Erste Nachwahlbefragung
Junge lehnten CO2-Gesetz deutlich ab – Klimastreik rechtfertigt Abseitsstehen

Laut einer ersten Nachwahlbefragung haben Junge das CO2-Gesetz deutlich abgelehnt. Angenommen hätten es einzig Babyboomer. Der Klimastreik, der die Vorlage teils bekämpfte, verteidigt seine Politik.

Samuel Thomi
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Nach dem Nein zum CO2-Gesetz nehmen Mitglieder des Klimastreiks Stellung. Nun zeigt sich: Junge haben überdurchschnittlich abgelehnt.

Nach dem Nein zum CO2-Gesetz nehmen Mitglieder des Klimastreiks Stellung. Nun zeigt sich: Junge haben überdurchschnittlich abgelehnt.

Keystone

Das Schweizer Stimmvolk hat das CO2-Gesetz am Sonntag knapp abgelehnt. Am Ende votierten 51,6 Prozent gegen mehr Klimaschutz. Besonders in ländlichen Kantonen fiel die Gesetzesrevision durch. Nun gibt eine erste Nachwahlbefragung Aufschluss darüber, wie einzelne Altersgruppen abgestimmt haben und was die Motive für ihr Abstimmungsverhalten waren.

Wie am Dienstag «20 Minuten» und die Tamedia-Zeitungen aufgrund ihrer Nachwahlbefragung berichten, haben die 18- bis 34-Jährigen das CO2-Gesetz mit 58 Prozent überdurchschnittlich häufig abgelehnt. Einzig bei der Altersgruppe ab 65 Jahren – also unter den Babyboomern – fand die Vorlage mit 54 Prozent eine Mehrheit. Inhaltlich war die Angst vor höheren Kosten das Hauptargument gegen die Vorlage. Lediglich 2 Prozent begründeten ihr Nein damit, das CO2-Gesetz gehe ihnen zu wenig weit.

«Klimabewegung hat in ihrer Altersklasse keine Schlagkraft»

Genau mit dieser Argumentation hatte jedoch ein Teil des Klimastreiks in einer unheiligen Allianz Referendums-Unterschriften gegen das CO2-Gesetz gesammelt. Ihnen gingen die geplanten Massnahmen gegen den Klimawandel zu wenig weit, argumentierten vorab Regionalgruppen aus der Westschweiz. Die meisten Unterschriften gesammelt hat jedoch die SVP zusammen mit der Auto- und Erdöllobby.

Da die Jungen das CO2-Gesetz bereits in seinen Umfragen vor der Abstimmung mehrheitlich abgelehnt hatten, bezeichnet Politologe Fabio Wasserfallen das Ergebnis der Nachwahlbefragung als «sehr konsistent». Und zum Klimastreik sagt er: «Die Bewegung hat in ihrer Altersklasse keine Schlagkraft.» Dieser sei eine Elitebewegung und repräsentiere nicht die Jugend. Das Abstimmungsergebnis insgesamt sei jedoch «ein konservatives Nein, kein Nein von links», so Studienautor Wasserfallen gegenüber den Tamedia-Zeitungen. An der vom 11.-13. Juni durchgeführten Nachwahlbefragung teilgenommen haben insgesamt gut 16'000 Personen.

«Wir glauben nicht, einen Fehler gemacht zu haben»

Als Reaktion auf das Abstimmungsergebnis haben Vertreterinnen und Vertreter der Klimastreikbewegung noch am Sonntag auf dem Bundesplatz in Bern ein noch härteres CO2-Gesetz gefordert. Auf ihren möglichen Anteil an der Niederlage gingen die Redner dabei nicht ein. Gegenüber dem «Blick» vom Dienstag sagt nun Lorenz Keller vom Klimastreik: «Wir glauben nicht, einen Fehler gemacht zu haben.» Das vorliegende Gesetz sei eben «nicht die Art von Klimaschutz, für die wir uns einspannen lassen». Die Bewegung habe einen eigenen Aktionsplan mit sozialeren und konsequenteren Massnahmen präsentiert.

Gegenüber den Tamedia-Zeitungen wiederum sagte Klimastreik-Sprecher Cyrill Hermann am Dienstag zu den Ergebnissen der Nachwahlbefragung: Die Bewegung sei nicht überzeugt gewesen vom vorliegenden CO2-Gesetz. Entsprechend habe man deren Einfluss auf die Jungen für diese «Scheinpolitik» auch gar nicht erst geltend machen wollen.

Nebst den Tamedia-Nachwahlbefragungen werden Motive und Argumente der Bürger und Bürgerinnen für ihren Stimmentscheid traditionell auch vom Bund erhoben. Diese sogenannte VOX-Analyse zu den Abstimmungen vom vergangenen Wochenende sind jedoch noch ausstehend. Sie werden seit diesem Jahr wiederum vom Forschungsinstitut gfs.bern erhoben.