Zwei Wochen vor der Frühernte: Winzer haben noch immer volle Keller vom Vorjahr

Die Schweizer Weinbauern verzeichneten starke Umsatzeinbussen in der Coronakrise. Seit einigen Monaten erhalten sie vom Bund finanzielle Hilfe, doch sie stehen weiterhin vor Herausforderungen.

Drucken
Teilen
Während des Lockdowns ist der Weinabsatz der hiesigen Produzenten eingebrochen. (Symbolbild)

Während des Lockdowns ist der Weinabsatz der hiesigen Produzenten eingebrochen. (Symbolbild)

Keystone

(dpo) Für die Winzerin Isabella Kellenberger beginnt im Oberwallis in zwei Wochen die Frühernte. Ihr Betrieb in Leuk umfasst vier Hektaren. «Wieviel in der aktuellen Situation über das ganze Wallis oder in der Schweiz tatsächlich geerntet wird, kann ich nicht abschätzen», sagt die Winzerin und Verwaltungsrätin von Swiss Wine Promotion auf Anfrage von CH Media. Fest steht eines: Für viele hiesige Weinproduzenten sei 2020 wegen der Coronakrise ein schwieriges Jahr gewesen.

Während des Lockdowns waren die Restaurants geschlossen und es fanden keine Veranstaltungen wie Dorffeste, Weinmessen oder Degustationen statt. Marco Romano, Präsident des Branchenverbandes Schweizer Reben und Weine (BSRW), spricht von «drei verlorenen Monaten» für die Weinbranche, die nicht mehr aufzuholen seien. «Eine Schätzung zeigt schweizweit einen Rückgang des Verkaufs um 35 Prozent», wie Romano auf Anfrage sagt.

Zudem müssten sich die Winzerinnen und Winzer mit einem weiteren Problem herumschlagen, so Romano: Ihre Keller seien voll mit unverkauften Flaschen und die neue Ernte nahe bereits. Das letzte, das die Restaurants nun aber machen, sei neuen Wein zu kaufen. Vor allem kleine Restaurants würden zuerst ihre alten Weinbestände leeren. «Das wird eine grosse Herausforderung für die Weinproduzenten», sagt der Tessiner CVP-Nationalrat weiter.

Bundesrat: Weinmarkt war schon vor Corona in schwierigen Lage

Der Bundesrat unterstützt seit Anfang Juni die Schweizer Weinbauern mit 10 Millionen Franken, damit sie ihre nicht verkauften AOC-Weine als billigere Tafelweine verkaufen können. Dafür müssen die Kantone die Höchsterträge für die diesjährige Weinernte senken. In einer Mitteilung vom Juni schrieb der Bundesrat, dass der Schweizer Weinmarkt aufgrund der ertragreichen Ernte 2018 schon vor der Pandemie in einer schwierigen Lage gewesen sei.

Mit der bundesrätlichen Massnahme hätten die Weinbauern «einige Millionen Liter» Wein aus ihren Kellern herausbringen können, sagt Marco Romano vom BSRW. Aber: «In einigen Regionen hat das nicht geklappt, vor allem dort, wo die Produktionskosten steigen.»

Immerhin stellt der Tessiner CVP-Nationalrat in der Coronakrise eine grössere Sensibilität für einheimische Weine fest. Allerdings, so fügt er an, falle diese in der Romandie und im Tessin grösser aus als in der Deutschschweiz.