Warum Obama in Syrien zaudert

Die Nachricht: Es ist noch nicht bestätigt, gilt aber als sehr wahrscheinlich: Der verheerende Gasangriff in Syrien geht auf das Konto von Assad-Milizen.

SaW Redaktion
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Der Kommentar: Die Bilder aus Syrien sind aufwühlend: Sie zeigen Hunderte von Zivilisten, alte und ganz junge Menschen, die wohl mit chemischen Waffen ermordet wurden. Der Krieg zwischen Diktator Assad und den Rebellen nimmt immer grauenvollere Ausmasse an. Kein westlicher Politiker mit intakten Moralvorstellungen will dieser Schlacht tatenlos zusehen. Deshalb wächst der Druck auf Barack Obama: Linke Demokraten und rechte Republikaner sagen, nur die USA könnten das Blutvergiessen in Syrien stoppen. Sie fordern Raketenangriffe auf strategische wichtige Gebiete oder die Einrichtung einer Flugverbotszone.
Doch letztlich machen sich die amerikanischen Verfechter einer aktivistischen Aussenpolitik etwas vor. Der syrische Machthaber befindet sich in einem Kampf um Leben und Tod; die Stützen des Regimes werden sich auch durch einige Luftschläge nicht aus dem Konzept bringen lassen. Erst eine umfassende Intervention, gekoppelt mit Bodentruppen, könnte Assad stoppen. Für eine solche Operation aber fehlen den westlichen Verbündeten der USA die Mittel.
Obama wiederum steht einem Truppeneinsatz, und sei er auch zeitlich beschränkt, äusserst skeptisch gegenüber – was nicht weiter überraschen sollte, verdankt der Präsident seinen rasanten politischen Aufstieg doch der Opposition gegen die Invasion des Irak. Obama macht für seine Zurückhaltung, die ihm nun als Zaudern ausgelegt wird, zwei Gründe geltend. Erstens sind die USA ausgelaugt, nach zwölf Jahren des permanenten Krieges. Zweitens wissen selbst die Amerikaner nicht, was nach einem Sturz Assads mit Syrien geschehen würde. Und hier liegt das Grundproblem: Nicht jeder Assad-Gegner ist automatisch ein Freund des Westens.
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