Direktor des BAG: «Wir müssen Dunkelziffer in Zukunft besser berücksichtigen»

Der Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG) verteidigt in einem Interview mit Radio SRF die Massnahmen des Bundes zum Corona-Virus. Der Zahl versteckter Fälle müsse in Zukunft aber mehr Beachtung geschenkt werden.

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Pascal Strupler ist seit 2010 Direktor des Bundesamts für Gesundheit.

Pascal Strupler ist seit 2010 Direktor des Bundesamts für Gesundheit.

Keystone

(gb.) Fast 1000 durchgeführte Tests, zwölf bestätigte Fälle und fünf positive Fälle, die noch einer zweiten Abklärung bedürfen: So sieht die momentane Lage zum Corona-Virus in der Schweiz aus. Unbekannt ist derweil die Zahl der Fälle, in denen eine Ansteckung mit dem Virus unbemerkt vonstatten geht. In einem Interview mit Radio SRF sagte Pascal Strupler, der Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), dass eine gewisse Dunkelziffer in der Schweiz bestehe und dass diese noch wachsen könnte. Damit widerspricht er leicht dem Epidemie-Experten des Bundes, Daniel Koch, der am Freitag vor den Medien gesagt hatte, man müsse mit keiner hohen Dunkelziffer rechnen.

In Bezug auf die beschlossene Massnahme des Bundesrats, alle Veranstaltungen ab 1000 Personen zu verbieten, sagte Strupler: «Es ist eine harte Massnahme, die gravierende wirtschaftliche Konsequenzen hat. Jedoch hat für den Bundesrat der Schutz der Bevölkerung erste Priorität». Von einem Ausnahmezustand sei man zudem noch weit entfernt. Von einem solchen könne erst die Rede sein, wenn etwa Dörfer oder Städte abgeriegelt oder wenn Menschen massenhaft unter Quarantäne gesetzt werden müssten.

Angesprochen wurde Strupler auch auf die Frage, ob der Bund das Risiko für die Schweiz seit Ausbruch der Krise in China unterschätzt hatte. Noch am 14. Februar habe es nämlich gemäss dem Moderator seitens des Bundes geheissen, das Risiko einer unkontrollierten Ausbreitung in der Schweiz sei gering. Strupler erwiderte darauf, dass das BAG seine Analysen immer nur nach den damals verfügbaren Informationen habe machen können und entsprechend informiert hat. Er halte es nicht für nützlich, die damalige Lage nach heutigem Wissensstand erneut einzusetzen.

Ein Eingeständnis machte er jedoch im Hinblick auf besagte Dunkelziffer. Diese müsse in Zukunft besser berücksichtigt werden. Noch vor zwei Wochen hatte es seitens des BAG noch geheissen, die alten Ansteckungsketten seien erloschen, es habe in Europa keine weiteren Fälle mehr gegeben.

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