Eggersrieter Gemeinderatskandidat tanzte die Nächte an Technopartys durch: «Davon habe ich meinen Durchhaltewillen»

Markus Luterbacher ist ausgebildeter Lehrer, Schulleiter und Schulberater. Jetzt will er Eggersrieter Schulpräsident werden.
17-Stunden-Arbeitstage bereiteten ihm keine Mühe, sagt er.

Melissa Müller
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Markus Luterbacher will Eggersrieter Schulratspräsident werden.

Markus Luterbacher will Eggersrieter Schulratspräsident werden.

Bild: Melissa Müller

Markus Luterbacher mag das Rampenlicht. Früher tanzte er an Technoraves die Nächte durch. «Ich habe einen grossen Durchhaltewillen», sagt der 48-Jährige, der nun für den Eggersrieter Gemeinderat kandidiert – konkurrenzlos. «Dieser Mosaikstein fehlt noch in meiner Biografie», sagt der ausgebildete Primarlehrer, Oberstufenlehrer und Schulleiter. Er ist mit einer Lehrerin verheiratet und Vater zweier Söhne (13 und 14 Jahre) und einer zehnjährigen Tochter. Müsste sich der Parteilose einer Partei anschliessen, dann der FDP oder den Grünliberalen.

Eggersriet steht zur Zeit in den Schlagzeilen, weil Gemeindepräsident Roger Hochreutener erklärt hat, dass er eigentlich gar nicht mehr antreten wollte. Weil sich in der Pandemie ein Wahlkampf um seine Nachfolge schwierig gestaltet hätte, habe er sich nochmals überreden lassen. Nun ist ihm mit der wilden Kandidatin Lynn Blattmann (GLP) Konkurrenz erwachsen. «Ich nehme an, dass Hochreutener wieder gewählt wird», sagt Luterbacher. Er glaube nicht, dass der Widerstand in der Bevölkerung gegen den Gemeindepräsidenten breit abgestützt sei. «Er ist ein Haudegen. Trotzdem schätze ich seine Qualitäten. Er weiss, was er will. Und er kann gut argumentieren.»

In Brasilien Lehrer gecoacht

Seit zehn Jahren ist Markus Luterbacher bei Schulentwicklung.ch als Weiterbildner und Berater von Schulteams tätig. Er arbeitet mit Lehrerteams in der ganzen Deutschschweiz. Vor Corona auch in Bayern und Brasilien.

Kürzlich stand er um 4 Uhr auf, fuhr nach Bern, gab eine Schulung bis 17 Uhr, fuhr zurück nach Eggersriet, schrieb Auswertungen bis in die Nacht hinein. «Ein 17-Stunden-Tag bereitet mir keine Schwierigkeiten.» Er regeneriere schnell. «Der Mensch ist fähig, extrem viel zu leisten. Aber er muss auf seine Ressourcen achten», sagt Luterbacher, der sich am Wochenende beim Downhillbiken in Valbella, wo er ein Ferienhaus hat, austobt.

Seine Energien zu bündeln, habe er auch in seiner Partyzeit gelernt. «Ich tanzte auf jedem Tresen», erinnert er sich mit einem Schmunzeln.

«Ich war immer der Erste, der eine Tanzfläche eröffnete. Und der Letzte, der sie wieder verliess.»

Bevor er sich ins Nachtleben stürzte, stärkte er sich jeweils mit Spaghetti und trank viel Wasser. «Auf meine drogenfreie Vergangenheit bin ich stolz.» Obschon ihm oft eine Linie Koks angeboten wurde, lehnte er ab. Das Tanzen war ihm Rausch genug.

Einen ähnlichen Kick verspüre er heute, wenn er vor ein 100-köpfiges Team trete und eine Weiterbildung leite. Nun will er als Gemeinderat und Schulpräsident die Nachfolge von Lukas Beck antreten. Seine Wahl ist so gut wie sicher, Luterbacher hat keinen Konkurrenten für dieses 20-Prozent-Pensum. «Sie hatten relativ grosse Mühe, jemanden zu finden», weiss der Pädagoge, der von der Lehrerschaft und der Findungskommission angefragt wurde. Die Coronazeit habe ihm die Entscheidung vereinfacht, weil er freiberuflich arbeitet, was schwieriger geworden sei.

Aufgewachsen ist er in Abtwil. Auch seine Geschwister sind politisch interessiert: Sein Bruder Matthias ist FDP-Gemeinderat in Gaiserwald, sein Bruder Claudius ist Bistumskanzler, seine Schwester Martina arbeitet als Journalistin, zwei weitere Schwestern sind Lehrerinnen.

Er wohnt mit seiner Familie seit 13 Jahren in Eggersriet. Hier mitzuwirken, sein Wissen weiterzugeben, reize ihn. Es stehen grosse Veränderungen an: Die Schulkörperschaft wird neu in die Einheitsgemeinde integriert. In den nächsten Jahren soll ein neues Schulhaus gebaut werden. «Die ganze Entwicklung ist an einem Punkt, wo man nicht nur etwas Bestehendes übernehmen, sondern mitentwickeln kann.»