Afghanistan
Chaotische Lage: Schweiz arbeitet an Evakuierung von rund 280 Personen

Aktuell warten rund 280 Personen mit Bezug zur Schweiz darauf, aus Afghanistan evakuiert zu werden. Inzwischen ist ein Detachement der Schweizer Armee in Kabul vor Ort zur Unterstützung.

André Bissegger
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Der Bundesrat informierte über die geplante Evakuierung.

Der Bundesrat informierte über die geplante Evakuierung.

Keystone

Der Bundesrat sei sehr besorgt über die aktuelle Situation und die Unsicherheit, die in Afghanistan herrsche, sagte Bundesrat Ignazio Cassis am Mittwoch vor den Medien. Er informierte über die aktuellen Bemühungen, Personen mit Bezug zur Schweiz ausser Landes zu schaffen. «Wir rechnen mit etwa 280 Personen, die in die Schweiz geflogen werden sollen.»

Darunter befinden sich laut Cassis rund 40 lokale Mitarbeitende des inzwischen geschlossenen Kooperationsbüros der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und deren Kernfamilien. Dazu kommen rund 30 Schweizer Staatsangehörige, die das Land verlassen wollen. Das sind unter anderem Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) und anderer NGOs, wie der Aussenminister weiter sagte.

Schweizer Spezialkräfte in Kabul

Die Lage in Afghanistan sei chaotisch und die Sicherheitslage habe sich dramatisch verschlechtert. «Im Moment kann niemand aus Afghanistan ausreisen», sagte Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Der Bundesrat hat daher entschieden, dass das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die Evakuierung unterstützen soll. Ein Detachement der Schweizer Armee sei bereits in Kabul. «Es ist wichtig, dass wir Leute vor Ort haben», sagte Cassis. Die Suche nach Ausreisemöglichkeiten laufe unter Hochdruck, verschiedene Optionen müssten geprüft werden. Aktuell können laut Cassis noch immer keine zivilen Flugzeuge in Kabul landen – das könne sich aber bald ändern. Eine Evakuierung über den Landweg scheint hingegen ausgeschlossen.

Gemäss Botschafter Hans-Peter Lenz handelt es sich beim Detachement um Spezialkräfte, die für solche Einsätze geschult seien. «Sie halten sich im militärischen Bereich des Flughafens auf und verschaffen sich dort ein Bild über die Lage», sagte er. Zu ihren Aufgaben gehört auch, mit anderen militärischen Kräften Kontakt aufzunehmen. Ob sie bewaffnet sind, wolle man aus Sicherheitsgründen nicht sagen.

Schweiz nimmt vorerst keine grössere Gruppe auf.

Justizministerin Karin Keller-Sutter betonte, die Schweiz habe als Arbeitgeberin eine Fürsorgepflicht für lokale Mitarbeitende in Afghanistan. Diese könnten als westliche Kollaborateure an Leib und Leben bedroht sein. Sie werden zusammen mit ihren Angehörigen dem Resettlement-Kontingent angerechnet. Dadurch kann auf ein ordentliches Asylverfahren verzichtet werden und die Personen erhalten nach ihrer Ankunft in der Schweiz Asyl. Kurz: «Es ist viel einfacher, schneller und weniger bürokratisch», sagte Keller-Sutter.

Bezüglich weiterer Asylsuchender betonte Keller-Sutter, dass es momentan nicht möglich sei, eine grössere Gruppe aufzunehmen. Als Grund dafür nannte sie die unklare Informationslage. «Auch ist es momentan gar nicht möglich, da die Lage zu instabil ist.»

Bereits zurück in der Schweiz sind die sechs Deza-Mitarbeiter. Die letzten drei landeten am Montagabend in der Schweiz. Es gehe ihnen der Situation entsprechend gut, sagte Cassis.

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