Coronapandemie
Kanton St.Gallen löscht über 8000 gefälschte Impfzertifikate und warnt Nachahmer

Der Kanton St.Gallen hat am Mittwoch über 8000 Impfzertifikate annulliert, die illegal ausgestellt wurden. Die Staatsanwaltschaft untersucht den Tathergang. Zertifikatsfälschern sowie Käuferinnen und Käufern drohen hohe Strafen wegen Urkundenfälschung.

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Am Mittwoch hat der Kanton St.Gallen über 8000 gefälschte Impfzertifikate gelöscht. (Symbolbild)

Am Mittwoch hat der Kanton St.Gallen über 8000 gefälschte Impfzertifikate gelöscht. (Symbolbild)

Bild: Laurent Gillieron / KEYSTONE

Im Kanton St.Gallen hat eine Gruppe von Personen mehrere tausend Impfzertifikate illegal ausgestellt und dafür hohe Geldbeträge gefordert. Wie die Staatskanzlei St.Gallen am Donnerstag in einer Mitteilung schreibt, hätten diese Personen in privaten Testzentren gearbeitet und dadurch Zugang zum nationalen Ausstellsystem für Zertifikate gehabt.

Weiter schreibt der Kanton, er habe den Bund bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass das IT-System zum Auslösen von Zertifikaten erhebliche Mängel habe. Zudem eröffne es zu vielen Personen die Möglichkeit, unrechtmässige Impfzertifikate auszustellen.

Käuferinnen wie Verkäufer machen sich strafbar

Nun hat das St.Galler Gesundheitsdepartement über 8000 illegal ausgestellte Impfzertifikate annulliert. Gegen Personen, die solche falschen Impfzertifikate hergestellt haben, wird überdies wegen Urkundendelikten ermittelt. Den Verdächtigen droht bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Auch Personen, die ein gefälschtes Covid-19-Zertifikat erworben haben und verwenden, machen sich laut Mitteilung strafbar. Ihnen droht ebenfalls eine Verurteilung zu einer Freiheits- oder Geldstrafe.

Wichtig sei zudem festzuhalten, schreibt die St.Galler Staatskanzlei in ihrer Mitteilung, dass die Tatverdächtigen nicht in einer kantonalen Impfstelle gearbeitet haben. Das Personal in den kantonalen Impfstellen habe nämlich keinen Zugang zum Ausstellsystem für Zertifikate.

Schweizweit grösster Betrugsfall

Vergangene Woche berichtete CH Media über einen Fall im Kanton St.Gallen, bei welchem rund 6000 Zertifikate missbräuchlich ausgestellt worden seien, bis die mutmasslichen Täter kürzlich aufflogen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte damals, sie habe Kenntnis von Zertifikatsfälschungen im Kanton und habe entsprechende Untersuchungen eingeleitet. Auf Nachfrage bestätigt am Donnerstag der Kanton St.Gallen, dass dieser Fall im Zusammenhang stehe mit der nun mitgeteilten Löschung von 8000 Impfzertifikaten.

Das Problem bei solch missbräuchlich ausgestellten Zertifikaten ist, dass sie laut Aussagen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) identisch zu jedem anderen Impfzertifikat sind. «Missbräuchlich ausgestellte Zertifikate kann man nicht erkennen. Sie erscheinen als gültig und echt, beruhen aber auf gefälschten Angaben durch korrupte Personen», erklärte vergangene Woche BAG-Sprecherin Nani Moras. Zu den angesprochenen Mängeln des IT-Systems erklärte das BAG damals, man sei im wöchentlichen Austausch mit den Kantonen. Dort würden auch Hinweise und Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Systems diskutiert. (SK/tn/alr/sat)