschen die einzelnen Hangbereiche so:

  • Plateau:  2.5 m/Jahr = zunehmend
  • Front: 2.5 m/Jahr=  zunehmend
  • West:  8 m/Jahr = zunehmend
  • Insel:  bis 63 m/Jahr = stark zunehmend
  • Insel Basis: bis 67 m/Jahr = zunehmend
  • Rücken Caltgeras: 1.6 m/Jahr = zunehmend
  • Rutschung Dorf: 1.0 m/Jahr = stagnierend
Das Bild zeigt die einzelnen Rutschbereiche über dem Dorf Albula.

Das Bild zeigt die einzelnen Rutschbereiche über dem Dorf Albula.

Gemeinde Albula/Alvra

(jk)

Der Berg in Brienz wird kommen: So funktioniert das Frühwarnsystem

Vor einer Woche ist das Bündner Bergdorf Brienz wegen des drohenden Felssturzes geräumt worden. Die Geologinnen und Geologen des Frühwarndienstes lassen «die Insel» derweil nicht mehr aus den Augen.

Diese Vögel hört man im Stream der Live-Kamera

Wenn nicht gerade Gesteinsbrocken den Hang herunter poltern, liefern sie den Sound zu den Bildern der Live-Kamera von Brienz: Singende und pfeifende Vögel.

Auf Anfrage von CH Media hat Michael Schaad von der Vogelwarte Sempach am Mittwochmittag genau hingehört und im Stream neun Vogelarten erkannt:

Der Berglaubsänger ist, wie der Name verrät, in den Voralpen heimisch. Der Bluthänfling, den man im Mittelland kaum mehr entdeckt, mag unüberwachsene, steinige Böden.

Eine Mönchsgrasmücke wie sie in Brienz zu hören ist.

Eine Mönchsgrasmücke wie sie in Brienz zu hören ist.

KEYSTONE

Über die Links können die Vogelstimmen auf der Website der Vogelwarte abgerufen werden. Deutlicher als am Mittag sind die Vögel von Brienz über den Stream in der Morgendämmerung zu hören. Ebenfalls gelegentlich zu vernehmen: Das Zirpen von Feldgrillen.

Das wars aus Chur zum drohenden Felssturz in Brienz

Die Verantwortlichen schliessen die Medienkonferenz.

Wir bedanken uns für ihr Interesse. An dieser Stelle informieren wir Sie weiterhin über die fortlaufende Situation. (jk)

Rot, Blau, Rot, Blau, Rot?

Wann kommt also nun der Berg? Darauf wollen sich die Behörden bis zum Schluss der Medienkonferenz nicht auf die Äste hinauslassen. «Es kann auch gut sein, dass wir zwischen Phase Rot und Phase Blau mehrmals hin und her wechseln müssen», sagt Christian Gartmann, Mitglied des Gemeindeführungsstabs der Gemeinde Albula/Alvra. Man wolle jedoch die Phasen Blau und damit die totale Sperrung des Albulatals «so kurz wie möglich halten», was naturgemäss eine gewisse Unruhe mit sich bringen könne.

Klar sei jedoch, dass die Flanke des Piz Linard oberhalb von Brienz «wohl der am besten überwachte Berg» der Schweiz sei, wie es Andreas Huwiler ausdrückt. (sat)

Bei Phase Blau wirds für die Bevölkerung kompliziert

Wir die Phase Blau ausgerufen, der Moment, wo der Absturz unmittelbar droht, ist der Weg für das obere Tal nach Tiefenkastel abgeschnitten. Die Bevölkerung müsste dann über den Albulapass einen grossen Umweg auf sich nehmen, was im Alltag sehr umständlich ist. Da braucht es dann individuelle Lösungen, unter anderem für jene, die talabwärts zur Arbeit müssen. Zur Erinnerung: Brienz liegt auf der Albulapasslinie. (jk)

Wie lässt sich der Berg nach dem Felsabsturz stabilisieren?

Die Experten denken an einen Entwässerungsstollen für das Gebiet, der die Rutschgefahr letztlich verringert. (jk)

Wann kommt der Berg? «Im schlimmsten Fall über Auffahrt»

Der grosse Elefant im Raum an der Medienkonferenz in Chur: Wann kommt der Berg wirklich? Respektive: Wann rufen die Behörden die letzte Phase Blau aus? Laut Konzept soll es dann noch einige Stunden oder maximal ein bis drei Tage dauern bis zum Abbruch.

Stefan Schneider sagt dazu: «Im Moment sieht es nicht unmittelbar danach aus, dass wir auf Blau wechseln müssen». Und weiter: «Im Schlimmsten Fall ist damit aber bereits über die Auffahrtstage zu rechnen.»

Der Regen der vergangenen Tage, Wochen und Monate habe auf die aktuelle Situation dabei nur bedingt einen Einfluss. «Wir sehen ein gewisses Muster, dass sich die Bewegung im Gelände beschleunigt hat», erklärt Schneider. Die war aber schon im trockenen Herbst und Winter der Fall. (sat)

... Blockschlag, Felssturz, Bergsturz?

Was sich nicht nur Medienschaffende in den letzten Tagen und Wochen immer wieder gefragt haben: Wie sagt man den über Brienz/Brinzauls abbrechenden Gesteinsmassen eigentlich?

Die Experten unterscheiden drei Begriffe:

  • Blockschlag: Darunter verstehen die Experten einzelne Steinblöcke die ins Tal hinunterdonnern - wie beispielsweise am Mittwochmorgen.
  • Felssturz: Wenn grössere Felsstücke abbrechen.
  • Bergsturz: Ab einer Absturzmasse von 500’000 Kubikmeter. Im Bereich der sogenannten «Insel» rechnen die Experten von bis zu knapp zwei Millionen Kubikmeter Abbruchmaterial.

«Das ist Mathematik, keine Hexerei»

«Die Prognose ist keine Hexerei, im Hintergrund ist das im Grunde einfach Mathematik», sagt Stefan Schneider. Dennoch dürfe man den gesunden Menschenverstand bei einem solchen Thema nicht ausser Acht lassen, gibt der Leiter Frühwarndienst zu bedenken. Darum würden immer auch die mit der Prognose verbundenen Unsicherheiten kommuniziert. (sat)

Stefan Schneider, Leiter Frühwarndienst.

Stefan Schneider, Leiter Frühwarndienst.

KEY

«Das ist noch nicht einmal ein Felssturz»

Dann geht Stefan Schneider auf den Steinschlag vom Mittwochmorgen ein. «Das ist noch nicht einmal ein Felssturz», sagt der Leiter Frühwarndienst Albula/Alvra. Laut dem Ingenieur donnern solche Felsbrocken oberhalb von Brienz/Brinzauls regelmässig ins Tal, entsprechend würden die Experten dieses als «relativ kleines Ereignis» einstufen. Wird die Rutschgeschwindigkeit in die Zukunft extrapoliert, könnte der Berg am 25.Mai kommen. «Aber schreiben Sie jetzt nicht, am 25. Mai kommt der Berg.» (sat)

In Brienz donnern erneut Felsen ins Tal.

Quelle: Blick TV / Gemeinde Albula/Alvra

«Die Lage hat sich zugespitzt»

Organisatorisch ist der Frühwarndienst Brienz/Brinzauls in vier Bereitschaftsgrade aufgeteilt. Das erklärt Stefan Schneider als dessen Leiter. Inzwischen gilt die höchste Stufe 4. «Die Lage hat sich zugespitzt, deshalb kontrollieren wir die Daten mehrmals am Tag.» Das grösste Ereignis ereignete sich heute Morgen um 9:14 Uhr. (sat)

30 bis 60 Sekunden dauert ein Absturz

Dank hochauflösenden Bildern sind «bereits kleine Abbrüche sind von Stunde zu Stunde erkennbar», erklärt Andreas Huwyler. Ein Radar überwacht zudem grössere Blöcke die herunterfahren.

Laut dem Projektleiter Naturgefahren Brienz im AWN dauert der Absturz eines Felsblocks 30 bis 60 Sekunden. «Diese Dauer reicht, damit Autos noch rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich entkommen können», so Huwyler. Die nachfolgenden Fahrzeuge werden dann von einer auf Rot geschalteten Ampel aufgehalten. Schon tausend Steinschläge wurden verzeichnet. (sat)

Die Abbruchstelle über dem Dorf Brienz.

Die Abbruchstelle über dem Dorf Brienz.

KEY

So wird der Berg überwacht

Der Bergrutsch wird mittels einer ganzen Reihe von Systemen überwacht. Ein Teil davon dient der Frühwarnung. Und so sind die Systeme angeordnet:

So sieht das Überwachungssystem des Bergs aus. Photogrammetrie, Georadar, Steinschlagradar, Tachymeter, GPS-Messpunkte.

So sieht das Überwachungssystem des Bergs aus. Photogrammetrie, Georadar, Steinschlagradar, Tachymeter, GPS-Messpunkte.

Screenshot KEY

Grösster, aber nicht einziger Frühwarndienst

Wie Andreas Huwiler erklärt, ist Brienz kein Einzelfall in Graubünden. Allerdings ist dieser Frühwarndienst der aufwendigste im Kanton und auch von der Organisation her mit einem Team von fünf Personen der grösste. Der Projektleiter Naturgefahren Brienz im AWN erklärt detailliert dessen Organisation und wie das Überwachungssystem in der Gemeinde Albula/Alvra aufgebaut ist. (sat)

Ein Foto fürs eigene Geschichtsalbum

So oft ist das Amt für Wald und Naturgefahren nicht im Zentrum des Medieninteresses. Stefan Schneider (Leiter Frühwarnsystem) macht deshalb ein Foto von der Szenerie.

Ein Foto fürs Album macht Stefan Schneider .

Ein Foto fürs Album macht Stefan Schneider .

Screenshot KEY

Behörden informieren über aktuelle Lage und Frühwarndienst

Die Medienkonferenz der Bündner Behörden zur aktuellen Lage in Brienz/Brinzauls und zum Frühwarndienst in der Gemeinde Albula/Alver startet. Das Interesse der Medienschaffenden ist gross. Der Saal im Bündner Amt für Wald und Naturgefahren füllt sich noch immer. (sat)

Stefan Schneider (Leiter Frühwarnsystem) und Andreas Huwiler (Projektleiter Naturgefahren).

Stefan Schneider (Leiter Frühwarnsystem) und Andreas Huwiler (Projektleiter Naturgefahren).

Screenshot KEY
Urban Maissen, Leiter Amt für Wald und Naturgefahren Kanton Graubünden begrüsst die Medienschaffenden.

Urban Maissen, Leiter Amt für Wald und Naturgefahren Kanton Graubünden begrüsst die Medienschaffenden.

Screenshot KEY

Ab 11 Uhr hier im Liveticker – das ist die aktuelle Lage

Die Situation in Brienz (GR) ist angespannt - es herrscht Alarmstufe Rot. Das Bündner Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) lädt darum heute die Medien zu einem Gespräch über die aktuelle Lage. Zudem will der Kanton über den bereits seit längerem eingerichteten Frühwarndienst für die Gemeinde Albula/Alvra informieren. Wir tickern hier ab 11 Uhr live

Angekündigt sind:

  • Urban Maissen, Leiter Amt für Wald und Naturgefahren Kanton Graubünden
  • Christian Wilhelm, Leiter Naturgefahren Kanton Graubünden
  • Andreas Huwiler, Projektleiter Naturgefahren Brienz im AWN
  • Stefan Schneider, Leiter Frühwarndienst Albula/Alvra, CSD Ingenieure AG

Blockschlag: Hier donnern Felsen zu Tal

In Brienz herrscht Alarmstufe Rot. Erwartet wird, dass ein grosser Teil des Berges abbricht. Immer wieder donnern Felsen zu Tal. Das zeigt dieses Video eindrücklich:

In Brienz donnern erneut Felsen ins Tal. Aufgrund der Menge sprechen Geologen von einem Blockschlag und nicht von einem Felssturz.

Quelle: Blick TV / Gemeinde Albula/Alvra

Phase Blau hat noch nicht begonnen

Ein grösserer Abbruch steht voraussichtlich noch nicht bevor. Davor würde nämlich die Phase Blau ausgerufen, wie die Gemeinde Albula/Alvra mitteilt, in welcher Brienz liegt. Diese Phase hat aktuell noch nicht begonnen. (pin)

Ex-Gemeindepräsidentin von Bondo über Parallelen und Unterschiede

Acht Menschen starben im August 2017 beim Bergsturz am Pizzo Cengalo, Geröll- und Schlammlawinen zerstörten Häuser im Bündner Dorf Bondo. FDP-Nationalrätin Anna Giacometti erzählt, wie sie als damalige Gemeindepräsidentin die Katastrophe erlebt hat – und was man in Brienz daraus lernen kann.

Seit Mitte Mai Sperrzone

Die Einwohnerinnen und Einwohner sowie die zuständigen Behörden waren zwar gewarnt. Dennoch blickten sie – wie auch die Experten der ETH – zuletzt mit wachsender Sorge an die Hänge über dem Bündner Bergdorf. Nachdem sich die Bewegung der riesigen Gesteinsmassen an der Flanke des Piz Linard zuletzt stark beschleunigt hatte, ordnete die Gemeinde Mitte Monat schliesslich die Evakuierung des Dorfes an.

So hat das Gebiet des Felssturzes mit der «Insel» oberhalb des Bündner Bergdorfs Brienz/Brinzauls noch Mitte Mai ausgesehen.

So hat das Gebiet des Felssturzes mit der «Insel» oberhalb des Bündner Bergdorfs Brienz/Brinzauls noch Mitte Mai ausgesehen.

Bild: Keystone

Konkret gilt in Brienz/Brinzauls seit Freitag, 12. Mai, um 18 Uhr, die Alarmstufe Rot und damit ein Betretungsverbot. Laut einer damaligen Mitteilung der verantwortlichen Gemeinde Albula/Alvra bedeutete das: In vier bis vierzehn Tagen könnten sich die Felsmassen nach Messungen und Modellrechnungen lösen und ins Tal herabdonnern. Ob die Steine und Erdmassen vor dem Dorf liegen bleiben, daran vorbeirutschen oder tatsächlich Kirche und Häuser mitreissen, konnte niemand vorhersagen. (sat/abi/wan/dpa)

Zwei Millionen Kubikmeter Material in Bewegung

Brienz/Brinzauls liegt rund 25 Kilometer Luftlinie südwestlich von Davos auf etwa 1100 Metern Höhe. Das Bündner Bergdorf ist nicht zu verwechseln mit dem bekannteren Brienz unweit von Interlaken am Brienzersee im Berner Oberland.

Das Dorf Brienz im Kanton Graubünden. Die Karte vergrössert sich durch Anklicken.

Das Dorf Brienz im Kanton Graubünden. Die Karte vergrössert sich durch Anklicken.

Bild: CH Media

Insgesamt sind oberhalb von Brienz GR im Gebiet der sogenannten «Insel» bis zu zwei Millionen Kubikmeter Material in Bewegung. Dessen Tempo stieg in den letzten Wochen auf hochgerechnet bis zu 35 Meter pro Jahr an –eine vergleichsweise horrende Geschwindigkeit für Gesteins- und Erdmassen. Folglich riefen die Behörden bereits Mitte April zuerst die Vorwarnstufe Gelb aus.

So präsentiert sich der Fels oberhalb von Brienz.

So präsentiert sich der Fels oberhalb von Brienz.

Bild: Google Earth / Grafik: stb

Auch das Dorf selber ist in Bewegung

Allerdings wird Brienz GR nicht nur von oben durch herabstürzende Gesteinsmassen bedroht. Das Dorf selber rutscht ebenfalls jedes Jahr weiter ins Tal und steht damit auch unabhängig vom Felssturz vor einer offenen Zukunft. Denn wie bei der «Insel» hat sich auch die Rutschung des Dorfes in den letzten Jahren von anfänglich zehn Zentimetern auf einen Meter pro Jahr massiv beschleunigt.

Als Grund für die Rutschung des Dorfes vermuten Experten, dass Brienz/Brinzauls auf einer Art Scholle innerhalb des sogenannten Brienzer Rutsches liege. Brienz GR steht wegen der verschiedenen Naturgefahren denn auch bereits seit Jahren unter Beobachtung. Und so dürfen beispielsweise seit 2017 keine neuen Häuser mehr gebaut werden. (sat/abi/wan/dpa)

Naturgewalt lässt sich nicht aufhalten

Noch im Oktober 2021 bestand allerdings Hoffnung, den Rutsch aufhalten zu können, indem Wasser im Berg über einen provisorischen Stollen abgeführt wird. Das Rutschen des Dorfes konnte damit zwar etwas gebremst werden. Vor gut einem Monat zeichnete sich dann aber ab, dass der Fels darüber dennoch abbrechen oder abrutschen wird.

Seit Brienz/Brinzauls eine Sperrzone ist, leuchtet im Bündner Bergdorf nachts nur noch die Kirche.
14 Bilder
Gut zu sehen über der Kirche: Der sogenannte «Brienzer Rutsch» dessen Abbruch das Dorf bedroht.
Der Hang gilt denn auch als eine der am besten überwachten geologischen Zonen der Schweiz.
Doch nicht nur für das Dorf, sondern auch für das Gebiet darum herum gilt ein Betretungsverbot ...
... und so sind auch alle Zufahrtsstrassen von den Behörden abgeriegelt worden.
Allerdings ist das für das Bündner Bergdorf nicht neu. Bereits in den Wochen zuvor war die Kantonsstrasse immer wieder gesperrt worden.
Apropos Kirche: An dieser ist gut zu sehen, dass nicht nur der Hang über dem Dorf rutscht. Sondern auch Brienz/Brinzauls als Ganzes.
Und noch ein Bild mit Rissen - aufgenommen 2019.
Oder hier ein Bild von einem Besuch vor anderthalb Jahren: Der Riss geht direkt durch den Stallboden von Georgin Bonifazi.
Und hier erklärt Josef Kurath vom Tiefbauamt Graubünden auf einer Karte den «Brienzer Rutsch» und dessen Überwachung.
Logisch löst die Situation in der Gemeinde Fragen aus. Im Bild: Präsident Daniel Albertin an einem Infoanlass im Gespräch mit einer Bürgerin.
Ebenso auf Interesse stösst der «Brienzer Rutsch» bei Medienschaffenden im In- und Ausland.
Derweil wird geräumt: Roland Bossi und Sohn Leandro helfen den im Dorf wohnhaften Eltern beim Abtransport eines Kühlschranks.
Oder Renato Liesch: Auch er musste mit seinem Traktor das Dorf verlasse.

Seit Brienz/Brinzauls eine Sperrzone ist, leuchtet im Bündner Bergdorf nachts nur noch die Kirche.

Keystone

Wenn der Gesteinsrutsch unmittelbar bevorsteht, hatten die Behörden angekündigt, mit der Ausrufung der höchsten Alarmstufe Blau dann auch noch die unterhalb des Dorfes liegende Bahnlinie sowie die Strassen von Tiefencastel nach Filisur und nach Lenzerheide sperren zu wollen. (sat/abi/wan/dpa)

Was bisher geschah 

Oberhalb von Brienz GR im Gebiet der sogenannten «Insel» sind bis zu zwei Millionen Kubikmeter Material in Bewegung. Dessen Tempo stieg in den letzten Wochen auf hochgerechnet bis zu 35 Meter pro Jahr an, was für Gesteins- und Erdmassen eine enorme Geschwindigkeit ist. Als Folge dessen riefen die Behörden bereits Mitte April die Vorwarnstufe Gelb aus.

Als vergangene Woche die Alarmstufe Rot folgte, mussten alle 84 Einwohnerinnen und Einwohner wie seit langem vorbereitet ihr wichtigstes Hab und Gut sowie alle Tiere in Sicherheit bringen. Laut Gemeinde haben alle von der Evakuierung Betroffenen ein neues, temporäres Dach über dem Kopf gefunden.

In einer Mitteilung der verantwortlichen Gemeinde Albula/Alvra vom 12. Mai hiess es, dass sich die Felsmassen nach Messungen und Modellrechnungen in vier bis vierzehn Tagen lösen und ins Tal herabdonnern. Wie sich die Geröllmasse verhalten wird und ob sie das Dorf auch trifft, können die Experten nicht genau vorsagen. (sat/abi/wan/dpa)

Keine direkte Folge des Klimawandels

Der Klimawandel macht Felsstürze mancherorts wahrscheinlicher. Wenn Permafrost auftaut, können Schutt und Geröll ihren Halt verlieren. In Brienz/Brinzauls spielt dies nach Expertenangaben aber keine Rolle. «Das Dorf ist seit Menschengedenken in Bewegung», heisst es auf der Webseite der Gemeinde Albula/Alvra.

Und weiter heisst es: «In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Rutschung aber stark beschleunigt: Aktuell beträgt die Bewegung rund einen Meter pro Jahr.» Allerdings dürften die Niederschläge der vergangenen Tage laut Experten die Bewegung der Erd- und Gesteinsmassen oberhalb von Brienz GR zusätzlich beschleunigt haben. (sat/abi/wan/dpa)