Die Grossen wittern Morgenluft, die Kleinen spüren Gegenwind

Die Einkaufsmanager der Schweizer Industrie sind wieder optimistisch: Erstmals seit acht Monaten verzeichnet der Purchasing Manager's Index der Credit Suisse positive Werte. Bei den KMU ist die Lage weniger rosig, wie eine Studie der Raiffeisen zeigt .

Peter Walthard
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Die Schweizer Industrie produziert nach wie vor in einem schwierigen Umfeld.

Die Schweizer Industrie produziert nach wie vor in einem schwierigen Umfeld. 

Bild: Keystone SDA

Acht Monate lang herrschte bei Schweizer Industrieunternehmen Katerstimmung. Seit März notierte der von der Credit Suisse zusammen mit Procure.ch erhobene «Purchase Manager's Index» PMI unter der magischen Schwelle von 50 Zählern. Das heisst, die befragten Einkaufsmanager schätzten die Lage negativ ein - ein PMI unter 50 gilt als Zeichen für eine Schrumpfung. 

Im letzten Monat des vergangenen Jahres folgte nun die Kehrtwende: Der PMI liegt mit 50,2 Zählern 1,4 Indexpunkte über dem Vormonat und damit «auf der Wachstumsschwelle», wie Studienautor Claude Maurer, Head of Swiss Macro Analysis & Strategy, die Zahlen interpretiert. Sein Fazit:« Die Schweizer Industrie schrumpft nicht mehr. »

Hoffnung mache vor allem der höhere Auftragsbestand, so Maurer. Er war im Dezember so hoch wie seit Februar nicht mehr. Dies lasse eine Produktionssteigerung in den kommenden Monaten erwarten. Die Zahlen zeigten ausserdem, dass die Nachfrage in den letzten Monaten grösser gewesen sei als erwartet. 

Auf den Arbeitsmarkt schlagen diese Zahlen noch nicht durch. Im Gegenteil. Die Dezember-Umfrage der CS zeigte einen leichten Arbeitsplatzabbau in der Industrie. 

KMU haben zu kämpfen

Ein weniger positives Bild zeichnet auch die PMI-Umfrage der Raiffeisen, die besonders die Situation der KMU unter die Lupe nimmt. Die von Raiffeisen-Ökonom Domagoj Arapovic verfasste Studie kommt zum Schluss: «Die KMU starten mit Gegenwind ins neue Jahr.» Bei den von ihm untersuchten Unternehmen liegt der PMI bei 47,1 Punkten, also klar unterhalb der Wachstumsschwelle. Besonders deutlich verschlechtert hat sich die Einschätzung der KMU-Manager, wenn es um das Produktionsvolumen und die Beschäftigung geht. Die Beschäftigungskomponente fiel auf 44 Punkte und damit ein neues Rekordtief. Eine Trendwende zeichne sich nicht ab. 

Auch in der Industrie ist die Lage - trotz der guten Dezemberwerte - nicht einfach. Über das ganze Jahr 2019 gesehen zeigen die Umfragen der CS eine schwierige Situation. Insgesamt sei das Jahr 2019 ähnlich schwierig gewesen wie 2015, so Claude Maurers Studie. Damals machte die Wechselkursaufwertung der Industrie zu schaffen, der PMI zählte 49 Punkte, was dem Wert von 2019 (49,1) Punkte ziemlich genau entspricht. 

Als Hauptgründe für das schwierige Umfeld des letzten Jahres nennt die CS-Studie die schwache Nachfrage im Ausland, insbesondere beim Haupthandelspartner Deutschland, sowie die politischen Unsicherheiten, die Brexit und der Handelskrieg zwischen den USA und China mit sich gebracht haben. Auch der gegenüber dem Euro nach wie vor überbewertete Franken habe einen Einfluss. 

Nach wie vor im Wachstumsbereich ist der PMI des Dienstleistungssektors (50,6). Damit hält der Wachstumstrend in diesem Sektor an: Seit Oktober 2016 liegen die Zahlen - abgesehen von einer Ausnahme im Juli 2019  - durchwegs im Wachstumsbereich. Dies schlägt sich auch bei der Beschäftigungssituation nieder: Der Personalbestand im Dienstleistungssektor nahm weiter zu, dies obwohl die Anzahl neuer Aufträge nicht erhöht werden konnte. Maurer schliesst daraus auf einen «gewissen Optimismus der Dienstleister für die Zukunft».