Sammeln für die globale Bloch-Prozession

Beim Crowdfunding mit dabei ist auch das Künstlerduo Com&Com. Es sucht Geld für eine Weltreise mit dem Bloch.

Peter Surber
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Bloch-Prozession auf dem Weg von Urnäsch nach Herisau – jetzt soll das Bloch unter anderem in Berlin gezeigt werden. Für «Bloch23781» posieren Johannes M.Hedinger (links) und Marcus Gossolt vor ihrem Stamm. (Bilder: Com&Com)

Bloch-Prozession auf dem Weg von Urnäsch nach Herisau – jetzt soll das Bloch unter anderem in Berlin gezeigt werden. Für «Bloch23781» posieren Johannes M.Hedinger (links) und Marcus Gossolt vor ihrem Stamm. (Bilder: Com&Com)

Im Moment liegt der Stamm in der Kunstgiesserei im Sittertal in St. Gallen. Aber bald soll er auf grosse Reise gehen – auf weit grössere, als es sich das Urnäscher Bloch sonst gewöhnt ist. Gemäss altem Brauch wird bekanntlich der letzte Fichtenstamm des Winters in einer Art Prozession, begleitet von Musik und rauchendem Ofen, von Urnäsch nach Herisau und wieder zurück gezogen – und am Ende auf dem Dorfplatz dem Meistbietenden versteigert. Am 7. März 2011 erhielten den Zuschlag Johannes M. Hedinger und Marcus Gossolt, besser bekannt als Künstlerduo Com&Com und Erfinder des Romanshorner Mocmoc.

Nach ihrem Plan soll das Bloch zum Exportartikel und Kunstprojekt werden, als «Bloch23781» – das ist die Nummer der Baummarke. Erste Vor-Station wird Bern sein, wo Com&Com im April eine Einzelausstellung haben – danach geht der Stamm im Mai nach Berlin, im August nach Polen, es folgt als Zwischenstation das Lagerhaus St. Gallen, anschliessend wird der Stamm eingeschifft nach China. Auf jedem Kontinent soll mindestens eine Bloch-Prozession stattfinden.

Lokale «Aufladung»

«Es geht um Aufladung», sagt Johannes M. Hedinger. Vom archaischen Brauch habe hierzulande jeder sein eigenes Bild, die einen als Fasnachts-, die andern als Totenzug – jetzt sollen weitere Bilder hinzukommen. «Kulturimperialistisch» sei das jedoch nicht gedacht, auch nicht als blosse Zurschaustellung, sagt Hedinger. «Vor Ort wird in Kollaboration mit lokalen Kunstschaffenden jeweils eine neue Bloch-Prozession entwickelt. So können die je lokalen Traditionen und Bräuche hinterfragt werden.» In Berlin etwa arbeiten Com&Com mit dem Kulturtheoretiker Bazon Brock und dessen «Denkerei» zusammen.

Und warum Crowdfunding? Solche Projekte brauchten stets eine Mischfinanzierung, sagt Hedinger. Bei «Bloch23781» sind zum einen Stiftungen wie Pro Helvetia engagiert, zum andern soll die Basis aber erweitert werden. 20 000 Franken sind gesucht; mit diesem Betrag haben Com&Com die erste Reiseetappe dotiert und präsentieren sie auf «we make it».

«Ob die Schweiz parat ist?»

«Der Aspekt der Vermittlung und der Teilhabe ist bei einer Spendenplattform zentral. Man kann Member werden, eine Community bilden», sagt Hedinger. «Wir sprechen so ein Zielpublikum an, das man sonst mit Kunst nicht erreicht, das vielleicht zehn oder zwanzig Franken zahlt.» Für Com&Com sei das Ganze ein Experiment – und damit selber Teil des künstlerischen Prozesses. Prognosen seien schwierig; er glaube an die Idee, sagt Hedinger, «aber ob die Schweiz dafür parat ist, weiss ich nicht».

Fürs erste wird das Bloch zum Stempel: Im Sittertal drucken Hedinger und Gossolt mit der Schnittstelle riesige «Bloch Prints». Und hoffen, dass der Stamm später auch in fernen Landen Eindruck machen wird.

Bloch - Com&Com

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