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Kommentar

Wahlkampf in der Ostschweiz:
Es braucht mehr Weigelts,
mehr Bullakajs, mehr Schläflis

Mit Arber Bullakaj von der SP und Karin Weigelt von der FDP heizen zwei junge Kräfte den arrivierten Politikerinnen ein. Gut so. Nichts ist langweiliger als ein Wahlkampf in vorgespurten Bahnen.
Stefan Schmid
Stefan Schmid. Bild: Benjamin Manser / TAGBLATT

Stefan Schmid. Bild: Benjamin Manser / TAGBLATT

So langsam aber sicher kommt Zug in den Wahlkampf 2019. Am Freitag hat die Operation Libero, jener linksliberale Freundeskreis aus Downtown Switzerland, sechs Aushängeschilder in den Kantonen vorgestellt. Auf dieser Liste figuriert mit Arber Bullakaj von den St. Galler Sozialdemokraten auch ein Ostschweizer. Der 33-jährige Wiler stehe für Werte wie Offenheit, Aufbruch und sei überdies einfach ein «cooler Socke».

Dass die Operation Libero auf Bullakaj setzt, ist kein Zufall. Der Wiler Stadtparlamentarier mit kosovarischen Wurzeln ist einer der auffälligsten Jungpolitiker im Kanton. Vor Wochenfrist lancierte er seinen persönlichen Wahlkampf mit einem grossen Albanerfest in Rorschach. Überall im Kanton hängen bereits Plakate mit Bullakajs Konterfei. Schnell wird klar: Der Mann hat einen Plan. Und grosse Ambitionen.

Ähnlich verhält es sich mit Karin Weigelt. Die Tochter von alt FDP-Nationalrat Peter Weigelt tingelt seit Wochen unablässig von Veranstaltung zu Veranstaltung. Im Bundeshaus inszeniert das Duo Weigelt Livedebatten via Facebook. Deren Sinn und Zweck: Für die 35-Jährige werben. Auch hier ist offensichtlich: Diese Frau hat einen Plan. Und grosse Ambitionen. Und dank ihrem Vater einen Haufen Geld.

Mit der Lautstärke eines Arber Bullakajs und dem Sendungsbewusstsein einer Karin Weigelt kann die Thurgauer SP-Präsidentin Nina Schläfli zwar nicht mithalten. Doch die 29-jährige Grossrätin feilt mit Verve und sicherem politischen Instinkt an ihrem Profil. Wenn es auch für die Historikerin bei den kommenden Wahlen im Herbst mit einem Sitz in Bern noch nicht klappen dürfte – viele halten Schläfli für die logische Nachfolgerin von SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Wie man im Thurgau als junge Frau vorwärtskommt, hat SVP-Politikerin Diana Gutjahr in den vergangenen Jahren vorgemacht. Ein charmanter Auftritt, kombiniert mit überdurchschnittlicher Intelligenz und dem sicheren Gespür für die richtigen Netzwerke bilden die Grundlage für politischen Erfolg. Die 35-jährige Unternehmerin rutschte 2017 nach fünf Jahren im Grossen Rat für Hansjörg Walter in den Nationalrat nach und fasste dort seither als Bildungs- und Wirtschaftspolitikerin bereits Fuss.

Aus Sicht der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ist diese Offensive junger Kräfte in mehrfacher Hinsicht zu begrüssen. Zum einen sind die Jungen in der Politik nach wie vor klar untervertreten. Es ist daher richtig, dass einige von ihnen mit Nachdruck einen Sitz im Bundeshaus reklamieren. Ein Parlament, das Teile der Bevölkerung ausschliesst, ist kein gutes Abbild der Gesellschaft. Zum anderen heizen die Jungen mit ihren teils unkonventionellen Methoden den Wahlkampf an und fordern die Arrivierten heraus. Beides ist ganz im Sinne einer lebendigen Demokratie.

Ein Wahlkampf ohne Wahlkämpfer ist langweilig. Und Etablierte, die sich ihrer Inthronisierung schon im Vornherein sicher sein können, werden träge und ideenlos.

Auch hier liefert der Thurgau ein schönes Beispiel: SVP-Nationalrätin Verena Herzog gab vor vier Jahren so richtig Gas – aus Respekt vor der jungen Diana Gutjahr, die ihr im Nacken sass.

Ähnliches dürfte sich dieses Jahr im Kanton St.Gallen wiederholen. Der Zweikampf zwischen Karin Weigelt und ihrer Parteikollegin Susanne Vincenz um Rang zwei auf der FDP-Liste könnte zu den Höhepunkten des Wahlherbstes werden. Und auch bei der SP dürfte Arber Bullakajs Agitation einige gestandene Politikerinnen zu zusätzlichen Anstrengungen anspornen.

Die Wählerinnen und Wähler in St.Gallen und im Thurgau können sich also freuen. Da geht was. Anders sieht es – noch – im Appenzellerland aus. Während in Innerrhoden unbekannt ist, wer in den Nationalrat will, sind in Ausserrhoden David Zuberbühler (SVP) und Andrea Caroni (FDP) bisher konkurrenzlos. Ihnen ist zu wünschen, dass bald Herausforderer auftauchen, die diesen Namen verdienen.

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