Zwischenruf
Zum grün und blau ärgern: Berlin verbannt «Schwarzfahren»

Ist der Ausdruck rassistisch? Nein, sagt ein Sprachwissenschaftler. Trotzdem streichen die Verkehrsbetriebe der deutschen Hauptstadt ihn aus ihrem Vokabular.

Christoph Reichmuth aus Berlin
Christoph Reichmuth aus Berlin
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Ein Zug der Berliner Verkehrsbetriebe: «Schwarzfahren» gibt es hier bald nicht mehr.

Ein Zug der Berliner Verkehrsbetriebe: «Schwarzfahren» gibt es hier bald nicht mehr.

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Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind bekannt für kreative Sprüche. «Bei Terminator 6 kämpfen Menschen gegen Maschinen. Bei unseren Fahrkartenautomaten könnt ihr das jeden Tag tun», ist so einer. Oder: «Wer schwarz fährt, muss Eier haben – oder 60 Euro!»

Der Spruch mit dem Schwarzfahren ist jetzt Tabu. Die BVG – und übrigens auch die Münchner – streichen den Begriff aus ihrem Vokabular, weil er rassistisch interpretiert werden könnte. Dabei ist der Ausdruck völlig unverdächtig. Er stammt von dem jiddischen Wort «shvarts», also Armut, sagt ein Sprachwissenschaftler. Schwarzfahrer heissen so, weil sie einst als zu arm galten, um sich ein Ticket zu leisten. Kurioserweise weiss man das auch in Berlin. Doch dort herrscht die Angst vor falschen Assoziationen.

Dass Schweizer Kinder beim Turnen nicht mehr «Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann» spielen, ist logisch. Aber wer aus Furcht vor falschen Interpretationen unverdächtige Ausdrücke streicht, der überschreitet eine rote Linie.

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