Bahnverkehr
Noch nie so viele Velos im Zug – SBB will 500 neue Veloplätze schaffen

Die SBB hat zum fünften Mal in Folge so viele Velos transportiert wie noch nie. Für die kommende Saison schafft sie weitere Veloplätze und will den Billettkauf vereinfachen. Den Kritikern geht es zu langsam.

André Bissegger
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Kombinierte Mobilität: Immer mehr Velofahrende transportieren die Bahn, um ihr Velo zu transportieren. (Archivbild)

Kombinierte Mobilität: Immer mehr Velofahrende transportieren die Bahn, um ihr Velo zu transportieren. (Archivbild)

Keystone

Schiene statt Strasse: Die Schweizer Velofahrenden nutzen immer häufiger den Zug, um ihr Gefährt zu transportieren. Die SBB vermeldeten am Mittwoch erneut ein «Rekord-Velojahr» – die Zahl der Reisenden mit Velos habe bereits zum fünften Mal in Folge zugenommen. So wurden im Vergleich zum Vorjahr 14 Prozent mehr Velopässe verkauft. Die Reservationen legten um 3 Prozent zu, die Velo-Tageskarten um 2 Prozent. Insgesamt wurden zwischen Januar bis Oktober 404'920 Velo-Tageskarten verkauft.

Zwar sei es an einzelnen Tagen zu einem sehr grossem Veloandrang im ÖV gekommen, schreiben die SBB. Insgesamt hätten sich die Reisenden jedoch besser auf den ganzen Sommer verteilt als in den Vorjahren – auch dank dem Wetter. Am meisten Veloreisende waren laut SBB am 29. Mai unterwegs. Damals zählten sie 3172 Reservationen.

Die SBB gehen davon aus, dass dieser Trend anhält. Sie schafft daher in den nächsten Jahren in den Zügen 500 weitere Veloplätze. So sollen etwa in den einstöckigen Intercity-Steuerwagen bis Ende 2026 insgesamt 300 zusätzliche Plätze geschaffen werden. Ausserdem erhöht die SBB die Anzahl der Multifunktionszonen bei 16 Wagen des Typs IC2000. Sie spricht von zusätzlichen 80 Veloplätzen mitsamt mehr Stauraum für Gepäck und Kinderwagen. Diese Wagen sollen dann vor allem auf den Linien ins Wallis und nach Graubünden eingesetzt werden.

Billettkauf soll einfacher werden

Für ein Ärgernis bei den Reisenden sorgte in der Vergangenheit der Kauf des Velobilletts. Dies soll nun ab dem Fahrplanwechsel vom 11. Dezember einfacher werden: Neu verkauft das System gemäss SBB automatisch das günstigste Ticket, wenn die Käufer angeben, dass sie mit einem Velo unterwegs sind. Bislang mussten die Reisenden selbst entscheiden, ob sie eine Velo-Tageskarte oder ein Halbpreis-Streckenbillett kaufen sollen.

Zudem würden nur noch Verbindungen mit Veloselbstverlad angezeigt und die Billette für Reisende und das Velo könnten im gleichen Buchungsschritt gekauft werden. Auch werde der Gültigkeitsbereich für Velobillette dem Generalabo angeglichen.

Anpassungen bei der Reservation ab Frühjahr 2024

Ebenfalls nicht zufrieden sind viele Velofahrende mit dem Reservationssystem. Das hatte die Bahn im vergangenen Jahr eingeführt, um dem Platzmangel in den Fernverkehrszügen gerecht zu werden. Die SBB kündigen nun auf die Velosaison ab Frühjahr 2024 weitere Änderungen an: So sollen die Kundinnen künftig den Veloplatz gezielt auswählen können.

Auch werde daran gearbeitet, dass reservierte Plätze künftig annulliert werden können, die Reservation gleich mit dem Billettkauf erfolgt und die verfügbaren Plätze angezeigt werden.

Pro Velo ist enttäuscht, dass es so lange dauert

Der Dachverband Pro Velo begrüsst in einer Stellungnahme die angekündigten Verbesserungen. Gleichzeitig ist er der Ansicht, dass es weiterhin zu wenig Platz gibt und die Reservation kompliziert bleibt. Ohne die Erhöhung und Verbesserung der Veloplätze in den problematischsten Zügen werde das Angebot auch in den nächsten Jahren ungenügend bleiben, schreibt der Verband. Er denkt dabei an die ICN, Giruno und FV-Dosto.

Zudem sei das Reservationssystem nach wie vor «unvollständig und entmutigend». In den Jahren 2023 und 2024 werde man nicht sehen können, welche Plätze noch frei sind. Und man werde seinen Platz reservieren müssen, ohne zu wissen, in welchem Wagen der Rest der Familie oder Gruppe sein werde. Da die Reservationen nicht storniert werden könnten, gingen unbesetzte Plätze weiter verloren.

Dass die Verbesserung erst in einigen Jahren umgesetzt werden, bezeichnet Pro-Velo-Präsident Matthias Aebischer als «enttäuschend». Für ihn ist klar: «Trotz den von den SBB angekündigten Verbesserungen, werden Velofahrerinnen in den nächsten Jahren in den Zügen oder in den Bahnhöfen keinen Platz für ihr Velo finden und sehr unangenehme Situationen erleben», wird er in der Mitteilung zitiert.