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Pestizid-Initianten lancieren Kampagne: «Keine Pestizid-Rückstände mehr auf unseren Tellern»

Die Initianten der Pestizid-Initiative warnen vor den gesundheitlichen Folgen, die Pestizide auf den Menschen haben können. Es sei deshalb wichtig, dass sie aus unseren Lebensmitteln verschwinden.

Alice Guldimann
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Die Initianten der Pestizid-Initiative haben am Dienstag ihre Kampagne lanciert.

Die Initianten der Pestizid-Initiative haben am Dienstag ihre Kampagne lanciert.

Keystone

Synthetische Pestizide sind überall. Im Essen, im Wasser, in der Luft. So der Tenor der Redner an der Medienkonferenz zum Kampagnen-Start, die am Dienstag stattfand. «Jeden Tag essen wir Lebensmittel, die Rückstände von Pestiziden enthalten», sagte die Tessiner SP-Ständerätin Marina Carobbio. Diese könnten, insbesondere bei regelmässiger Einnahme, unserer Gesundheit schaden und schwere chronische Krankheiten verursachen.

Deshalb soll sich nun etwas ändern. Nach einer Übergangsfrist von zehn Jahren sollen synthetische Pestizide gemäss der Initiative in der Schweiz komplett verboten werden. Auch der Import von Produkten, die mit Pestiziden hergestellt werden, würde verboten. Künftig sollten keine Rückstände von synthetischen Pestiziden mehr auf unseren Tellern landen, auch nicht von Importen, sagte Jean-Denis Perrochet, Mitinitiant und Bio-Winzer.

Was beim Bio-Anbau erlaubt ist, bleibt erlaubt

«Dass der Wandel nicht von heute auf morgen möglich ist, das wissen wir», so Perrochet. Deshalb auch die zehnjährige Übergangsfrist. Die Initianten zeigten sich überzeugt, dass es auch andere Lösungen für die Landwirtschaft gibt. «Man muss sie nur suchen wollen», sagte der Winzer. Das Argument von Bundesrat Guy Parmelin, wonach auch Bio-Betriebe von der Initiative betroffen wären, bestritt Perrochet. «Alles, was in der Bio-Landwirtschaft erlaubt ist, wird auch noch in Zukunft erlaubt sein.»

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Komitee-Mitglied Dominik Waser am Dienstag vor den Medien.

Keystone-SDA

Der Bundesrat lehnt die Pestizid-Initiative ab, weil diese seiner Meinung nach zu weit geht. Parmelin warnte vergangene Woche vor den Medien, dass eine Annahme zu einer Verschlechterung der Versorgungssicherheit führen könne. Ein Importverbot für Produkte, die mithilfe von Pestiziden hergestellt wurden, könne zudem Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie gefährden.

Mit tieferen Folgekosten die Bevölkerung entlasten

Bundesrat und Gegner argumentieren weiter, dass ein Pestizidverbot zu einer Verteuerung der Lebensmittel führen könne. Komitee-Mitglied Dominik Waser hielt dem entgegen, dass der Gebrauch von Pestiziden bereits heute volkswirtschaftlich viel teurer sei, weil sie enorme Umwelt- und Gesundheitskosten verursachten. «Wenn diese Folgekosten sinken, ist das auch für den einzelnen schlussendlich günstiger.»

Die Schweiz stimmt am 13. Juni über die Pestizid- und gleichzeitig auch über die Trinkwasser-Initiative ab. Die Trinkwasser-Initiative fordert, dass der Bund künftig nur noch Direktzahlungen an Betriebe zahlt, welche keine Pestizide einsetzen. Das Parlament hat sich in der Frühlingssession auf einen abgeschwächten indirekten Gegenvorschlag zu den beiden Initiativen geeinigt. Herzstück ist ein Absenkpfad für Pestizide.

Dieser soll dazu beitragen, die Belastung des Trinkwassers mit gesundheitsgefährdenden Stoffen zu reduzieren. Bis 2027 sollen die Risiken durch Pestizide um 50 Prozent vermindert werden. Werden die Initiativen abgelehnt, tritt der Gegenvorschlag in Kraft.