Jura umarmt Québec

Bundespräsident Pascal Couchepin wird der kanadischen Stadt Québec zum 400. Geburtstag gratulieren, der Bürgermeister von Paris ein Geburtstagsgeschenk überbringen: Da darf der 70'000-Einwohner-Kanton Jura nicht fehlen.

Barbara Spycher
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Kulturelle Nähe: Jongleure aus Québec nehmen in Delsberg an einem Volksfest teil. (Archivbild: ky/Dominik Plüss)

Kulturelle Nähe: Jongleure aus Québec nehmen in Delsberg an einem Volksfest teil. (Archivbild: ky/Dominik Plüss)

Bundespräsident Pascal Couchepin wird der kanadischen Stadt Québec zum 400. Geburtstag gratulieren, der Bürgermeister von Paris ein Geburtstagsgeschenk überbringen: Da darf der 70'000-Einwohner-Kanton Jura nicht fehlen. Drei von fünf Regierungsmitgliedern überbringen dem «Brudervolk» morgen Samstag eine exklusive Uhr, 2,5 auf 3,5 Meter gross. Das Geschenk soll die enge und alte Freundschaft mit Québec würdigen.

Eine Freundschaft, aufgebaut auf der Verteidigung der französischen Sprache und separatistischer Ideale. Jura–Québec, gleicher Kampf, hatte der Separatistenführer Roland Béguelin vor 40 Jahren verkündet, als der Jura noch für die Abspaltung vom Kanton Bern kämpfte.

Kulturelle Bande

Québec ist eine überwiegend französischsprachige 7-Millionen-Provinz, die im mehrheitlich englischsprachigen Kanada um ihre Autonomie kämpft. Das separatistische Mouvement autonomiste jurassien (MAJ) unterhält bis heute enge Kontakte zu politischen Verbündeten in Québec, im Aostatal oder in Wallonien, einer Region Belgiens.

Auch der Kanton Jura unterschrieb 1983 einen Zusammenarbeitsvertrag mit Québec. Doch ist diese Autonomiephase für den Jura nicht langsam passé? Es gehe im Austausch zwischen Québec und dem Jura heute nicht mehr um den Identitätskampf, die politische Situation sei tatsächlich verschieden, sagt die jurassische Regierungspräsidentin Elisabeth Baume-Schneider. Aber die Freundschaft sei geblieben, und der Jura habe viele sprachliche und kulturelle Bezugspunkte zu Québec. Künstler aus Kanada kämen in den Jura – und umgekehrt lebten im Jura einige Menschen aus Québec. In Bildungsfragen sei Québec eine Referenz, ebenso in Sachen Suchtprävention: Von Québec kam die Idee zu «Nez rouge», einem Heimfahrdienst für Angetrunkene, via Jura in die Schweiz. Schon mehrmals sind deshalb jurassische Regierungsräte nach Québec gereist. Auch diesmal stehen einzelne Treffen mit Behördenvertretern auf dem Programm.

Baume-Schneider wird zudem am gleichzeitig stattfindenden Frankophonie-Gipfel der 55 Staaten mit französischer Sprache teilnehmen. Die Schweizer Delegation wird von Bundespräsident Pascal Couchepin angeführt.

Am Rande dieses Gipfels, vor den Augen der Medien und prominenter Gäste aus Politik und Wirtschaft, wird der Jura der Stadt Québec das Geburtstagsgeschenk überbringen: Das Modell einer monumentalen Uhr, die in den nächsten zwei Jahren als Unikat von der renommierten Uhrenfabrik Guenat Montres Valgine im Jura hergestellt wird, unter Mithilfe von jurassischen Studenten. Sie wird im Entrée einer Bibliothek im Stadtzentrum Québecs zu stehen kommen. Den PR-Auftritt für den Uhren- und Mikrotechnik-Standort Jura bestreitet Baume-Schneider nicht allein: Mit ihr sind zwei weitere Regierungsmitglieder, der Regierungssprecher, der Staatsschreiber und zwei Vertreter der Herstellerfirma vom 14. bis 19. Oktober nach Québec gereist. Eine gutdotierte Delegation. Man übergebe schliesslich nicht alle Tage ein solch exklusives Geschenk, sagt Baume-Schneider.

Doch wie passen die Reisekosten ins enge jurassische Budget? Es koste den Steuerzahler nicht mehr als 10 000 Franken, weil alle Teilnehmenden einen Teil selber berappten, sagt die Regierung. Dies liegt im interkantonalen Rahmen: 19 000 Franken hatte der dreitägige Legislaturausflug des Berner Gesamtregierungsrats nach Brüssel gekostet, 15 000 Franken der jüngste viertägige Ausflug der Genfer Regierung nach Estland und Lettland. Die Genfer hatten allerdings Kritik einstecken müssen, da sie die Reise nicht angekündigt und Erklärungen nach Kosten und Sinn nur widerwillig abgegeben hatten.

Kritik der Berntreuen

So weit und so lange wie derzeit die Jurassier verreisen allerdings nur die wenigsten Kantonsregierungen. Doch die jurassischen Parteien begrüssen das Engagement jenseits des Atlantiks. Einzig Roland Benoit von der berntreuen «Force démocratique» im Berner Jura sieht sich bestätigt, dass die Nordjurassier allzu gerne repräsentieren und nicht seriös politisierten. Regierungspräsidentin Baume-Schneider widerspricht: «Politik braucht manchmal Wagemut, Kühnheit und Visionen.»