Umstrittene Bäume in Israel

In Deutschland wirbt die SPD für ein Waldprojekt in Israel. Es steht symbolisch für die Freundschaft zwischen den beiden Ländern. Doch Beduinen kritisieren die Anpflanzungen.

Susanne Knaul
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SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier pflanzt einen Baum. (Bild: spd)

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier pflanzt einen Baum. (Bild: spd)

JERUSALEM. Was könnte es schon Schöneres geben als einen geschenkten Wald. So musste die SPD-Führung gedacht haben, als sie überlegte, wie man den Staat Israel zum 65. Geburtstag erfreuen könnte, der heute gefeiert wird. Seit Mitte Dezember ermutigt die Partei zur Spende für einen Setzling. «Wir müssen mindestens 5000 Bäume pflanzen, doch wir sind sicher, dass wir SozialdemokratInnen mehr können!», heisst es in dem Internetaufruf von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und dem parlamentarischen Geschäftsführer der Partei, Christian Lange.

Vorläufig geben sich die Spender indes geizig. Bei zehn Euro pro Stück würde das Geld, das bis zum Wochenende auf dem Spendenkonto einging, nur knapp für 1000 Bäume reichen. Mit Schuld an der mageren Ausbeute könnte die Tatsache sein, dass das Land, auf dem der SPD-Wald wachsen soll, umstritten ist.

«Wald löscht Geschichte»

«Dieser Wald löscht meine Geschichte und die meines Vaters aus», schimpft Dr. Awad Abu Freih vom Al-Turi-Beduinenstamm auf telefonische Anfrage. Schon vor Jahrzehnten wurde seine Familie aus dem Dorf Al-Arakib nach Rahat umgesiedelt, eine eigens für die Beduinen angelegte Stadt. «Es ist trotzdem immer noch mein Land», sagt Abu Freih, der seine Ansprüche anhand von Kaufverträgen aus der Zeit der osmanischen Herrschaft belegen will. Am 5.7.1930 erstand es sein Grossvater zum Preis von «150 Palestinian Pounds», so heisst es in dem handschriftlichen arabischen Dokument, und «im Beisein zweier Zeugen», die namentlich genannt werden.

Das Land in Erinnerung

Obschon die Vertreibung seiner Familie über 60 Jahre zurückliegt, weiss Abu Freih noch gut, welches das Land seiner Familie ist. Zwischen den bereits gepflanzten Bäumen zeugt ein ausgetrockneter Brunnen von der alten Ansiedlung. Früher habe er das ganze Jahr über Wasser gehabt, erinnert sich der gelernte Chemiker und Dozent an einer israelischen Hochschule. Abu Freihs Grossvater habe bis zur Umsiedlung Weizen angebaut. Mit jedem Baum, der auf dem Gebiet gepflanzt wird, sinkt die Hoffnung der Beduinen, ihr Land zurückzubekommen. «Die Bäume sind für uns wie Soldaten der Besatzung», sagt Abu Freih.

Ausgerechnet Deutschland treibt die Aufforstung massiv voran. Der «Wald der SPD» würde mit seinen geplanten 5000 Setzlingen nur einen Bruchteil des «Waldes der Deutschen Länder ausmachen», in dem seit 1991 schon rund eine halbe Million Bäume gepflanzt wurden, symbolisch für die Freundschaft zwischen Deutschland und Israel.

Schilder mit den Stiftern

Dutzende Schilder, die an den in einem Halbkreis errichteten Säulen hängen, listen die Stifter auf. Alle deutschen Bundesländer sind dort vertreten, manche sogar mehrmals, Städte und Personen, wie Horst Seehofer, der bayrische Ministerpräsident. Die Idee für das Freundschaftsprojekt hatte einst Ex-Bundespräsident Johannes Rau. «Die Abwicklung», so heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme der SPD auf Anfrage, «läuft direkt über den Jüdischen Nationalfonds», kurz JNF.

Der JNF macht sich mit Hilfe von Spenden für die Begrünung Israels stark. Ziel war anfangs, Land anzukaufen, auf dem sich später jüdische Immigranten ansiedeln würden. Gut 13 Prozent des Staatslandes sind heute noch im Besitz des JNF. Kritiker der Organisation, die seit ihrer Gründung 1901 durch den Jüdischen Nationalkongress über 250 Millionen Bäume gepflanzt haben will, unterstellen dem JNF politische Motive.

Der Historiker und Aktivist Gadi Algazi von der Universität Tel Aviv erklärt, dass nach der Vertreibung der arabischen Bevölkerung in den späten 40ern und Anfang der 50er Jahre die rasche Aufforstung zerstörter Dörfer vorangetrieben wurde, um die Rückkehr und Neuansiedlung der Araber zu verhindern. In einem Bericht über den JNF zitiert Haaretz-Autor Uri Blau den Vorsitzenden Efi Stenzler: «Unsere Erfahrung der vergangenen Jahre lehrt uns, dass es nahezu unmöglich ist, Kontrolle über Land zu gewinnen, wenn dort Bäume angepflanzt wurden.»

Für die israelische Nichtregierungsorganisation «Negev Coexistence Forum For Civil Equality» ist das nichts anderes als eine «Judaisierung des Negew», bei der sich die «SPD zum Komplizen macht».

«Nicht auf strittigem Gebiet»

Deutschlands Sozialdemokraten lassen sich indes nicht beirren. In der Stellungnahme von Lena Daldrup, stellvertretende Pressesprecherin des SPD-Parteivorstandes, heisst es: «Der Jüdische Nationalfonds erklärt, dass sich der <Wald der Deutschen Länder> und damit auch der <Wald der SPD> weder auf dem Gebiet von Al-Arakib, noch auf strittigem Gebiet befinden.»

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