Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kolumne

Was wirtschaftlich wirklich zählt

Kleine Staaten wie die Schweiz sind besonders wettbewerbsfähig, wenn es um die Investitionen geht. Damit das so bleibt, sind verschiedene Faktoren wichtig
Reto Lipp
Wirtschaftsjournalist Reto Lipp. (Bild: PD)

Wirtschaftsjournalist Reto Lipp. (Bild: PD)

Die Schweiz als Wirtschaftsstandort ist nach wie vor top. In Umfragen und Studien über die Wettbewerbsfähigkeit schneidet die Schweiz hervorragend ab. Kürzlich hat die Beratungsfirma EY verschiedene Länder in Europa untersucht und ist zum Schluss gekommen, dass vor allem kleinere Länder in Sachen nachhaltiges Wachstum gut abschneiden. Dazu gehört neben der Schweiz vor allem Schweden, aber auch die Niederlande, Dänemark, Finnland und Österreich. Deutschland und Frankreich liegen im Rennen um künftiges Wachstum schon deutlich zurück.

Was ziemlich bedenklich stimmt: Seit 1997 gehen in den grossen Volkswirtschaften der Welt die Ausgaben für Investitionen zurück (als Anteil Bruttoinlandprodukt gemessen). Von den grossen Staaten Europas ist Grossbritannien noch am besten positioniert.

Wachstum geht aber nicht ohne Investitionen. Der künftige Wohlstand von Ländern hängt sehr stark mit Investitionen zusammen; werden diese vernachlässigt, dann fallen Staaten zurück. Selbst in der infrastrukturstarken Schweiz, wo gefühlsmässig laufend gebaut wird, gibt es in den nächsten Jahren einen hohen Investitionsbedarf. Auf 24 Milliarden Franken schätzen die EY-Experten das notwendige Investitionsvolumen bis 2025, damit die Schweiz weiterhin an der Spitze mitmischen kann.

Doch was bestimmt das Wachstum und den künftigen Wohlstand am meisten? Fünf Faktoren sind laut EY entscheidend. Politiker sollten sich diese Faktoren genauer ansehen, denn sie bestimmen letztlich über die Zukunft unserer Kinder.

1. Digitalisierung und Vernetzung: Diese sind für das Unternehmenswachstum und Produktivitätssteigerungen immer wichtiger. Mit ihnen macht sich eine Volkswirtschaft wettbewerbsfähiger.

2. Forschung, Innovation und nachhaltige Energieversorgung. Dazu gehört auch eine umweltschonendere Energieerzeugung. Diese wird sich als Wettbewerbsvorteil erweisen, was noch von vielen Politikern gar nicht realisiert wird.

3. Basis-Infrastruktur: Länder, die wie Deutschland ihre Infrastruktur vernachlässigen, bekommen künftig auch weniger Investitionen ab, denn niemand will in Länder mit vernachlässigter oder nicht funktionierender Infrastruktur investieren.

4. Bildung: Ein zentraler Faktor bei der Bewältigung der Transformation in eine digitale Gesellschaft. Um- und Weiterbildung werden in Zeiten einer sich stark verändernden Arbeitswelt absolut zentral.

5. Gesundheitswesen: Ohne eine entsprechende Gesundheitsversorgung nehmen krankheitsbedingte Arbeitsausfälle zu. Ein gut ausgebautes Gesundheitswesen ist für Gesellschaften ein wichtiger Wohlstandsfaktor. Gerade in der Schweiz ist hier ein hohes Niveau erreicht, wenn auch zu einem hohen Preis. Das Gesundheitswesen ist aber nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein Vorteil.

Interessant ist, dass in dieser Aufzählung tiefe Steuern nicht vorkommen. Auf diesen Faktor stürzen sich zwar die Politiker immer, er ist aber offensichtlich nebensächlich. Dass sich Europa nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen kann, zeigt ein Blick nach China. Das Investitionsvolumen der dortigen Volkswirtschaft betrug 2016 rund 5000 Milliarden Dollar, eine gewaltige Summe, die 43 Prozent des Bruttoinland­produkts entspricht. Natürlich spielt eine Rolle, dass China von einem tiefen Niveau aus startete. Trotzdem: China investiert stark in neue Technologien und in den Ausbau der Infrastruktur. Der sich anbahnende Handelskrieg ist eher ein Technologievorherrschaftskrieg. Die USA haben Angst, ihre Führerschaft zu verlieren. Die protektionistischen Massnahmen werden aber nur dazu führen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der USA sinkt und sich die Situation noch stärker zu Gunsten der Chinesen verbessert. Es ist spannend, zuzuschauen, wie die Admini­stration Trump alles tut, um den Einfluss der Chinesen zu vergrössern. «Das 21. Jahrhundert wird das chinesische Jahrhundert sein, ohne Zweifel», sagte mir am Swiss Economic Forum die chinesische Ökonomin Keyu Jin, die an der London School of Economics lehrt. Recht hat sie!

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.