Corona-Infizierte stecken wieder mehr als eine Person an – Leiter der Task-Force ist besorgt

Die Fallzahlen steigen in der Schweiz wieder an. Eine zweite Welle könnte laut dem Leiter der nationalen Task-Force nicht erst im Herbst kommen, sondern schon in den nächsten Wochen.

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Matthias Egger ist Epidemiologe und Leiter der nationalen Task-Force zur Unterstützung des Bundesrats während der Coronapandemie.

Matthias Egger ist Epidemiologe und Leiter der nationalen Task-Force zur Unterstützung des Bundesrats während der Coronapandemie.

Keystone

(gb.) Am Mittwoch hat das Bundesamt für Gesundheit 37 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet. In der Sendung Tagesgespräch» auf Radio SRF sagte Matthias Egger, der Leiter der nationalen Task-Force gegen das Corona-Virus, dass die Reproduktionszahl mit grösster Wahrscheinlichkeit wieder über 1 liege. Das würde bedeuten, dass eine infizierte Person mehr als eine andere Person ansteckt. Während dem Hoch der Krise war es eines der obersten Ziele gewesen, diese Zahl unter einen Wert von 1 zu bringen.

«Wir beobachten, dass die Anzahl Fälle wieder am Steigen ist. Das bereitet uns in der Task-Force Sorge», sagte Egger. Eine zweite Welle könnte laut Egger früher kommen als befürchtet. «Es muss nicht bis Herbst dauern, eine zweite Welle könnte bereits in den nächsten Wochen kommen». Dies sei in Israel zu beobachten, wo die Fallzahlen aktuell wieder zunehmen würden.

Wissensvorsprung könnte zweite Welle verhindern

Zuversichtlich stimmt Egger, dass die Schweiz nun wisse, wie eine solche Welle verhindert werden könnte. «Ich denke, dass wir keine weiteren Lockerungsschritte machen sollten», sagte Egger weiter. Es sei nun wichtig, die Strategie aus Testen, Verfolgen von Fällen und Isolieren konsequent zu verfolgen.

Angesprochen auf die Bekämpfung der Pandemie in den ersten Wochen lobte Egger das Bundesamt für Gesundheit für seine Arbeit. Mit dem Veranstaltungsverbot habe man als eines der ersten Länder auf die Pandemie reagiert. Er brachte aber auch Kritik an und sagte, in einer ersten Phase bis Mitte März hätte man mehr unternehmen können. «Den Lockdown hätte man eine Woche früher verordnen können. Damit hätte man die Anzahl Fälle etwa halbiert», so Egger.