Der Wirtschaftsberater des Bundesrates fordert Extrasteuer für Krisengewinner

Jan-Egbert Sturm, der Direktor der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich und Mitglied der Coronataskforce des Bundes, fordert für Krisengewinner eine Extrasteuer.

Drucken
Teilen
Jan-Egbert Sturm ist Chef der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich und Mitglied der Coronataskforce des Bundes.

Jan-Egbert Sturm ist Chef der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich und Mitglied der Coronataskforce des Bundes.

Walter Bieri / Keystone

(sat) «Es gibt Firmen, die in der Krise so viel verdient haben wie nie zuvor», sagt Jan-Egbert Sturm im Interview mit dem «SonntagsBlick». Der Chef der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich und Leiter der Expertengruppe Wirtschaft der nationalen Coronataskforce spielt damit auf gewisse Lebensmittelhändler, Onlineshops und Pharmaunternehmen an. «Wir könnten darüber nachdenken», schlägt Ebgert-Sturm darum vor, «die Gewinne der Krisengewinner höher zu besteuern – und mit dem Geld die Verlierer der Krise zu unterstützen.»

Der KOF-Ökonom ist der Meinung, dass eine solche Umverteilung gerechtfertigt wäre, weil in der Krise zu einem grossen Teil der Zufall entschieden habe, welche Firmen höhere Gewinne machten. «Im Gegensatz zur Finanzkrise, wo Politik, Banken und Wirtschaft selbst Fehler gemacht haben, sind Eventveranstalter, Reise-, Gastro- und Hotelleriebetriebe unverschuldet in finanzielle Nöte geraten», sagt Sturm in dem Interview weiter.

Bund soll für Investitionskredite bürgen

Als Leiter der Expertengruppe Wirtschaft der Coronataskforce des Bundes tauscht sich KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm laut eigenen Angaben zwei Mal pro Woche mit den anderen Arbeitsgruppenleitern aus. «Die Taskforce ist im engen Austausch mit den Ministerien und teilt diesen laufend ihre Überlegungen mit.» Das seien aber lediglich Empfehlungen, so Sturm in dem Interview. «Entscheiden muss am Ende der Bundesrat.» Dessen bisherige Arbeit, insbesondere die «schnelle und unbürokratische» Hilfe, lobt der Ökonomieprofessor.

Doch zugleich warnt er: «Damit ist es aber nicht getan.» Ein grosses Problem sei, dass viele Firmen derzeit nicht mehr in ihre Zukunft investieren können. Es fehle an Vertrauen und Mitteln. «Eine Möglichkeit wäre, dass der Bund für Investitionskredite bürgt», schlägt Jan-Egbert Sturm vor. Und er konkretisiert: «Der Bund könnte zum Beispiel 70 Prozent der Ausfallrisiken übernehmen, das restliche Risiko bleibt bei den Banken.» So wäre laut dem Konjunkturforscher sichergestellt, dass die Banken nur Projekte finanzieren, die tatsächlich Aussicht auf Erfolg haben.