So machen die Gemeinden der Regionalpresse das Leben schwer

Immer mehr Ostschweizer Gemeinden verzichten auf die Publikation amtlicher Mitteilungen in der regionalen Presse. Der Zusatznutzen für die Bürger ist fragwürdig. Der Schaden für die unabhängigen Regionalmedien dafür umso gravierender. 

Stefan Schmid
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Stefan Schmid. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

Stefan Schmid. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

Immer mehr Gemeinden beabsichtigen, ihre amtlichen Anzeigen auf einer vom Kanton zur Verfügung gestellten Onlineplattform zu publizieren statt in Zeitungen. Neue Lesegewohnheiten sowie der Spardruck mögen die Gemeinden zu diesem Schritt verleiten. Auf den ersten Blick leuchtet das ein.

Schaut man die Sache genauer an, beisst sich die Katze in den Schwanz. Lokalpolitiker und Bürger lamentieren darüber, dass ihre Gemeinde in der regionalen Presse nicht mehr umfassend abgebildet werde. Das ist einerseits eine Folge des Strukturwandels, der die Inserateeinnahmen und damit die Mittel schwinden lässt. Anderseits aber verstehen sich unabhängige Medien nicht einfach als Sprachrohr von Behörden, wie dies früher oft der Fall war. Artikel werden nur dann geschrieben, wenn es Relevantes zu berichten gibt.

Je mehr Gemeinden nun aber auf Anzeigen in der Regionalpresse verzichten, desto schwieriger wird deren ökonomische Situation. Dabei ist nur ein Medienhaus, das gemeindeübergreifend gelesen wird, überhaupt in der Lage, lokale Aktualitäten einem grösseren Publikum zugänglich zu machen. Ein kantonales Onlineportal oder ein Dorfblatt schaffen das nicht.

Jammern nützt nichts. Aber man sollte sich auch nicht darüber wundern, wenn Regionalmedien künftig weniger Mittel in den regionalen und lokalen Journalismus investieren können.