«Wir dürfen nicht auf die romantische Ebene kommen»: Die Kandidierenden fürs St.Galler Stadtpräsidium streiten über Corona und Klimaziele

An einem Podium über grüne Themen zeigten sich die drei Kandidierenden angriffslustiger als bei ihren ersten Auftritten, bei denen sie sich noch zahm gaben.

Marion Loher
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Wird von den Grünen als Kandidat fürs Stadtpräsidium unterstützt: Schuldirektor Markus Buschor.

Wird von den Grünen als Kandidat fürs Stadtpräsidium unterstützt: Schuldirektor Markus Buschor.

Bild: Ralph Ribi

Der Wahlkampf ums Stadtpräsidium nimmt Fahrt auf. Nachdem das erste Podium mit den Kandidierenden Maria Pappa (SP), Markus Buschor (parteilos) und Mathias Gabathuler (FDP) vom Dienstag noch ein gegenseitiges Abtasten gewesen war, gab es bei der zweiten Runde am Samstag bereits die eine oder andere Provokation zu hören. Das lag an den grünen Themen, bei denen sich die drei nicht immer einig waren. Zum öffentlichen Hearing im Vortragssaal des Kunstmuseums hatten die Grünen der Stadt und Region geladen.

Von Energiekonzept bis Corona

Moderator Robert Furrer wollte von den Kandidierenden wissen, wie die Stadt ihr Ziel, bis 2050 eine Null-Tonnen-CO2-Gesellschaft zu werden, erreichen will. Gabathuler sagte, hierfür brauche es alle Akteure: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Möglichkeiten gebe es viele, wie das Umsteigen auf Elektromobilität oder nachhaltige Gebäudesanierungen.

Maria Pappa, SP-Kandidatin fürs St.Galler Stadtpräsidium.

Maria Pappa, SP-Kandidatin fürs St.Galler Stadtpräsidium.

Bild: Ralph Ribi

Für Buschor muss St.Gallen «noch kompakter» und eine «Stadt der kurzen Wege» werden. Denn nur in einer kompakten Stadt komme man auch ohne Autos aus. Gemäss Pappa soll die Klimaneutralität mit dem Energiekonzept 2050 erreicht werden. Momentan sei ihr aber die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit wichtiger.

«Unsere Gesellschaft ist auf Wachstum ausgerichtet. Würden wir aber mit weniger auskommen, hätten wir viele Probleme schneller gelöst.»

Die gesamten Strukturen müssten überdacht werden, das habe die Corona-Krise gezeigt. Es könne nicht sein, dass wegen einer zweimonatigen Zwangspause die ganze Wirtschaft kaputt gehe.

Mathias Gabathuler, Kandidat der FDP fürs St.Galler Stadtpräsidium und damit die Nachfolge von Thomas Scheitlin (FDP).

Mathias Gabathuler, Kandidat der FDP fürs St.Galler Stadtpräsidium und damit die Nachfolge von Thomas Scheitlin (FDP).

Bild: Nik Roth

Gabathuler bezeichnete dies zwar als «wichtige Überlegung», aber: «Wir müssen aufpassen, dass wir bei diesem Thema nicht auf die romantische Ebene geraten.» Er setze auf die Eigenverantwortung der Menschen und viele verhielten sich sinnvoll. Die Mobilität der Zukunft in der Stadt sieht der Rektor der Kanti am Brühl als ein Gesamtkonzept, bei dem kein Verkehrsteilnehmer diskriminiert werde. «Und wenn wir es uns leisten können, sollen auch die Velowege ausgebaut werden», fügte er an.

Für Buschor ist dies ein Widerspruch in sich. Er kritisierte, dass dem motorisierten Individualverkehr immer noch mehr Raum zur Verfügung stehe als anderen. «Urbanität bedeutet aber, dass der Mensch im Vordergrund steht und nicht das Auto.»

Fragen an die Konkurrenz

Uneinig war man sich auch darüber, ob für die sozial Schwachen und die coronabedingten Einzelschicksale mehr getan werden müsse. «Die Stadt hat sich in einer ersten Phase grosszügig gezeigt, jetzt müssen die Folgen abgewartet werden», sagte der Schuldirektor. Es brauche keine neuen Gefässe, die Sozialen Dienste funktionierten gut.

Die Bauchefin hingegen wünscht sich «zusätzliche niederschwellige Beratungsstellen – auch, um gegen die Stigmatisierung anzukämpfen». Auch die Kandidierenden durften sich befragen. Buschor wollte von seinem Konkurrenten wissen, wen die Bürgerlichen mit ihrem Schulterschluss für die Stadtratswahlen eigentlich angreifen. Worauf Gabathuler sagt:

«St.Gallen braucht einen ausgewogenen Stadtrat und einen solchen gibt es zurzeit nicht.»

Ihm wiederum habe während des Lockdowns die Präsenz des Stadtrats gefehlt. «Die föderalistischen Strukturen haben die Kommunikation klar vorgegeben», rechtfertigte sich Pappa. «Wir hätten aber auf emotionaler Ebene sicherlich mehr tun können.»

Auf die Frage, bei welcher Partei er sich als Parteiloser am ehesten sehe, antwortete Buschor:

«Ich bin nicht parteilos, sondern parteiunabhängig und stehe in erster Linie für Sachpolitik.»

Seine Argumente überzeugten die Grünen und sie empfahlen Buschor zur Wahl des Stadtpräsidenten.