Coronakrise verschärft die Probleme der Pensionskassen

Trotz guten Deckungsgraden vor der Pandemie gerät die berufliche Altersvorsorge wegen der Coronakrise unter Druck. Der Anteil der Unterdeckungen erhöhte sich sprunghaft auf 25,4 Prozent.

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Derzeit zahle die aktive Generation für die Renten der Älteren drauf, sagt die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge in ihrem Jahresbericht 2019.

Derzeit zahle die aktive Generation für die Renten der Älteren drauf, sagt die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge in ihrem Jahresbericht 2019.

Keystone

(wap) Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) zeichnet ein düsteres Bild von der aktuellen Lage der Pensionen in der Schweiz. Die ausgewiesenen Deckungsgrade seien per Ende April auf auf 105,6 Prozent gesunken. Ende 2019 waren es noch 111,6 Prozent gewesen. Der Anteil der Unterdeckungen sprang in den ersten vier Monaten 2020 von 1,1 Prozent auf 25,4 Prozent. Die Kommission ist deshalb der Meinung: «Die Notwendigkeit, die gesetzlich festgelegten technischen Parameter den ökonomischen und demographischen veränderten Realitäten anzupas- sen, ist durch die Coronakrise somit noch dringlicher geworden.»

Bei den Zahlen für 2020 handle es sich allerdings erst um Hochrechnungen, sagte Kommissionspräsidentin Vera Kupper Staub an einer Medienkonferenz am Dienstag. Wie schlimm die Krise die zweite Säule treffe, hänge ganz davon ab, wie sich die Wirtschaft weiterentwickle. Grundsätzlich sei die berufliche Vorsorge so aufgebaut, dass es zeitweilige Unterdeckungen auch in diesem Ausmass vertrage. «Wenn das jetzt die Krise war und es normal weitergeht, dann ist es nicht besorgniserregend», sagte sie. Folge nun aber eine lange Rezession, könne die Lage sehr wohl besorgniserregend werden.

Gute Ausgangslage

In den letzten Jahren hatten die Pensionskassen von den Finanzmärkten profitiert, besonders im Bereich Aktien, Immobilien und Obligationen. Ende 2019 sei die Situation bei den Deckungsgraden noch gut gewesen, dies trotz der tiefen Zinsen, so die Kommission in ihrem Jahresbericht 2019. Nun müsse jedoch in allen wichtigen Anlagekategorien mit Einbussen gerechnet werden. Mit der Zeit müssten die nun entstehenden Unterdeckungen aufgehoben werden.

Hauptproblem seien dabei die zu hohen Umwandlungssätze. Weil man in den letzten Jahren grosse Summen zur Nachfinanzierung der laufenden Renten eingesetzt habe, seien die Wertschwankungsreserven der Pensionskassen derzeit nur bei 65 Prozent des Zielwerts. Dies komme einer Umverteilung zu Lasten der aktiven Rentnergeneration gleich.

Pensionskassen müssen sich anpassen

Risiken sieht die Kommission bei den Freizügigkeitsstiftungen. Diese würden durch die geltenden Negativzinsen belastet. Sie selbst dürfen auf den Konten der Versicherten keine negativen Zinsen erheben. «Im schlimmsten Fall drohen Liquidationen mit entsprechenden Folgen für die Versicherten», so das Fazit der Kommission.

Die Kommission kommt zum Schluss, dass sich die Pensionskassen den veränderten demografischen Realitäten anpassen müssen. Dies betreffe insbesondere den Mindestumwandlungssatz. «Der Gesetzgeber ist jetzt gefordert», schreibt die Kommission.

Handlungsbedarf sieht die OAK BV auch bei der Aufsicht, insbesondere bei den Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen. Man stelle dort Interessenkonflikte fest, sagte Manfred Hüsler, Direktor des Sekretariats der OAK BV. Diese lieferten sich einen harten Wettbewerb und setzten auf Wachstumsstrategien. Das sei nicht unproblematisch: «Viele sind nicht in erster Linie der Stabilität der Institutionen verpflichtet sondern eher dem Wachstum, das führt zu gewissen Konflikten», sagte er. Man müsse Wert legen auf eine gute Governance und Transparenz einfordern, so Hüsler. Dies umso mehr, als Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen stärker von der Krise betroffen seien, da diese vor allem kleine Unternehmungen ohne eigene Pensionskasse betreffe.