Wahl-Umfrage
Immun gegen viralen Populismus: Warum Corona alles auf den Kopf stellt - nur die Parteienlandschaft nicht

Die Ergebnisse einer aktuellen Wahlumfrage sind spektakulär unspektakulär: Während in anderen Ländern das Parteiengefüge umgekrempelt wird, erweist sich die Schweiz als aufreizend stabil. Alles ist noch immer fast wie vor Corona.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Gemäss einer repräsentativen Tamedia-Befragung gibt es zwischen dem rot-grünen und dem bürgerlichen Lager praktisch keine Verschiebungen, verglichen mit den letzten Wahlen. Die fanden im Herbst 2019 statt, also noch vor dem Monumentalereignis Corona. Dieses stellte so ziemlich alles auf den Kopf – ganz offenbar aber nicht die Parteipräferenzen des Stimmvolks.

Die Österreicher wechselten seit Coronabeginn zweimal den Kanzler aus, die Deutschen schickten die CDU in die Opposition, und die Amerikaner verjagten Donald Trump aus dem Weissen Haus.

Und bei uns? Da sind vor allem Dinge nicht passiert.

  • Der SVP (27 Prozent) hat ihre Exklusivposition als massnahmenkritische Kraft nicht genützt, aber auch nicht geschadet.
  • Der SP (16,2 Prozent) half es nicht, dass sie mit Alain Berset den populärsten Bundesrat stellt.
  • FDP (15,4 Prozent) und Mitte (13,3 Prozent) wurden nicht dafür bestraft, dass sie in der Pandemie bisweilen wie vielstimmige Chöre klingen.
  • Das Öko-Lager hat nicht verloren, obwohl Corona den Klimawandel als Topthema verdrängt hat; was die Grünen (11,7 Prozent) verlieren, machen die Grünliberalen (10,2 Prozent) mehr als wett.

Die helvetische Stabilität hat etwas Aufreizendes. Sie kon­trastiert mit der unerbittlichen Diagnose, die Gesellschaft sei tiefer gespalten denn je. Die parteipolitische Polarisierung jedenfalls hat sich nicht verschärft.

Die Schweizerinnen und Schweizer erweisen sich als wetterfest, als trotzig, als immun gegen viralen Populismus von links und rechts. In einer Krise sind das gute Eigenschaften. Man hält durch.

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