Gastkommentar

Wie es zum «Arschlan-Versprecher» von SVP-Nationalrat Glarner kam – Peach Webers exklusives Ferngutachten

Der Satiriker erklärt in seiner Kolumne den Vorfall. Er hat ein Fachwort dafür: Das Verhunzungs-Kontinuitätsprinzip.

Peach Weber
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Peach Weber: Der Komiker steht seit 40 Jahren auf der Bühne. Auf den 15. Oktober 2027 ist seine Abschiedsvorstellung im Zürcher Hallenstadion programmiert.

Peach Weber: Der Komiker steht seit 40 Jahren auf der Bühne. Auf den 15. Oktober 2027 ist seine Abschiedsvorstellung im Zürcher Hallenstadion programmiert.

Es gibt ja in der Politik durchaus auch fähige Leute. So traue ich der Frau Amherd zu, dass sie plötzlich entscheidet, nur 50.1 Prozent der Bomber zu kaufen, weil ja auch nur die Hälfte der Schweizer dafür war. Da würde ich ihr aber eine grosse Schachtel Pralinées spendieren.

Gut, bei Trump gegen Biden kann man fragen: Wer war besser? Antwort: Keiner von Biden. Die grösste Schande ist ja wohl, dass sich in diesem riesigen Land nur zwei jämmerliche Kandidaten finden lassen, praktisch Spitex gegen Scheintod.

Aber kommen wir zu etwas Erfreulicherem: Klimawandel. «NEEEIIN! Nicht wieder dieses Thema», höre ich Sie in die unschuldige Zeitung schreien. Jetzt haben wir doch alle gehofft, dass das doofe Virus wenigstens etwas Gutes hat, das Klima-Thema auffrisst und somit erledigt.

Nein, so einfältig das Ding ist, es ist beim Fressen doch wählerisch. Ein Virus, das Leute wie Trump, Bolsonaro, Lukaschenko etc. verschont oder milde behandelt, ist wirklich für gar nichts zu gebrauchen.

Und jetzt kommen wieder diese Fridays-Lümmel und nerven uns mit ihrer erfundenen Geschichte vom Klima-Wandel! Die sollte man alle ... vielleicht mal etwas ernst nehmen? Sie sind nämlich nicht allein schuld am Problem, sie wollen uns nur auf die Nerven gehen, damit wir endlich tun, was wir seit sicher 30 Jahren vor uns herschieben, mit dem ewigen Mantra: «Jetzt muss etwas geschehen!» Es wird nichts so einfach geschehen, wir müssen es tun, gopfriedschtutz. Aber es gibt Leute, die hoffen insgeheim, dass die Bewegung endlich gewalttätig wird, damit sie dann lauthals pupen können: «Seht ihr, alles Krawallbrüder!» Und dann ist für sie das Problem gelöst. Was für eine stupide Weltsicht.

Da ich ein anerkannter Psychiater bin, kann ich Ihnen den «Versprecher» von Glarner in einem Ferngutachten erklären:

Wenn man eine Frau wohl schon immer wieder im Stammtischgespräch mit einem primitiven Schimpfnamen betitelt hat, dann ist es durchaus möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass einem in der Hitze des Gefechtes automatisch dieses wahnsinnig lustige Wortspiel rausrutscht. Fachausdruck: Verhunzungs-Kontinuitätsprinzip. Und es war die «Hitze des Gefechtes», denn er musste ja, als er sah, dass Kameras auffuhren, Hals über Kopf die Treppen runterrennen, weil er wusste, dass seine Analyse des Geschehens die einzig richtige ist. «Das sind alles Öko-Kommunisten!» Da fehlte doch nur der Zusatz: «Geht doch nach Russland!» oder «Man sollte sie alle in ein Arbeitslager stecken!» Diese Sätze hat man auch früher, z.B. bei Jugendunruhen schon gehört, das war aber damals schon dümmlich.

Randbemerkung: Ich glaube, der Patient hat auch ein unterschwelliges Problem mit Frauen und Gymnasiasten. Ich möchte aber von einer Verwahrung absehen.

Und natürlich war da Jacqueline Badran auch nicht ganz Herr oder Frau ihrer Sinne, trotz Namensähnlichkeit mit Baldrian.

Aber ich will mich nicht aufregen, OMMM! Mein armes Herz ist ja auch bald siebzig. Und trotzdem habe ich wieder ein neues Programm geschrieben und eine CD produziert, obwohl auch ich nicht weiss, ob, und in welcher Form, ich damit Vorstellungen machen kann.

Ich glaube, wir müssen einfach wieder anfangen, vielleicht halt mit weniger Publikum, Unterhaltung und allgemein Kultur zu versuchen. Denn der Kulturverlust durch Corona ist gewaltig. Nach meiner Betrachtung war die Menschheit schon vor Corona nicht auf dem Weg, schlauer zu werden, im Gegenteil. Und das wurde durch das Jahr 2020 eher noch etwas verstärkt.

Es gibt durchaus Probleme, die sich von selbst lösen, zum Beispiel das mit den rasenden Senioren, die beim E-Bike-Kauf denken: Ich nehme das schnelle, denn das Leben ist kurz. Dass es dadurch noch kürzer werden kann, wird ihnen erst bewusst, wenn sie an einer Mauer kleben. Dann ist es für einen Umtausch aber zu spät.