Auch Ärzte steigen ins Geschäft mit dem elektronischen Patientendossier ein

Die Schweizerische Ärztegesellschaft FMH gründet mit Partnern einen Verein, um Klienten ein eigenes elektronisches Patientendossier anbieten zu können. Der Start dazu soll noch in diesem Jahr erfolgen.

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Daten über Patienten sollen künftig für alle Beteiligten einfach in einem elektronischen Patientendossier abrufbar sein. (Symbolbild)

Daten über Patienten sollen künftig für alle Beteiligten einfach in einem elektronischen Patientendossier abrufbar sein. (Symbolbild)

Alessandro Crinari/TI-Press/Keystone

(sat) Spätestens ab April müssen alle Spitäler, psychiatrischen Kliniken und Rehakliniken ihren Patienten ein elektronisches Patientendossier (EPD) anbieten. Wie die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) am Montag mitteilte, will sie ihren Mitgliedern mit der «AD Swiss»-Lösung eine eigene, in die bestehenden FMH-Angebote eingebettete Lösung bieten.

Der Verein, der hinter dem Ärzte-eigenen EPD steht, wurde bereits Ende letzten Jahres gegründet und wird von Yvonne Gilli als FMH-Vertreterin präsidiert. Weiter im Vorstand sitzen eine Vertreterin der ebenfalls an «AD Swiss» beteiligten Ärztekasse sowie ein Vertreter der Health Info Net AG. Sie bietet Ärzte gesicherte Datennetzwerke und geht zurück auf eine Initiative der FMH.

«Wir sind überzeugt, dass die ambulanten Leistungserbringer beim Digitalisierungsprozess im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle spielen», lässt sich Yvonne Gilli in der Mitteilung zitieren. Um deren spezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist die Gründung einer eigenen Gemeinschaft laut der Ärztin und ehemaligen Grünen-Nationalrätin «eine logische Schlussfolgerung». Der Vorteil der «AD Swiss» liege denn auch in der Einbettung in etablierte Strukturen innerhalb der Ärzteschaft. So solle zum Beispiel der HIN-Zugang der Ärzte etwa auch für das neue elektronische Patientendossier funktionieren.

Das elektronische Patientendossier beschäftigt Mediziner wie Politiker seit Jahren. Befürworter versprechen sich viel davon. So sollen alle Beteiligten Fachleute künftig immer auf dem neuesten Stand sein. Weil dann Mehrfachbehandlungen entfallen sollen, soll zudem die Qualität der Behandlung steigen und die Kosten im Gesundheitswesen sinken.

Doch das Projekt zur Einführung eines EPD kämpft seit Jahren mit den Tücken der Technik und Politik. So schrieb Ende Dezember eHealth Suisse, die Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen in dem Themenbereich, mit einem schweizweiten Start auf Mitte April sei nicht zu rechnen. Das aufwendige Zertifizierungsverfahren der verschiedenen Stammgemeinschaften, welche das EDP in Zukunft anbieten werden, dauere länger als bisher angenommen. Als bislang erste Stammgemeinschaft in der Schweiz hat XAD von der Zürcher Axsana AG im Dezember den ersten Teil der Prüfung bestanden und befindet sich nun im Zertifizierungsverfahren. Ihr haben sich zum Beispiel alle Zentralschweizer Spitäler angeschlossen.

Während das elektronische Patientendossier für Spitäler ab April Pflicht ist, müssen sich Pflegeheime und Geburtshäuser bis in zwei Jahre dem Projekt anschliessen. Für Hausärzte, Apotheken oder Spitex-Organisationen bleibt die Teilnahme vorerst freiwillig. Auch für die Bevölkerung ist die Teilnahme am EPD freiwillig. Was in dem elektronischen Dossier abgelegt wird, ist nicht einheitlich geregelt. Jede Fachperson im Gesundheitswesen entscheidet selber, was sie als behandlungsrelevant einstuft und somit hochlädt. Kritiker befürchten gerade bei Chronischkranken aufgrund der langen Leidensgeschichte eine regelrechte Datenflut. Zudem ist der gläserne Patient nicht zuletzt dem Risiko Cyberkriminalität ausgesetzt.