Berner Regierung schliesst Freizeitbetriebe – Besammlungsverbot ab 15 Personen

Der Kanton Bern verschärft seine Massnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus: Alle Freizeitbetriebe werden geschlossen. Zudem gilt neu eine maximale Obergrenze von 15 Personen für Versammlungen.

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Die Berner Regierungsräte Christoph Ammann, Regierungspräsident Jean Pierre Alain Schnegg und Philippe Müller (v.l.) am Freitag in Bern.

Die Berner Regierungsräte Christoph Ammann, Regierungspräsident Jean Pierre Alain Schnegg und Philippe Müller (v.l.) am Freitag in Bern.

Peter Schneider / Keystone

(sat) Konkret schliesst der Bernische Regierungsrat ab sofort alle Betriebe des Nachtlebens – also Bars, Clubs, Discos und Tanzlokale. Ebenso den Betrieb für vorerst vier Wochen einstellen müssen zahlreiche weitere öffentlich zugängliche Institutionen wie Museen, Kinos, Konzerthäuser, Casinos, Fitnesscenter, Hallenbäder oder Erotikclubs. Kontaktsportarten werden verboten – ausser im Profibereich. Und auch alle Messen – wie der laufende Caravansalon mit 7000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag – und alle Ausstellungen müssen schliessen. Einzig Bibliotheken und Archive dürfen noch eingeschränkt bleiben.

Für Restaurationsbetriebe im Kanton Bern gilt ab sofort zwischen 23 und 6 Uhr eine Sperrstunde. Und es dürfen noch maximal vier Gäste an einem Tisch Platz nehmen. Ausgenommen vom neuen Besammlungsverbot von mehr als 15 Personen im öffentlichen und privaten Raum sind einzig Gemeindeversammlungen, Parlamentssitzungen und Beerdigungen. Auch in Gotteshäusern dürfen sich noch maximal 15 Personen gleichzeitig aufhalten.

Maskenpflicht gilt auch unter Berns Lauben

Zudem hat der Regierungsrat an einer ausserordentlichen Sitzung am Freitag die Maskenpflicht im Kanton Bern ab Samstag nochmals ausgeweitet: Neu gilt diese auch unter den Lauben der Hauptstadt und überhaupt auf allen überdachten Flächen im Kanton. An den Arbeitsplätzen empfiehlt die Bernische Regierung nun zwar ebenfalls dringend, Hygienemasken zu tragen. Eine Maskentragepflicht hierzu hat der Regierungsrat jedoch nicht beschlossen. Laut Schnegg mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Situationen in den Betrieben und im Vertrauen darauf, dass die jeweiligen Schutzkonzepte auch eingehalten würden.

«Bereits die bisherigen Schritte haben weh getan», sagte Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg am Freitag vor den Medien in Bern. So habe die Kantonsregierung etwa Verständnis für die Enttäuschung der grossen bernischen Sportvereine wie YB, SCB, SCL Tigers oder EHC Biel aufgrund des Verbots von Grossanlässen. Aber auch Clubbetreiber litten bereits stark unter den beschlossenen kantonalen Schutzmassnahmen wie etwa der 100er-Regel. «Aufgrund der Fallzahlen hätten wir jedoch sogar noch drastischere Massnahmen treffen müssen», sagte Schnegg am Freitag.

«Weitere, stark einschränkende Massnahmen erforderlich»

Nun sei aber klar, sagte Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann, dass die aktuelle, nochmals stark verschlechterte Situation «weitere, stark einschränkende Massnahmen erfordere». Und dies «sofort», wie er betonte. Laut dem Sicherheits- und Sportdirektor Philippe Müller geht es nun schlicht darum, «Menschenleben zu retten». Nach rund 500 bestätigten Ansteckungen in den letzten Tagen gebe es am Freitag in Bern knapp 800. Zugleich will der Kanton laut Müller nun mit den Sport- und Kulturveranstaltern die Gespräche intensivieren.

Schuld an der aktuellen Situation sind laut Philippe Müller jedoch nicht die Betriebe, Vereine oder gar die Bernische Regierung – «sondern das Virus». Und Schnegg wies auf Nachfrage den Vorwurf zurück, man habe in Bern die Situation mit den stark steigenden Fallzahlen bereits letzte Woche oder gar in der Zeit davor unterschätzt. Es sei «überall in der Schweiz der Fall», so Schnegg, dass man «nicht so früh und so rasch» mit einer zweiten Welle von Coronainfektionen gerechnet habe.