Coronapandemie
Infektiologe Manuel Battegay fordert schrittweise Lockerungen

Nach dem obersten Gesundheitsdirektor spricht sich auch der Infektiologe und ehemalige Task-Force-Vizepräsident Manuel Battegay für eine erste Öffnung von Kultur- und Gastronomie aus.

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Infektiologe Manuel Battegay sagt, Lockerungen sind möglich. Allerdings brauche es Disziplin und Kontrolle.

Infektiologe Manuel Battegay sagt, Lockerungen sind möglich. Allerdings brauche es Disziplin und Kontrolle.

Kenneth Nars

(agl) «Man kann nicht immer noch mehr verbieten», sagt Battegay im Interview mit der Zeitung «Blick». Streng kontrolliert und mit Begleitmassnahmen würden schrittweise Öffnungen durchaus drinliegen, so der Infektiologe. So könnten kulturelle Anlässe mit adaptierten Zuschauerzahlen und Schutzkonzepten wieder zugelassen werden. «Auch Restaurantterrassen sollte man bald öffnen – mit schon vorgesehenen Kapazitätsbeschränkungen und vorgängiger Reservierung, damit kein Gedränge entsteht», sagt Battegay.

Auch für vorsichtige Öffnungen müssen laut dem Infektiologen aber bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Neben systematischen Tests und einer hohen Impfgeschwindigkeit seien Aufklärung, Disziplin und Kontrolle zentral. «Ein Grad an Disziplin der ersten Welle muss wieder her bei der Umsetzung von Schutz- und Hygienemassnahmen, damit man sehr bald öffnen kann», so Battegay gegenüber «Blick». Bisher sei bei Maskenpflicht und Abstand zu viel erlaubt worden. Zudem seien Informationskampagnen nötig, damit sich gefährdete Menschen ihres Risikos besser bewusst sind.

Der Infektiologe warnt aber auch: Die Vorstellung, dass Intensivstationen durch ganz alte Leute an den Anschlag gebracht werden, sei grundfalsch. Das Durchschnittsalter der Coronapatienten in den Spitälern liege bei 65 Jahren. «Wir müssten mit vielen schweren Erkrankungen und Todesfällen rechnen, wenn die Fallzahlen sehr stark ansteigen.»