Auffahrunfall im Tessin – Lega-Politiker provoziert online: «Ratet mal, von wo sie kommen»

Drei Fahrzeuge waren bei Bissone in einem Unfall verwickelt. Der Lega-Politiker und Tessiner Sicherheitsdirektor Norman Gobbi äussert sich online mit einem provokativen Kommentar.

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Norman Gobbi hat sich selber einst als «4x4 der Politik» bezeichnet.

Norman Gobbi hat sich selber einst als «4x4 der Politik» bezeichnet.

Keystone

Der Unfall ereignete sich am Freitagnachmittag gegen 16.30 Uhr auf der A2 bei Bissone im Bezirk Lugano. Aus bisher noch unbekannten Gründen fuhr ein 39-jähriger Lenker auf ein vorausfahrendes Fahrzeug auf. Aufgrund des Aufpralls sei dieses mit einem dritten Auto kollidiert. Die Insassen des mittleren Fahrzeugs, ein 33-jähriger und ein 34-jähriger Mann, sind mit leichten Verletzungen ins Spital gebracht worden.

Wie aus einer Meldung der Kantonspolizei Tessin hervorgeht, handle es sich sowohl beim Lenker des ersten, als auch bei den Insassen des zweiten Fahrzeugs um italienische Staatsangehörige, die in Italien wohnhaft seien. An dieser Stelle kommt der Tessiner Sicherheitsdirektor Norman Gobbi ins Spiel. Die Tageszeitung «laRegione» griff folgende Äusserung von ihm online auf:

«Ratet mal was für Kennzeichen die drei Autos hatten, die in einem absurden Auffahrunfall heute auf der Autobahn beteiligt waren?»

Am Ende des Tweets fügte er ein wütendes und fluchendes Emoji hinzu. Die Antwort nimmt der Politiker der Lega dei Ticinesi gleich selber vorneweg, indem er eine Umfrage aufschaltete. Die mögliche Auswahl: «CH» für Schweiz und «IT» für Italien. Wer Gobbi kennt, der weiss genau, worauf er hinaus will.

Der Tessiner Salvini

Es ist nicht das erste Mal, dass Gobbi mit Äusserungen gegen Italiener auffällt. 2017 hatte ein italienischer Angestellter des Migrationsamtes einem Bauunternehmer geholfen, illegale Arbeiter ins Tessin zu holen. Daraufhin sagte der ehemalige Bundesratskandidat der SVP in einem Interview: «Es war ein Fehler, einen Italiener anzustellen». Das zog eine heftige Kritik des italienischen Botschafters in Bern nach sich.

2015 verfügte Gobbi, dass Grenzgänger bei der Antragsstellung einen Strafregisterauszug vorlegen müssen, was ihm ebenfalls Kritik aus Rom eintrug.

Nun hagelt es erneut Kritik für seine Äusserung, wenn auch nicht von offizieller Seite.

«Ist Ihnen bewusst, dass Sie ein Staatsrat sind und nicht irgendein betrunkener Vollidiot in einer Kaschemme?», fragt ein Nutzer auf Twitter. Weitere Nutzer sind ebenfalls empört: «Schämen Sie sich!», und «Der hat sie nicht mehr alle». Einige vergleichen Gobbi gar mit dem Chef der rechten Lega Matteo Salvini.

«Ding-Dong! Entschuldigen Sie, verursachen Sie Unfälle?», fragt ein Nutzer mit ironischer Anspielung auf Salvini, der kürzlich in Bologna bei tunesischen Einwanderern klingelte und sie über die Sprechanlage fragte, ob sie mit Drogen handeln würden.