TOURISTENATTRAKTION: Touristenlift zum Neat-Basistunnel

BERN. Unternehmer um Samih Sawiris und Politiker wollen aus dem 800 Meter tiefen Neat-Stollen bei Sedrun eine Touristenattraktion machen. Die SBB reagieren offener als beim Projekt Porta Alpina.

Tobias Gafafer
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Geplatzter Traum: Anstelle der Porta Alpina soll es einen Lift geben. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Geplatzter Traum: Anstelle der Porta Alpina soll es einen Lift geben. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Noch in diesem Jahr dürfte der Bundesrat das Projekt Porta Alpina offiziell ad acta legen. Selbst der ägyptische Investor Samih Sawiris, der die Pläne 2010 neu lancierte, konnte die Regierung und die SBB nicht umstimmen. Im Hinblick auf die Eröffnung des Gotthardbasistunnels 2016 verfolgen Sawiris und weitere Unternehmer nun bereits das nächste Projekt, wie Orascom-Verwaltungsrat Franz Egle auf Anfrage sagt. Gemäss Recherchen unserer Zeitung soll der bestehende Stollen mit Lift, der von Sedrun zur Neat-Baustelle führt, nach Inbetriebnahme des Tunnels als Touristenattraktion betrieben werden. In 800 Metern Tiefe soll es etwa einen Ausstellungsraum oder ein Fenster geben, wie es im Lötschbergbasistunnel existiert.

Jahrhundertwerk inszenieren

Hinter dem Projekt stehen unter anderem der Basler PR-Unternehmer Manfred Messmer und Pancrazi Berther, Gemeindepräsident von Tujetsch in der Surselva. Gemäss Messmer soll im Juni an einer Sitzung mit den SBB über die Durchführung einer Machbarkeitsstudie entschieden werden; neben Egle und Messmer soll Bahnchef Andreas Meyer teilnehmen. Hintergrund des Projektes: Der Stollen und andere Bauten sollen weiter genutzt werden. Es geht unter anderem um vier Warteräume, die im Hinblick auf die geplante, aber nie realisierte unterirdische Haltestelle Porta Alpina erstellt worden sind. Die Kosten von rund 15 Millionen Franken trugen je zur Hälfte der Kanton Graubünden mit der Gemeinde Tujetsch und der Bund. Pancrazi Berther schwärmt vom Projekt: «Es ist ein Erlebnis, wenn man sich 800 Meter in die Tiefe traut.» Und er denkt bereits an eine Ausstellung: «Anstatt die gebauten Räume zuzuschütten, könnten die SBB ihr Jahrhundertwerk präsentieren.» Ins selbe Horn stösst Manfred Messmer: «Die Schweiz soll zeigen, was sie mit dem längsten Tunnel der Welt schafft. Jedes andere Land würde das auch machen.» Messmer lancierte mit Martin Heller, dem früheren Chef der Expo.02, vor einigen Jahren einen internationalen Ideenwettbewerb für Architekten, der sich mit der touristischen Nutzung des Neat-Stollens befasste.

Begeisterung in Graubünden

Der Kanton Graubünden zeigt sich von den neuen Plänen begeistert – und erhofft sich Impulse für die strukturschwache Region Surselva. «Graubünden hat ein erhebliches Interesse, die Vorinvestitionen in die Porta Alpina nutzen zu können. Wir stehen der Idee sehr positiv gegenüber», sagt Bau- und Verkehrsdirektor Mario Cavigelli. Und auch die SBB, welche die Porta Alpina aus betrieblichen Gründen stets ablehnten, signalisieren Interesse. «Die SBB wollen nicht selber zahlen, sind aber sehr positiv eingestellt», sagt Messmer. Offiziell heisst es bei den SBB, dass der Entscheid dem Bundesamt für Verkehr (BAV) obliege. «Sollte das Projekt gutgeheissen werden, müssten Fragen der Sicherheit, des Betriebs und der Finanzierung geklärt werden», sagt Sprecher Reto Kormann. Gemäss BAV geht der Gotthardbasistunnel nach der Inbetriebnahme an die SBB über. Informationschef Gregor Saladin verweist zudem auf das Beispiel des Lötschbergbasistunnels: «Dort war es einfacher, weil die BLS selber das Fenster für die Besucher betreut.»

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