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Kommentar

Von bemannten und entmannten Drohnen

WOZ-Redaktorin Susanne Boos vergleicht die männliche und die weibliche Drohne.
Susan Boos
Susan Boos, WOZ-Redaktorin

Susan Boos, WOZ-Redaktorin

Drohnen gibt es männlich und weiblich. Ohne den Drohn wüchsen keine Äpfel, Birnen oder Pflaumen. Er ist das Männchen im Bienenvolk, wird im Frühling aufgezogen und führt ein behütetes Leben. Selber kann er nämlich kein Futter sammeln. Er ist darauf angewiesen, dass die Bienen ihn versorgen. Im April geht er zusammen mit Hunderten anderen Drohnen auf den Hochzeitsflug. Sie suchen eine junge Bienenkönigin, die bereit ist, zu kopulieren. Das ist aber, genau genommen, ein kurzer, trauriger Akt. Nach dem Liebesspiel bricht der Penis des Drohns und bleibt in der jungen Königin zurück. Der Drohn fällt ab und stirbt.

Die anderen Drohnen fliegen weiter. Doch lassen die Bienen sie bald nicht mehr in den Stock oder bringen sie raus, wenn sie sich darin verstecken möchten. Die Bienen hören auf, sie zu füttern. Am Ende verhungern die Drohnen. Bis zum nächsten Frühling ist die Bienenwelt drohnenfrei.

Anders verläuft es bei den weiblichen Drohnen. Die ersten Prototypen entstanden vor knapp hundert Jahren. Wirklich präsent sind sie seit der Jahrtausendwende – unbemannte Fluggeräte, entwickelt, um zu überwachen und zu töten. Inzwischen tun sie sogar Gutes. Nach Lugano und Bern sind seit kurzem auch in Zürich Labordrohnen unterwegs. Sie pendeln mit Laborproben zwischen dem Unispital und dem Standort Irchel der Uni Zürich. Der Shuttledienst wird von der Post betrieben. Sie sagt, die Drohnen würden nach Möglichkeit nur über den Wald fliegen und Siedlungsgebiete meiden. Damit sie niemanden erschlagen, falls sie abstürzen sollten.

Die Welt über uns wird sich in den nächsten Jahren verändern, auch wenn nicht alles eingetroffen ist, was versprochen wurde. Amazon-Chef Jeff Bezzos hatte im Dezember 2013 gesagt, in vier bis fünf Jahren würden Amazon-Kunden und -Kundinnen ihre Lieferung per Drohne bekommen. Daraus ist nichts geworden. Google ist weiter. Die Google-Tochter Wing testet in Finnland ihren Drohnenlieferdienst. In der Nähe von Tampere wird zurzeit geprüft, ob die Drohnen die eisige Kälte aushalten. Ab Frühling will man dann Kundschaft in Helsinki beliefern. Danach wird es lustig. Weil man vom Boden aus nicht mehr wissen wird, welche Drohne mit welcher Absicht unterwegs ist. Dominique Brack, ein Sicherheitsexperte der Swisscom, gab dieser Tage dem IT-Newsportal «golem.de» ein Interview zum Thema «Welche Gefahren durch Drohnen drohen». Was er erzählt, befeuert die buntesten Horrorfantasien.

Eine Drohne kann zum Beispiel eine Pistole tragen und abfeuern. Sie kann eine Kettensäge befördern und damit Eiszapfen oder Äste absägen. Sie kann gezielt eine Person verfolgen oder Bomben abwerfen oder ein Auto attackieren oder absichtlich in eine Menschenmenge hineinfliegen oder ein Kraftwerk knacken. Viele neue Optionen für Menschen, die Böses im Sinn haben. Brack wurde gefragt, wie man sich vor Drohnenattacken schützen kann. Seine Antwort: Privatpersonen wie Sie und ich – gar nicht.

Man darf eine Drohne nicht einmal mit einem Stein bewerfen oder mit einem Wasserschlauch abspritzen. Noch blöder ist es für die Rega. Die darf nämlich weder landen noch starten, wenn jemand in der Umgebung seine Drohne kreisen lässt. Der Verletzte bleibt derweil am Boden. «Die Polizei muss erst um mehrere Häuser herumrennen und versuchen, den Drohnenpiloten zu identifizieren, der einfach zu einem digitalen Gaffer geworden ist», sagt Brack. Das Einzige, was wirklich hilft, ist Jamming. Ein Jammer ist ein Störsender, der die Steuerung der Drohne blockiert. Das ist aber für Private strikte verboten. Das darf nur die Polizei oder das Militär tun. Was richtig ist, weil jegliche Kommunikation gestört wird. Sanität oder Feuerwehr würden ebenfalls schachmatt gesetzt.

Und was ist die Moral der Geschichte? Halten wir den Himmel frei vom Surren der Drohnen, der weiblichen. Die männlichen sollen ungestört ihrem kurzen, intensiven ­Vergnügen frönen.

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