Cannabis-Konsum: Kiffen soll laut Studie in eigener Verantwortung liegen

Wer Cannabis konsumieren möchte, soll das tun dürfen. Eine Altersbeschränkung ist laut einer Studie der Universität Bern jedoch zwingend. Kritik üben die Befragten an der bisherigen Verbotspolitik.

Reto Wattenhofer
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In der Schweiz ist Cannabiskonsum weit verbreitet. Ein Drittel der Bevölkerung hat schon einmal einen Joint geraucht.

In der Schweiz ist Cannabiskonsum weit verbreitet. Ein Drittel der Bevölkerung hat schon einmal einen Joint geraucht. 

Symbolbild: Keystone

In der Schweiz ist Cannabiskonsum weit verbreitet. Ein Drittel der Bevölkerung hat schon einmal einen Joint geraucht. Trotz dieser Realität ist Kiffen weiterhin illegal. Die Universität Bern hat nun untersucht, wie Menschen mit dem Konsum von Cannabis umgehen. Am Montag hat sie Ergebnisse vorgestellt. Fazit: Die rund 1000 Befragten lassen kein gutes Haar an der heutigen Gesetzespraxis.

Dass Cannabis generell verboten ist, wird als wenig sinnvoll erachtet – und zwar egal ob jemand kifft oder nicht, wie es in der Mitteilung heisst. Wenig Zustimmung erhält aber auch die Forderung, dass Cannabis gar nicht reguliert wird. Die Befragten sprechen sich für einen Mittelweg aus: Legal, aber mit gewissen Einschränkungen.

Als sinnvolle Massnahmen taxieren sie ein Werbeverbot und eine Altersbeschränkung für Cannabiskonsum. Denkbar ist zudem laut der Umfrage der Universität Bern, dass die Substanz nur in Spezialgeschäften mit geschultem Personal erworben werden kann.

Die meisten Kiffer haben Konsum im Griff

Die grosse Mehrzahl der Konsumenten gab an, nicht mehr Cannabis zu konsumieren, sollte der Konsum legal sein. Drei Viertel der heute Abstinenten würde auch nach der Legalisierung nicht zum Joint greifen.

Ein grosser Teil der Befragten hat ihren Konsum im Griff. Zur Selbstregulation setzen Kiffer verschiedene Strategien ein. Dazu zählen etwa der Verzicht vor wichtigen Aufgaben. Wer häufiger Strategien zur Selbstregulation anwende, konsumiere weniger und mit weniger Anzeichen von Abhängigkeiten, bilanzieren die Autoren.

Franziska Teuscher: Risikogruppe besser erreichen

Für die Stadtberner Gesundheitsdirektorin Franziska Teuscher hat die Studie wichtige Erkenntnisse geliefert. «Der überwiegende Teil der Konsumierenden hat dank Verhaltensstrategien zur Selbstregulation einen unproblematischen Umgang mit Cannabis», wird sie in der Mitteilung zitiert. Die geltende Verbotspolitik müsse beendet werden.

Mit der kontrollierten Abgabe von Cannabis lässt sich laut Teuscher auch die Risikogruppe besser erreichen. Wer einen problematischen Umgang mit Cannabis an den Tag lege, müsse Beratung, Präventions- und Unterstützungsangebote erhalten. Teuscher ist zuversichtlich, dass National- und Ständerat den Weg für die kontrollierte Abgabe von Cannabis ebnet.

Zeichen stehen auf Lockerung

Auf dem politischen Parkett wird seit Jahrzehnten über Cannabis gestritten. In letzter Zeit mehrten sich die Stimmen, die sich für eine Regulierung aussprechen. Die Eidgenössische Kommission für Suchtfragen etwa forderte, dass Cannabiskonsum nicht mehr bestraft und der Markt reguliert wird.

Der Bundesrat geht nicht so weit. Er will aber Pilotversuche zur kontrollierten Abgabe von Cannabis erlauben. Der Nationalrat hat diesem sogenannten Experimentierartikel im Dezember knapp zugestimmt; der Ständerat muss noch darüber entscheiden. Die Gegner warnen, mit den Pilotversuchen werde das Kiffen verharmlost; das Psychose- und Schizophrenierisiko sei vor allem bei jungen Menschen zu gross, der Jugendschutz nicht gewährleistet. Die Befürworter wiederum sagen, es sei nötig, in der Cannabispolitik neue Wege zu prüfen.