Getestet
Zu Tisch: Pommes mit Hagebuttenketchup und andere kulinarische Überraschungen im neuen Dorfhus Gupf in Rehetobel

Im Dorfhus Gupf kann man mit fast jedem Budget köstlich essen. Eine Bratwurst wird ebenso serviert wie ein Tomahawk-Steak für 200 Franken. Die Küche ist bodenständig wie originell. Und nicht nur Fleisch und Käse, sondern auch die Massivholzmöbel stammen aus dem Appenzellerland.

Melissa Müller
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Geschäftsführer Kay Mauretter (links mit Flasche) und Chefkoch Pedro Ferreira vor der Showküche. Der Grill aus Amerika wird mit dreijährigem Buchenholz eingefeuert. Es gebe nur drei davon in der Schweiz: In Zürich, Zermatt und Rehetobel.

Geschäftsführer Kay Mauretter (links mit Flasche) und Chefkoch Pedro Ferreira vor der Showküche. Der Grill aus Amerika wird mit dreijährigem Buchenholz eingefeuert. Es gebe nur drei davon in der Schweiz: In Zürich, Zermatt und Rehetobel.

Bild: Melissa Müller (14. September 2020)

Das neue Dorfhus Gupf, vor zwei Monaten in Rehetobel eröffnet, wird von Gästen überrannt. «Es hat einschlagen wie eine Bombe!», sagt Geschäftsführer Kay Mauretter. Am Samstagabend konnten wir keinen Tisch ergattern – dafür an einem Montag. «Gupf»-Besitzer Migg Eberle hat über 12 Millionen Franken in das neue Hotel-Restaurant im Dorf investiert.

Das Dorfhus Gupf ist auch ein Hotel.

Das Dorfhus Gupf ist auch ein Hotel.

Bild: Karin Erni (22.Juni 2020)

Sein Credo:

«Wir wollen alle ansprechen, vom Bauarbeiter bis zum Banker.»

Das spiegelt sich auch in der Bandbreite der Preise: Von der Bratwurst für 19.50 Franken bis zum Tomahawk, einem irländischen Rind, für 200 Franken. Ebenso beim Wein: Ein Glas Zweigelt im Offenausschank kostet 6.50 Franken, die teuerste Magnumflasche ist für 30'000 Franken zu haben.

Der Weinkeller ist mit 400 Magnumflaschen bestückt. «Kürzlich hatten wir zwei Hotelgäste, die an einem Tag drei solche Flaschen getrunken haben», erzählt Gastgeber Kay Mauretter. «Das Frühstück war dann wohl aspirinhaltig.»

Der Weinkeller ist mit 400 Magnumflaschen bestückt. «Kürzlich hatten wir zwei Hotelgäste, die an einem Tag drei solche Flaschen getrunken haben», erzählt Gastgeber Kay Mauretter. «Das Frühstück war dann wohl aspirinhaltig.»

Bild: Felix Boekamp (14. September 2020)

Während wir die Speisekarte studieren, reicht uns ein junger Kellner zur Begrüssung ein Holzbrett mit Sauerteigbrot und Mutschli mit Pfefferkörnern. Am Nachbartisch parlieren Businessmänner in weissen Hemden auf Englisch. Auch ein Musikverein macht es sich gemütlich. Und im Fumoir nebenan trinken Feuerwehrmänner ihr Bier.

Der knackige Salat mit Radieschen, Cherrytomaten, Baumnüssen und Kürbiskernen ist mit einem hausgemachten Dressing beträufelt (9 Franken). Dazu teilen wir uns eine knusprige Pinsa aus Sauerteig, eine Art Pizza, die mit Burrata, Spinat und Kräutern belegt ist (22.50 Franken). Auch eine Pinsa mit Weisstannen-Forelle und Meerrettich (26.50 Franken) hätte uns gelockt.

Die Pinsa (rechts) wird auf einem rustikalen Holzbrett serviert. Tischläufer und Servietten sind aus Naturleinen.

Die Pinsa (rechts) wird auf einem rustikalen Holzbrett serviert. Tischläufer und Servietten sind aus Naturleinen.

Bild: Melissa Müller (14. September 2020)

Beim Essen können wir den Köchen in der offenen Küche über die Schulter schauen und sehen, wie die Feuerflammen im Holzgrill züngeln.

Jung und motiviert: Das Team im «Dorfhus Gupf».

Jung und motiviert: Das Team im «Dorfhus Gupf».

Bid: Felix Boekamp (14. September 2020)

Gutes Timing

Das Timing der Bedienung ist perfekt. Wir warten nie lange, werden aber auch nicht gehetzt. Die selbstgemachten Ravioli mit Steinpilzen sind nicht mit Ricotta, sondern mit Burrata und Spinat gefüllt und so schmackhaft, dass sie bereits zum Lieblingsgericht einiger Gäste avanciert sind (24 Franken). Sie schwimmen allerdings in Salbeibutter; eine üppige Kost.

Das knusprige Mistratzerli im Gusseisenpfännchen (34 Franken) wird von einer geschmorten Selleriestange, Rüebli und Zucchetti aromatisch begleitet. Und von Rheintaler Pommes-frites, die für uns zum Höhepunkt des Abends gehören. Man tunkt sie in Hagebuttenketchup. Die Hagebuttenkonfi stammt von Teefee Franziska aus Wolfhalden, die Käse sind von Marcel Tobler in Schachen.

Die Einrichtung ist ebenso regional geprägt. Die massiven Tische und Stühle hat die Schreinerei Koch aus Gonten aus Nussbaum gefertigt. Sogar die Coronawände aus Holz und Glas sind mit Wildrosenmuster verziert.

Fazit: Essen vom Feinsten, eine junges, motiviertes Team und natürliche Materialien: So wird ein Restaurantbesuch zu einer kleinen Auszeit.

Adresse

Dorfhus Gupf

Kirchstrasse 2, 9038 Rehetobel
Telefon 071 878 70 00,
www.dorfhus-gupf.ch
Täglich von 8 bis 23.30 Uhr.
Etliche Appenzeller Produkte; grosses Angebot an Fleischspezialitäten vom Grill.