Familie
Gleicher Zugang zu Betreuung: Kommission fordert mehr Kita-Plätze zu günstigeren Preisen

Kinder aus benachteiligten Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund werden seltener in Kindertagesstätten betreut. Damit alle Zugang haben, brauche es Anpassungen, fordert die Kommission für Familienfragen.

Alice Guldimann
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Die Kommission für Familienfragen will für gleiche Chancen bei der Kinderbetreuung sorgen. (Symbolbild)

Die Kommission für Familienfragen will für gleiche Chancen bei der Kinderbetreuung sorgen. (Symbolbild)

Keystone

Damit alle Kinder in der Schweiz eine Kita besuchen können, braucht es mehr Betreuungsplätze zu tieferen Kosten. Zu diesem Schluss kommt die Eidgenössische Kommission für Familienfragen (Ekff). Die ausserparlamentarische Kommission ist ein beratendes Organ des Bundesrates.

In einem am Montag veröffentlichten Dossier stützt sich die Kommission auf verschiedene Studien aus der Schweiz und aus dem Ausland. Diese hätten gezeigt, dass Kinder aus benachteiligten Verhältnissen und Kinder mit Migrationshintergrund deutlich weniger in Kindertagesstätten betreut werden.

Dabei wären es gerade diese Kinder, die von externer Betreuung besonders profitieren würden und in der Tagesstätte bestimmte Fähigkeiten aufbauen könnten, wie die Ekff weiter schreibt. Die Gründe für ihr Fehlen sind vielfältig. So sei die Erwerbsquote bei Eltern aus sozial schwachen Verhältnissen geringer. Arbeitnehmende mit geringerem Bildungsstand würden zudem häufiger unregelmässig arbeiten, in Branchen wie der Gastronomie, der Reinigung oder im Verkauf. Die Öffnungszeiten der Tagesstätten richteten sich jedoch an den üblichen Arbeitszeiten.

Nach Abzug der Kosten lohnt sich die Arbeit nicht

Ein weiterer Grund sind laut der Kommission die Kosten. Auch wenn diese proportional zum Einkommen berechnet werden, bleibe die Dienstleistung für Geringverdiener unerschwinglich oder werde als zu teuer angesehen. Würden Familien ausrechnen, was von ihrem Einkommen nach Abzug der Kita-Kosten und der Steuern übrig bleibt, «entscheiden sie sich sehr oft dafür, entweder die Erwerbsquote zu reduzieren oder eine berufliche Tätigkeit aufzugeben», heisst es im Dossier.

Würden die Kosten gesenkt und der Platzmangel behoben, verspricht sich die Ekff auch weniger Benachteiligungen. Denn in Ländern wie Schweden und Dänemark, wo der Zugang zu einem familienergänzenden Betreuungsplatz für jedes Kind garantiert ist, gebe es keine sozialen Verzerrungen wie in der Schweiz. Weiter fände die Kommission ein «stark formalisiertes System für die Platzvergabe» sinnvoll. Plätze sollen anhand verschiedener Kriterien vergeben werden, die den Arbeitsmarktstatus und die familiäre Situation berücksichtigen.

Für einige Gruppen sei es zudem angebracht, einen erleichterten Zugang zu den Betreuungsplätzen in Betracht zu ziehen. «Zum Beispiel könnten Kindern aus benachteiligten Verhältnissen zumindest für einige Halbtage in der Woche Plätze zur ‹Sozialisation› angeboten werden», so die Kommission. Dies werde in der Stadt Neuenburg bereits so praktiziert. Weiter könnten Teilnehmer eines Wiedereingliederungsprojekts während der Arbeitssuche vorrangigen Zugang zu einem Betreuungsplatz erhalten.

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