Streit um Strassenfest wegen Kessler

Anfang September findet in Winterthur ein Strassenfest für Veganerinnen und Veganer statt. Dabei ist auch der Verein gegen Tierfabriken des Thurgauers Erwin Kessler präsent – zur Empörung einer Organisation.

Daniel Walt
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Umstritten: Der Thurgauer Tierschützer Erwin Kessler. (Bild: Reto Martin)

Umstritten: Der Thurgauer Tierschützer Erwin Kessler. (Bild: Reto Martin)

"Toleranz für Antisemitismus und Sekten": Diesen Titel trägt ein Communiqué der anonym operierenden Organisation Indyvegan. Diese setzt sich laut ihrer Homepage für eine "emanzipatorische vegane Bewegung und gegen Menschenfeindlichkeit innerhalb wie ausserhalb der veganen Szene" ein. Indyvegan greift nun die Organisatoren der Veganmania, eines am 5. September in Winterthur stattfindenden Strassenfestes, massiv an.

Wegen Rassismus verurteilt
Die Veranstalterin der Veganmania, die Organisation Swissveg, habe sich im Vorfeld des Anlasses solidarisch mit dem Verein gegen Tierfabriken von Erwin Kessler sowie der Sekte "Universelles Leben" gezeigt, kritisiert Indyvegan im Communiqué. Die Organisation erinnert daran, dass Kessler wegen Rassismus verurteilt worden sei - laut dessen eigener Aussage in einem Interview mit der Thurgauer Zeitung vom Februar 2014 zweimal. Zudem trete die "umstrittene, totalitäre Sekte Universelles Leben" als Ausstellerin und Sponsorin an der Veganmania in Winterthur auf – und zwar mittels des sogenannten "Bliib gsund Natur-Versandes". Die Sekte, die als ein Ziel die "Umprogrammierung " von Menschen verfolge, versuche bereits in Deutschland, über die Themen Tierschutz und Tierrechte neue Mitglieder zu gewinnen.

"… dann schreiten wir sofort ein"
Auf Anfrage erklärte Renato Pichler, Präsident des Vereins Swissveg, der Verein gegen Tierfabriken habe sich frühzeitig für das Strassenfest angemeldet, seinen Beitrag bezahlt und auch sonst alle Bedingungen für die Teilnahme eingehalten. "Wir machen bei unseren Ausstellern keine Gewissensprüfung und laden niemanden aus, nur weil eine anonyme Gruppierung aus Deutschland das wenige Wochen vor dem Anlass fordert", sagt Pichler. Der Verein gegen Tierfabriken sei ein Aussteller unter 60 und wolle am Anlass für Belange des Tierschutzes werben. "Falls gewisse Bedingungen nicht eingehalten werden und beispielsweise rassistische Äusserungen getätigt werden sollten, würden wir sofort einschreiten", hält Pichler fest. Er betont zudem, der Verein gegen Tierfabriken sei schon im vergangenen Jahr an der Veganmania präsent gewesen – es habe keinerlei Probleme gegeben.

"Können nicht alle Bauern befragen"
Zur von der Gruppierung Indyvegan kritisierten Präsenz von "Universelles Leben" an der Veganmania sagte Renato Pichler, die Organisation selbst sei am Strassenfest gar nicht vertreten. "Es wird hingegen Produkte von Bauern geben, die sich zu dieser Gemeinschaft zählen", sagt er. Pichler hält diesbezüglich fest, die Organisatoren der Veganmania könnten nicht alle zuliefernden Bauern vorab befragen, zu welcher Religionsgemeinschaft sie gehörten. Gegenüber unserer Zeitung distanzierten sich im Übrigen die Sprecher von Migros und Coop, die als Sponsoren der Veganmania auftreten, mit Nachdruck von antisemitischen Äusserungen beziehungsweise jeglichen extremistischen Ansichten. Im Übrigen verwiesen sie auf die offizielle Stellungnahme der Organisatoren der Veganmania zur Kritik von Indyvegan.

Kessler empört

Per Mail nahm Erwin Kessler vom Verein gegen Tierfabriken (VgT) am Donnerstagmorgen Stellung zur Geschichte. Er betont darin, dass es eine einzige Verurteilung wegen Rassismus gegen ihn gegeben habe - dies entgegen einer Aussage, die er im Februar 2014 in einem Interview mit der Thurgauer Zeitung getätigt hatte. Die Verurteilung betraf seine Kritik am Schächten und an den Schächt-Juden in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts "im Rahmen der damals hochemotional geführten Diskussion um die vom Bundesrat beabsichtigte Aufhebung des Schächtverbots, also des Verbots des betäubungslosen Schächtens von Tieren", wie Kessler schreibt. Des Weiteren hält er fest, der vorliegende Rassismus-Vorwurf erwecke den Anschein, er würde aktuell und weiterhin die Rassismusstrafnorm verletzen, was nicht zutreffe - "eine von dieser anonymen Szene seit einigen Monaten systematisch verbreitete Verleumdung, gegen die bereits mehrere Strafverfahren hängig sind", so Erwin Kessler. (dwa)