Corona-Virus: Bundesrat Berset kündigt Informationskampagne und mehr Tests an

In der Schweiz gibt es weiterhin keine bestätigten Fälle vom Corona-Virus. Nach dem sprunghaften Anstieg in Italien ergreift die Schweiz aber zusätzliche Massnahmen.

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Mit dem Auftritt von Gesundheitsminister Alain Berset äusserte sich erstmals ein Mitglied des Bundesrates zum Corona-Virus.

Mit dem Auftritt von Gesundheitsminister Alain Berset äusserte sich erstmals ein Mitglied des Bundesrates zum Corona-Virus.

Keystone

(rwa) Am Montag äusserte sich mit Gesundheitsminister Alain Berset erstmals ein Mitglied des Bundesrates zu den Entwicklungen zum Corona-Virus. Er bestätigte, dass es weiterhin keinen positiven Verdachtsfall in der Schweiz gebe. Insgesamt seien bisher rund 300 Tests durchgeführt worden, die allesamt negativ ausgefallen seien.

Berset versicherte vor den Medien in Bern, dass die Schweiz für eine allfällige Epidemie gut gerüstet sei. Er stehe in engem Kontakt mit Gesundheitsministern der Nachbarländer. Auch die Koordination mit den Kantonen funktioniere gut. In den Spitälern stünden auch genügend Quarantäneplätze zur Verfügung.

Verständnis für Verunsicherung

Die Ausbreitung des Virus in Norditalien lässt aber auch die Schweizer Behörden nicht kalt. Berset kündigte denn auch zusätzliche Massnahmen an. So werden die Tests bei Personen mit grippeähnlichen Symptomen intensiviert. Die Labors hätten die Kapazitäten erheblich erhöht, so Berset.

Die Tests sollen dabei direkt im Tessin ausgewertet werden. Zudem erhalten Tessiner Ärzte Masken aus dem Bundesbestand. «Wir verstehen die Verunsicherung der Tessiner Bevölkerung», betonte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Es gelte nun, Fälle vom Corona-Virus möglichst rasch zu entdecken und die Verbreitung zu verhindern.

Informationskampagne an Südgrenze

Als weitere Massnahme startet in den nächsten Tagen eine Informationskampagne mit Plakaten und Flyern für Grenzgänger und Einreisende an der Südgrenze und an Flughäfen. Besonders instruiert werden sollen Grenzwächter und das Personal des öffentlichen Verkehrs.

Eine zweite Informationskampagne richtet sich an die breite Bevölkerung. Daniel Koch vom BAG betonte erneut die Wichtigkeit der Hygienevorschriften. Häufiges Händewaschen, Niesen in die Armbeuge und die Verwendung von Papiertaschentüchern seien sehr wichtig.

Durch diese Massnahmen soll eine Erkrankungswelle in der Schweiz möglichst verhindert werden. Am Montagnachmittag kommt der Bundesstab Bevölkerungsschutz zusammen, um die Lage zu analysieren und weitere mögliche Massnahmen zu besprechen. Der Bundesstab koordiniert die Einsätze auf Bundesebene.

Sollte klar sein, dass eine grosse Erkrankungswelle auf die Schweiz zukommt, würde dies laut Berset zusätzliche Massnahmen erfordern. Für drastische Schritte wie die Absperrung von Ortschaften wäre der Bundesrat zuständig.

Laut Hans-Peter Lenz, Chef des Krisenmanagement-Zentrums beim Aussendepartement (EDA), gibt es vorderhand keine Informationen, dass in Italien Auslandschweizer von einer Ansteckung betroffen wären oder sich in den abgesperrten Gebieten befänden.