«So retten wir niemanden»: Warum die Stadt Gossau keine Coronagutscheine verschenken will

Rund um die Gratisgutscheine ist im Gossauer Stadtparlament eine hitzige Debatte zwischen SP und SVP entbrannt.

Melissa Müller
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Was in Bad Zurzach geht, wird in Gossau verschmäht: Das Stadtparlament will keine Corona-Gutscheine verschenken. Damit sei niemandem geholfen.

Was in Bad Zurzach geht, wird in Gossau verschmäht: Das Stadtparlament will keine Corona-Gutscheine verschenken. Damit sei niemandem geholfen.

Zvg / Aargauer Zeitung

Jeder Haushalt in Gossau soll mit einem Gutschein von 30 Franken beglückt werden. Und somit beim Einkaufen das lokale Gewerbe unterstützen. So wollte es Stadtparlamentarierin Itta Loher (SP). Sie forderte, dass die Aktion mit einem Nachtragskredit von maximal 300'000 Franken finanziert werden soll. Ihre Motion wurde an der Sitzung vom 1.September aber mit 16 zu 12 Stimmen für nicht erheblich erklärt.

Der Stadtrat lehnt die Forderung ab. Von einer derartigen Aktion würden bloss die rund 60 Betriebe profitieren, die in den Fachgeschäften Gossau zusammengeschlossen sind, meint er. Ein grosser Teil der Gewerbebetriebe und Restaurants hätten keinen Nutzen.

Der Stadtrat bezeichnet den Antrag daher als «nicht gerecht». Itta Loher sagt dazu:

«Wo ist der gerechte Alternativvorschlag der Stadt?»

Über 60 Gossauer Läden würden von einer Gutscheinaktion profitieren, von Scherzinger und Buchhandlung Gutenberg bis hin zu Claro. Loher sagt:

Itta Loher, Stadtparlamentarierin SP.

Itta Loher, Stadtparlamentarierin SP.

Bild: PD
«Das sind über 60 engagierte Betriebe, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen.»

Zug, Weinfelden und Luzern hätten bereits Gutscheine verschenkt. Auch Gossau könne das, meint die Motionärin.

Pascal Fürer (SVP) weist darauf hin, dass es 670 Unternehmen im Gossauer Firmenverzeichnis gebe. Nur rund 60 seien Mitglied der Fachgeschäfte. Viele Betriebe hätten also keinen Nutzen von einer Gutscheinaktion.

«Für alle, statt für wenige – ist der Slogan der SP nur eine Lüge?»

Adrian Krucker und er hätten schon im April mit einer Einfachen Anfrage Unterstützung fürs Gossauer Gewerbe gefordert. «Die SP tut dies nun nur für den Zweck, Wahlkampf zu betreiben», wirft Fürer Loher vor.

Pascal Fürer, SVP.

Pascal Fürer, SVP.

Bild: PD

Worauf Werner Bischofberger (SP) das Wort ergreift: «Ich verwahre mich gegen Vorwurf, das sei wahltaktisch! Das ist nur blöd. Bleiben wir sachlich und diskutieren wir anständig.»

Die Flig sei gegen die Motion, sagt Stefan Harder. «Wir haben uns das auch überlegt. Die Idee ist unkonventionell, aber nicht gesetzeskonform.» Die 30 Franken pro Einwohner seien nicht nachhaltig. «Damit retten wir niemanden.»

Itta Loher meint, die Gutscheine wären eine Anerkennung für die Bevölkerung, die während des Lockdowns vorbildlich durchgehalten habe. Das einzige, was die Stadt diesbezüglich gemacht habe, sei, dass sie weniger Parkbussen verteilt habe. «Was ist das für ein Signal?» Es würden in Gossau auch weniger Privilegierte leben und «Alleinerziehende ohne Wellnessabo für den Säntispark».

Der Unmut über die Abstimmung ist bei den Genossen auch am Tag danach nicht verflogen. «Der Entscheid ist aus Sicht der SP-Fraktion enttäuschend und unverständlich», schreibt Fraktionspräsident Florian Kobler in einer Medienmitteilung.

Stadtrat will ausführlicher über Kreditgeschäfte Rechenschaft ablegen

Mehr Transparenz bei Finanzen über einer Million Franken

Dave Mathis (Flig) und Thomas Künzle (SVP) sowie 26 Mitunterzeichnende wollen, dass der Stadtrat dem Parlament ausführlicher über Kreditgeschäfte über einer Million Franken berichtet. Dies soll im Geschäftsreglement des Parlaments entsprechend verankert werden. Das Parlament hat den Vorstoss erheblich erklärt.

Beitrag an Entwicklung Gossau Ost

Mit dem Verein Asgo (Areal St.Gallen West Gossau Ost) hat diese Zusammenarbeit von Gaiserwald, St. Gallen und Gossau bei der Entwicklung des gemeinsamen Grenzgebietes eine rechtliche Basis erhalten. In den nächsten Jahren sollen konkrete Vorhaben eingeleitet werden sollen. Für deren Bearbeitung rechnet der Verein mit Kosten von gesamthaft 1,7 Millionen Franken. Der Anteil von Gossau beläuft sich auf 611'000 Franken. Das Stadtparlament hat für die Bearbeitung des Geschäftes eine vorberatende Kommission eingesetzt.

Stadtrat unterstützt Deponie an Autobahn

Der Stadtrat strebt an, dass eine Deponie an der Autobahn im Gebiet Städeli-Weid-Gapf als Standort im kantonalen Richtplan aufgenommen wird. In seiner Antwort auf die Interpellation von Erwin Sutter (FLiG) zu diesem Thema stellt der Stadtrat jedoch fest, dass er nicht beeinflussen könne, dass dieses Vorhaben anderen Deponieprojekten in der Region vorgezogen werde. Der Interpellant zeigte sich mit der Antwort des Stadtrates zufrieden.

Auch Monika Gähwiler (SP) zeigte sich befriedigt mit der Antwort des Stadtrates auf ihre Interpellation. Sie erkundigte sich nach den Lehren, welche Stadtrat und Stadtverwaltung aus den Planungsverfahren für das Alterszentrum Fürstenland ziehen.