Kommentar

Warum die SVP in den Städten kaum einen Stich hat

In der Stadt St.Gallen versucht es die SVP nun mit einer Frau, nachdem mehrere Männerkandidaturen gescheitert sind. Doch die Chancen sind selbst für gemässigte Köpfe gering. Die SVP ist mehr denn je die Partei der Landbevölkerung.

Stefan Schmid
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Stefan Schmid

Stefan Schmid

Hanspeter Schiess

Die Schweizer Städte sind fest in linker Hand. In den zehn bevölkerungsreichsten Gemeinden besetzen linke Politiker fast 60 Prozent der Exekutivmandate. 1993 waren es erst 40 Prozent.

Gleichzeitig verlieren die Bürgerlichen an Boden. Die FDP hat deshalb die «FDP urban» ins Leben gerufen. Einen Freisinn also, der versucht, urbanes Publikum zurückzugewinnen. Zwischenfazit: Man hört wenig vom Projekt.

In der ländlichen Ostschweiz sind die Bürgerlichen in den Städten stärker. Doch auch hier ist die Linke auf dem Vormarsch. Die Stadt St. Gallen etwa wird von einer linksliberalen Mehrheit regiert. Und es deutet wenig darauf hin, dass sich dies bald ändert.

Nebst der FDP versucht auch die SVP, ihren städtischen Fussabdruck zu verteidigen, wie die Kandidatur von Karin Winter-Dubs in St. Gallen zeigt. Die Volkspartei ist auf dem Land fast überall in der Ostschweiz dominant. Doch in den Städten wenden sich die Menschen von ihren Rezepten ab. Oder eher: Gar nicht zu.

Im Kanton St. Gallen hat selbst der liberale SVP-Mann Michael Götte die Wahl in die Regierung im urbanen Umfeld vermasselt. Woran liegt es?

Städter wählen kaum SVP.

Das hat mit den Toni Brunners dieser Welt zu tun, die den Stadt-Land-Graben nach Kräften bewirtschaften. Vor allem aber liegt es am gesellschaftlichen Megatrend.

Die Städte ziehen mehr denn je junge, kreative Geistesarbeiter an. Deren Ziel ist die intellektuelle Verschmelzung mit Gleichgesinnten, nicht die Abgrenzung im Reihenhaus. Corona wird daran nichts ändern. Die Städter holen das Grün in die Stadt – und wählen linksliberal. Toni Brunner muss im Toggenburg bleiben.