Corona-Apps sollen in der EU Daten austauschen können – Schweiz hofft auf Anschluss

Weil das Coronavirus an Landesgrenzen nicht Halt macht, will die EU zur Verfolgung von Ansteckungsketten Corona-Apps verschiedener Länder verbinden. Die Schweiz hofft, technisch und rechtlich mit dabei zu sein.

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Soll möglichst mit Apps anderer Länder funktionieren: Die von der ETH und EPFL im Auftrag des Bundes entwickelte Contact-Tracing-App Swiss Covid.

Soll möglichst mit Apps anderer Länder funktionieren: Die von der ETH und EPFL im Auftrag des Bundes entwickelte Contact-Tracing-App Swiss Covid.

Laurent Gilliéron / Keystone

(agl/sat/dpa) Die verschiedenen Corona-Apps der EU-Staaten sollen Informationen untereinander austauschen können. Dies um die Verfolgung von Kontakten mit Infizierten über Ländergrenzen hinweg möglich zu machen. Darauf haben sich gut ein Dutzend Länder geeinigt, wie die EU-Kommission am Dienstag mitteilte. Mit Deutschland und Liechtenstein sind darunter auch zwei Nachbarländer der Schweiz.

Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Bern heisst es auf Anfrage von CH Media, die Schweiz versuche sich der EU-Lösung anzuschliessen. «Wir sind auf technischer Ebene in ständigem Austausch mit den EU-Kollegen», teilt das BAG mit. Allerdings müsse für den Anschluss der Swiss-Covid-App erst ein rechtlicher Rahmen gefunden werden. «Falls eine Lösung mit der EU nicht möglich sein kann», heisst es in der BAG-Stellungnahme weiter, «wird die Schweiz bilaterale Vereinbarungen und eventuell sogar bilaterale technische Anbindungen mit den Ländern angehen müssen». Die Contact-Tracing-App Swiss Covid ist derzeit in einer Pilotphase. Nachdem das Parlament seinen Segen gab, und wenn sich die Handy-Applikation in der Praxis bewährt, soll sie bereits Ende Juni breit lanciert werden.

Brüssel verspricht erste Tests bereits in zwei Wochen

Nach Angaben der EU-Kommission haben sich die bisher teilnehmenden 15 Länder auf eine Reihe technischer Details geeinigt. Die französische und die ungarische App sind nicht dabei, weil sie gesammelte Daten zentral auf einem Server speichern und nicht dezentral auf den Handys. Andere Länder haben sich dagegen entschieden, eine App zur Kontaktverfolgung einzusetzen, oder haben diese Entscheidung noch nicht getroffen.

Laut einem Sprecher der Brüsseler Behörde sollen die sechs Apps, die bereits in Betrieb sind, unverzüglich miteinander kommunizieren können, sobald die Technik aktualisiert wird. Mittelfristig will die EU-Kommission einen Server einrichten, der die nationalen Apps miteinander verbindet und deren Daten verarbeitet. In etwa zwei Wochen soll eine Testphase dieses Datenabgleichsdienstes mit Deutschland und drei anderen Ländern starten. Zudem werde daran gearbeitet, dass künftig auch der Austausch mit jenen Apps funktioniere, die auf zentrale Speicherung der Daten setzten.