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Kommentar

«Wilder Osten»: Aktenzeichen Ostschweiz ungelöst

Fachkräftemangel: Eine neue Webplattform will Fachkräfte überzeugen, in die Ostschweiz zu kommen. Denn die Region sei ein guter Arbeits- und Lebensraum. Doch davon muss die Ostschweiz sich zuerst selbst überzeugen.
Kaspar Enz

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Kaspar Enz

Kaspar Enz

Der «Wilde Osten» hat so viel mehr in petto, verspricht die Website gleichen Namens. Mehr jedenfalls als Appenzeller Kräuterschnaps, senf­lose Bratwürste und Apfelköniginnen. Die Ostschweiz ist mehr als ihre Klischees: der «Äscher», eine preisgekrönte Landfrau, aber auch Frauenfelder «Töfflibuebe», Arbeitgeber von der Brauerei bis zum Internet-Start-up, interessante Wohnlagen …

An Vielfalt mangelt es der Region diesseits von Winterthur nicht, und die Plattform steckt noch in den Kinderschuhen. An einem mangelt es der Ostschweiz allerdings: an Fachkräften. Wenn die nur wüssten, wie schön es hier ist, welche interessanten Arbeitgeber spannende Jobs anbieten, würden sie schon kommen, hoffen die Unternehmen und Organisationen hinter dem Verein Ostwärts, der die Website lanciert hat.

Die Ostschweiz ist besser als ihr Ruf, will man gen Westen rufen. Nur dass der «Wilde Osten» dort eher gar keinen Ruf hat – er ist weitgehend unbekannt. Das gilt auch für viele seiner Unternehmen. Nicht ganz ohne Grund: Oft sind es Nischenbetriebe, die nur Spezialisten ein Begriff sind. Und selbst die Grossen sind weniger bekannt als jene, die sie beliefern. Auf der Pizzaschachtel steht nicht der Name von Bühler, auch wenn die Lebensmittelindustrie mit deren Maschinen arbeitet. Man kennt deutsche Automarken, aber nicht deren Thurgauer oder Rheintaler Zulieferer.

Es ist nicht der erste Versuch, Fachkräfte in den Osten zu locken: Der Verein IT St. Gallen oder die Veranstaltung Pro Ost tun das schon seit einigen Jahren – mit ansprechendem Erfolg. Der «Wilde Osten» will mehr. Doch das dürfte seine grösste Hürde sein.

Denn während die ersten beiden Initiativen einen klaren Fokus haben – hier die IT-Branche, dort die Vernetzung von Hochschulabgängern und Firmen –, ist noch unklar, wofür der «Wilde Osten» steht: Er droht ein Gefäss mit zu vielfältigem Inhalt zu werden – und zu scheitern wie frühere Versuche der Touristiker, die wilde Vielfalt zwischen Walen- und Bodensee unter ein Dach zu bringen.

Egal ob man Touristen oder Fachkräfte sucht, die Frage bleibt: Was kann man bieten? Ein Abenteuer, das zumindest verheissen Namen wie «Wilder Osten» oder auch «IT rockt!». Fragt man nach, verspricht die Ostschweiz ein ideales Umfeld für Familien samt günstigem Bauland. Das klingt mehr nach Spiesserleben als nach Rock ’n’ Roll. Dem Ruf folgen sollen vor allem Heimweh-Ostschweizer, die schon wissen, wie schön es hier ist – als würden es die anderen sowieso nicht glauben.

Scheinbar muss sich die Ostschweiz erst selbst davon überzeugen, dass sie toll ist und weshalb es sich lohnt, Ostschweizer zu sein statt nur Thurgauer, St. Galler oder Appenzeller. Ein schwieriges Unterfangen. Sollte es dem «Wilden Osten» gelingen, umso besser.

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