Ehe für Alle
Ab heute dürfen homosexuelle Paare heiraten: Kein Ansturm, aber eine kleine Welle

Ab heute können sich homosexuelle Paare auf dem Zivilstandesamt trauen lassen. Der Ansturm hält sich in Grenzen. Und zumeist handelt es sich um die Umwandlung registrierter Partnerschaften.

Peter Walthard
Drucken
Zivilstandsämter rechnen nicht mit grossem Ansturm: Ab dem 1. Juli gilt die «Ehe für alle».

Zivilstandsämter rechnen nicht mit grossem Ansturm: Ab dem 1. Juli gilt die «Ehe für alle».

Bild: Keystone

Nach dem Ja zur «Ehe für alle» gilt es ab dem 1. Juli ernst: Gleichgeschlechtliche Paare können sich ab heute auf dem Zivilstandesamt das Jawort geben und gelten damit offiziell als Eheleute. Das Interesse daran hält sich jedoch in Grenzen: «Einen riesigen Ansturm gibt es momentan noch nicht, wir nehmen jedoch eine kleinere Welle wahr», heisst es etwa beim Zivilstandesamt St. Gallen auf Anfrage.

Diese dürfte auch schon den Höhepunkt der Nachfrage darstellen. So sagt Toprak Yerguz, Leiter Kommunikation beim Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt.«Generell konnte davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage zu Beginn deutlich erhöht ist.» Derzeit sind in Basel im Juli zwölf Termine gebucht, im August fünf, im September nur noch drei.

«Bereits im September gibt es wieder einen deutlichen Rückgang solcher Termine, was ebenfalls den Erwartungen entspricht», so Yerguz. Den Hauptteil machen dabei Umwandlungen von bereits registrierten Partnerschaften aus.

250 Reservationen in Zürich bis Ende Jahr

Dasselbe Bild zeigt sich in der Stadt Luzern, wo jährlich rund 600 Ehen geschlossen werden. Von zehn gebuchten Terminen handelt es sich bei neun um Umwandlungen. Insgesamt warten im Kanton Luzern rund 50 gleichgeschlechtliche Paare auf die Trauung.

Auch in der grössten Schweizer Stadt hält sich der Ansturm in Grenzen. Nächsten Freitag schliessen in Zürich 26 gleichgeschlechtliche Paare die Ehe, in 24 Fällen geht es um Umwandlungen, wie das Präsidialdepartement auf Anfrage schreibt.

Bis Ende Jahr habe das Zivilstandsamt 250 Terminreservationen von gleichgeschlechtlichen Paaren erhalten. Davon sind 10 Prozent neue Heiraten. Zum Vergleich: Im Schnitt lassen rund 100 gleichgeschlechtliche Paare auf dem Zürcher Zivilstandsamt ihre Partnerschaft eintragen.

Homosexuelle Ehen nur ein Bruchteil der Termine

Im Kanton Bern sind 194 Termine für Eheschliessungen von gleichgeschlechtlichen Paaren oder Umwandlungen von eingetragenen Partnerschaften reserviert. Zum Vergleich: Jährlich werden im Kanton Bern etwa 4000 Ehen geschlossen. Im benachbarten Kanton Solothurn sind bisher 40 Termine gebucht, wobei es sich in 29 Fällen um Umwandlungen handelt.

Zehn Termine vergeben worden sind beim Zivilstandsamt Aarau, wo jährlich zwischen 300 und 350 Trauungen stattfinden. Neun davon seien Umwandlungen von eingetragenen Partnerschaften, heisst es auf Anfrage. Auch beim Zivilstandsamt in Chur rechnet man nicht mit einem Ansturm. In den ersten drei Juli-Wochen seien vier Umwandlungen von eingetragenen Partnerschaften in Ehen angesetzt, sagt dessen Leiter Markus Frauenfelder auf Anfrage.

Nur im Wallis wird das Datum speziell begangen

Im Kanton Wallis sind derzeit etwas mehr als 15 Trauungen von gleichgeschlechtlichen Paaren geplant, dazu kommen etwa 30 Umwandlungen von eingetragenen Partnerschaften in Ehen. Zum Vergleich: 2021 hatte es im Kanton 1513 Hochzeiten gegeben, ausserdem wurden 26 Partnerschaften eingetragen.

Für den Freitag hat das kantonale Amt für Gleichstellung und Familie in Zusammenarbeit mit der Walliser LGBTQ+-Organisation Alpagai einen Event geplant. Ein Apéro ist auch in Zürich geplant. Ein Mitglied des Stadtrates wird eine Grussbotschaft überbringen.

Die anderen angefragten Zivilstandsämtern sehen keinen besonderen Anlass zur Einführung der «Ehe für alle» vor. In Aarau wäre es ausserdem gar nicht möglich, bereits am 1. Juli zu heiraten: Dann findet in der Stadt der Maienzug statt, und das Zivilstandesamt bleibt zu.