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Kolumne

Wohlfühloase? Kommunikationsdesaster!

Mit Grossraumbüros sind oft viele Versprechungen verbunden. Doch in Wahrheit handelt es sich in den meisten Fällen um eine Sparmassnahme.
Reto Lipp
Reto Lipp

Reto Lipp

Wer heutzutage im Büro arbeitet, der arbeitet immer öfters in Grossraumbüros – und das erst noch, ohne über einen eigenen festen Platz zu verfügen. Morgens besetzen jene die Plätze, die als erste da sind, wer zuletzt kommt, muss den Platz nehmen, der übrig bleibt. Wenn es denn überhaupt noch einen Platz hat, denn Personalverantwortliche planen heute knapp, knapper, am knappsten und rechnen allfällige Abwesenheiten schon in die Bürobesetzung mit ein.

Diese neuen Arbeitsorte in Grossraumbüros mit ihren schicken Pulten und den dazwischen geschalteten Lounges sind geradezu Paradiese der Kommunikation, so schwärmen Personalchefs und Innenausstatter. Die wunderbare Umgebung inmitten von Kollegen befördern den Kommunikationsaustausch, säuseln Personalverantwortliche, das mache Arbeiten angenehmer und vor allem viel produktiver. Wer in einem grossen Büro arbeite, der spreche viel häufiger mit seinen Kollegen, der gehe bei Problemen direkt zur betroffenen Ansprechperson und verzichte auf E-Mails oder Telefonanrufe. Überhaupt fliesse die Kommunikation viel besser, alle bekommen ja alles mit, sind also immer auf dem neuesten Stand. Das wiederum verbessere die Zusammenarbeit und mache ganze Abteilungen produktiver und innovativer – so die Personalchefs. Innovationen sprudelten nur so, der Kreativitätsprozess verbessere sich gewaltig.

Schade nur, dass das alles leider so nicht stimmt. Dagegen spricht nicht nur anekdotische Evidenz, sondern durchaus wissenschaftliche Forschung. Die zeigt nämlich, dass Grossraumbüros die Kommunikation nicht befördern, sondern sie eher hemmen. Eine Studie der Universität Harvard zeigte kürzlich, dass Mitarbeiter, die neu in Grossraumbüros arbeiten, deutlich weniger miteinander sprechen. Die Gespräche von Angesicht zu Angesicht nahmen dramatisch ab – um fast 70 Prozent. Dagegen schrieb man mehr E-Mails oder SMS. Es gab zwar auch Kritik an der Studie, aber niemanden, der schon in einem Grossraumbüro gearbeitet hat, kann das Resultat überraschen. Denn es kommt ja nicht nur auf die Kommunikation an, sondern natürlich auch wer mit wem spricht. Findet Kommunikation immer unter den Augen der Kollegen statt, hält man sich eher zurück. Wer will schon, dass andere immer mitbekommen, welche Probleme man jetzt gerade wieder mit einem Kollegen hat. Warum tratscht Herr Müller jetzt wieder mit Frau Meier? Da schreibt man doch lieber ein Mail oder trifft sich in der Cafeteria. Kommt hinzu, dass der Lärmpegel in Grossraumbüros effizientes Arbeiten oft unmöglich macht.

Was aber Leute noch mehr in Grossraumbüros frustriert, ist, dass man keinen festen Arbeitsplatz mehr hat. Die Botschaft an die Mitarbeiter ist klar: Ihr seid alle völlig austauschbar! Es ist egal, wer wo sitzt, es ist überhaupt egal, wer da ist, Hauptsache jemand macht den Job. Man fühlt sich als Manövriermasse. Die Loyalität der Mitarbeiter befördert so etwas nun wirklich nicht. Dabei haben die ganzen «Grossraumbüros-sind-so-toll»-Sprüche der Personalverantwortlichen vor allem damit zu tun, dass man Büroraum sparen will. Fast nichts – ausser vielleicht die Lohnkosten – ist in der Schweiz so teuer wie die Immobilienmieten. Also will man Raum sparen und Kosten drücken, und das bedeutet weniger feste Arbeitsplätze (deshalb rechnet man nur mit 80 Prozent der Mitarbeiter, denn jemand ist ja immer in den Ferien oder krank) und mehr Grossraumbüros.

Das ist ökonomisch durchaus verständlich und auch okay. Aber dann liebe Personalchefs stellt euer Gesäusel über die wahnsinnigen Effizienzsteigerungen und den unglaublichen Wohlfühlanstieg von Grossraumbüros ein. Das nimmt euch niemand mehr ab! Wer Immobilienkosten einsparen will, sollte seine Absichten nicht mit einem moralischen Überbau aufpäppeln, der sich wissenschaftlich nicht halten lässt. Steht doch einfach dazu: Grossraumbüros sind vor allem Sparmassnahmen geschuldet und sind alles andere als Kommunikationsverbesserungsorte oder Wohlfühloasen.

Wirtschaftsjournalist SRF

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