Der Bundesrat will junge Velofahrer aufs Trottoir lassen

Trotz heftiger Kritik besteht die Regierung darauf, dass junge Velolenker künftig auf dem Trottoir fahren dürfen.

Dario Pollice
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Ginge es nach dem Bundesamt für Strassen, müssten junge Velolenker bis zum 12. Lebensjahr nicht auf der Strasse fahren.

Ginge es nach dem Bundesamt für Strassen, müssten junge Velolenker bis zum 12. Lebensjahr nicht auf der Strasse fahren.

Steffen Schmidt

Vor anderthalb Jahren gab der Bundesrat ein Massnahmenpaket in die Vernehmlassung, das den Verkehrsfluss und die Verkehrssicherheit verbessern sollte. Das Paket beinhaltete den umstrittenen Vorschlag, Kindern bis zum 12. Lebensjahr die Velofahrt auf dem Trottoir zu erlauben.

Wie der Tagesanzeiger mit Verweis auf einen Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra) berichtet, soll der Systemwechsel aller Voraussicht nach in diesem Jahr noch umgesetzt werden. Vorgesehen ist, dass der Bundesrat das Massnahmenpaket in den nächsten Wochen verabschieden wird.

Heute dürfen Kinder nur mit Kinderrädern oder Spielzeugvelos das Trottoir benutzen. Eine Ausnahme bilden Trottoirs, die zur Schulwegsicherung explizit freigegeben und entsprechend signalisiert sind.

Widerstand von vielen Seiten

Der Verband Fussverkehr Schweiz und Agile, der Dachverband der Behinderten, kritisierten den Entscheid des Bundesrates. Dem Anliegen wollen sich die beiden Organisationen nicht ganz verschliessen, jedoch fordern sie eine Alterslimite bei 8 statt 12 Jahren. Kritik kommt auch vonseiten der Kantone Basel-Stadt und Bern.

Pro Velo begrüsst hingegen die Anhebung auf 12 Jahre, der Verband könne aber auch mit der Limite 10 Jahre leben.

Laut Tagesanzeiger bestehe das Astra auf der Öffnung der Trottoirs für Velofahrer bis zu 12 Jahren. Falls die Regierung den Vorschlägen von Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga zustimmt, führt wohl kein Weg an ihnen vorbei. Im Unterschied zu Gesetzesänderungen handelt es sich um Verordnungen, die keinem Referendum unterstehen.