JUGENDCHOR: Zwei Stunden ohne Handy

Singen ist bei jungen Menschen wieder gefragt. Beatrice Rütsche-Ott und Michael Schläpfer haben jetzt den kantonalen Jugendchor St. Gallen Voxjssimo gegründet. Erste Konzerte sind für Frühjahr 2018 geplant.

Martin Preisser
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Beatrice Rütsche-Ott und Michael Schläpfer bringen beide langjährige und vielfältige Erfahrung mit, was das Singen mit jungen Menschen angeht. Jetzt spannen die beiden St. Galler Chorleiter für ihr Projekt «Voxjssimo» zusammen. (Bild: Michel Canonica)

Beatrice Rütsche-Ott und Michael Schläpfer bringen beide langjährige und vielfältige Erfahrung mit, was das Singen mit jungen Menschen angeht. Jetzt spannen die beiden St. Galler Chorleiter für ihr Projekt «Voxjssimo» zusammen. (Bild: Michel Canonica)

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Das «j» im neuen Chornamen «Voxjssimo» steht für «Jugend». Das Bild von überalterten, verstaubten Chören, die mangels Nachwuchs langsam eingehen, spiegelt nicht mehr die aktuelle Entwicklung. Chorsingen ist in, gerade auch bei der jungen Generation. Michael Schläpfer erzählt vom Jugendchorfestival in Lugano, wo Ende Mai 44 junge Spitzenchöre erwartet werden. Organisiert ist das Festival vom Verein Schweizer Kinder- und Jugendchorförderung SKJF. Michael Schläpfer amtet dort als Präsident der Musikkommission und sitzt im Organisationskomitee des Anlasses im Tessin.

Redet man mit anderen Ostschweizer Chorleiterinnen und Chorleitern, bestätigen diese das Bild einer Chorlandschaft, in der junge Menschen Singen in einem Chor trendy finden. «Musik verbindet. Und es ist ein spürbares Bedürfnis bei jungen Menschen da, miteinander zu singen. Das Gefühl von Zusammengehörigkeit ist dabei ein wichtiges motivierendes Element», sagt Beatrice Rütsche-Ott. «Jugendliche lassen sich für die Arbeit an einem schönen vokalen Klang anstecken. Und sie schätzen eine Probenzeit, in der einmal für zwei Stunden das Handy offline ist.»

Gegenpol in einer schnelllebigen Zeit

Beatrice Rütsche-Ott und Michael Schläpfer haben jetzt, getragen vom St. Galler Kantonalgesangsverband, den kantonalen Jugendchor Voxjssimo gegründet. Gefragt ist die Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren, für die es chormässig eher wenig Angebote gibt. Das Repertoire ist breit geplant. A-cappella-Musik, also unbegleitetes Chorsingen, steht im Vordergrund. Stilistisch liegt der Schwerpunkt auf Pop, Jazz und Gospel, aber auch Klassik ist nicht ausgeschlossen. «Singen in einem Chor gibt auch ein Gefühl von Heimat. Das ist etwas, was Jugendliche in unserer schnelllebigen, virtuell ausgerichteten Zeit wieder vermehrt schätzen», sagt Beatrice Rütsche-Ott.

Probenstart für den Chor ist am 20. Mai. Ziel ist eine Gruppe von 20–30 jungen Sängerinnen und Sängern. Erste Konzerte sind für Frühjahr 2018 geplant. Auch über spartenübergreifende Programme denkt man bereits nach.

Eigentlich sei es gar nicht schwer, die Begeisterung zu wecken, sagt Michael Schläpfer, der heute nach 25 Jahren sein letztes Konzert mit dem Chor Gais bestreitet. «Ich muss den Klang wecken, und oft kommt dann sofort der Kick», sagt er. Und Beatrice Rütsche-Ott doppelt nach: «Ich muss meine eigene Begeisterung auf die jungen Sängerinnen und Sänger übertragen können. Und dann passiert es einfach, dass die Begeisterung zurückkommt.»

Beide Chorleiter bringen für ihr Engagement beim neuen kantonalen St. Galler Jugendchor Voxjssimo viel Erfahrung mit. Beatrice Rütsche-Ott arbeitet an der Diözesanen Kirchenmusikschule in St. Gallen und ist auch an der Kantonsschule Sargans als Gesangslehrerin tätig. Michael Schläpfer, Lehrer für Musik und Geschichte an der St. Galler Kantonsschule am Brühl, leitet Chöre aller Altersgruppen und dirigiert an der Kanti den Schulchor, die KSB-Singers, bereits seit 1995.

Probenstart: Sa, 20. Mai, Musikschule St. Gallen. Alle Infos unter voxjssimo.ch