Kommentar

Der Papst gibt sich gegenüber Homosexuellen tolerant: Widersprüchliche Worte aus Rom

Kari Kälin
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Wer bin ich, um Homosexuelle zu verurteilen, fragte sich Papst Franziskus früh in seiner Amtszeit. In einem Schreiben betonte er später, niemand dürfe wegen seiner sexuellen Neigung herabgesetzt werden. Jetzt weckt er mit einer neuerlichen Äusserung Hoffnung auf eine offenere Haltung der Kirche bezüglich Homosexualität.

Franziskus heisst die eingetragene Partnerschaft explizit gut: Homosexuelle seien Kinder Gottes und hätten das Recht auf eine Familie. Solche Worte sind eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Als sensationell gelten sie nur, weil sie der oberste Vertreter einer Institution aussprach, die sonst eher wegen Homophobie in die Schlagzeilen gerät. Die katholische Lehre ist nämlich strikt: Sie verurteilt zwar nicht die homosexuelle Neigung, homosexuelle Akte aber schon – und zwar nichts weniger als unnatürlich.

Papst Franziskus verstrickt sich selber in Widersprüche. Im Zusammenhang mit dem Thema Ehe für alle hat er Homosexualität als anthropologischen Rückschritt bezeichnet. Früher, noch als Kardinal, sprach er gar von Teufels Werk.

Das sind verletzende und völlig unverständliche Aussagen für gleichgeschlechtlich Liebende. Sie sind nicht kongruent mit seinen Beteuerungen, die Kirche respektiere Homosexuelle. Darunter leiden nicht zuletzt auch homosexuelle Männer, die als Priester im kirchlichen Dienst stehen.

Abhilfe schaffen könnte eine kirchenrechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlicher Liebe als gleichwertige Lebensform. Von solchen Plänen ist in Rom aber nichts zu hören.