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Kommentar

Dschihad-Reisende stoppen: Wenn die Polizei kommt, ist es zu spät

Um Kinder zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf, sagt ein Sprichwort. Und manchmal braucht es ein ganzes Dorf, damit sie nicht den falschen Weg einschlagen. Den in den Dschihad zum Beispiel. Prävention ist hier das Stichwort. Denn es ist es meist zu spät, wenn die Polizei eingreifen muss.
Kaspar Enz
Kaspar Enz

Kaspar Enz

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Geht es um islamistische Extremisten, gehen die Wellen hoch, gerade in den Medien. Auch darüber, was im Umfeld der An’Nur-Moschee in Winterthur geschah, wurde viel berichtet. Die Medien hätten eine regelrechte Kampagne gefahren, hiess es auf Seiten der Verteidigung im Prozess von vergangener Woche.

Nun mag die An’Nur-Moschee nicht der Schweizer Ableger des «Islamischen Staates» gewesen sein, die Täter oft mehr Lausbuben auf Abwegen als ruchlose heilige Krieger. Trotzdem sind die Ereignisse erschreckend: Eine Gruppe junger Männer nahm radikales Gedankengut an, nicht zuletzt befeuert von einem martialischen Prediger. Manche wollten sich gar dem «Islamischen Staat» anschliessen, drei kehren nie mehr aus dem vermeintlich heiligen Krieg zurück. Zehn standen vergangene Woche vor Gericht, weil sie 2016 in der Moschee zwei Männer angegriffen, festgehalten und mit dem Tod bedroht hatten. Erschreckend genug jedenfalls, dass die Moschee geschlossen wurde.

Die Stadt Winterthur war wachgerüttelt: So etwas sollte nicht mehr vorkommen. Eine Fachstelle wurde ins Leben gerufen, um Dschihad-Reisende stoppen, bevor sie überhaupt auf dumme Ideen kommen. Keine dumme Idee: Gerne wird zuerst nach der Polizei gerufen, wenn es um potenzielle Dschihadisten geht.

Dabei ist es meist zu spät, wenn diese eingreifen muss. Mitschüler und Lehrer, Arbeitskollegen oder Mütter erkennen schon viel früher, wenn jemand plötzlich fromme Reden schwingt, gewalttätige Fantasien äussert, verdächtige Freundeskreise pflegt. Aber sie wollen nicht Freunde oder Verwandte wegen Bagatellen verpfeifen. Sie brauchen Ansprech­personen, denen sie sich ohne Angst anvertrauen können. Vertrauen ist der Grundstein jeder Früherkennung. Deshalb sind Initiativen wie ein interreligiöser Dialog oder die «Brückenbauer» der Polizei auch wichtig: Nur wer den Behörden vertraut, vertraut ihnen heikle Informationen an.

Dass die Kantone St. Gallen und Thurgau hier vorwärtsmachen wollen, ist deshalb zu begrüssen. Nur kommen sie reichlich spät. Zwar gab es auch Ostschweizer Dschihad-Reisende. Aber seit zwei Jahren machte sich niemand mehr auf den Weg, heisst es bei der Bundespolizei – der heilige Krieg scheint verloren, der «Islamische Staat» vorerst geschlagen. Der Thurgauer wie der St. Galler Polizei sind radikalisierte Personen bekannt, auch einige Rückkehrer aus Syrien. In wie vielen Köpfen aber unbemerkt Extremismus brodelt, ist kaum abzuschätzen.

Es lohnt sich deshalb, genauer hinzuschauen. Und es lohnt sich auch, die geplanten Fachstellen und Massnahmen mit genügend Ressourcen auszustatten. Wie viel ein einzelner IS-Soldat anrichten kann, haben uns Attentate in europäischen Städten schon zu oft schmerzlich vor Augen geführt.

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