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Kolumne

Tesla: Aus dem hehren Ziel wird eine Farce

Elon Musk hadert mit der Börse. Für visionäre Projekte wie diejenigen von Tesla braucht es einen langen Atem und keinen kurzfristigen Druck durch Spekulation. Dasselbe gilt aber auch für die Führung eines Unternehmens.
Miriam Meckel

Elon Musk hat die Schnauze voll. Von Quartalszahlen, besserwissenden Analysten, vor allem aber von den Leerverkäufern, die auf fallende Kurse bei Tesla setzen, um damit eine Menge Gewinn zu machen. Dafür kann man durchaus Verständnis haben. Einen Akt der individuellen Befreiung bedeutet es selten, wenn ein Gründer sein Unternehmen an die Börse bringt. Ein Börsengang ist wie Kinderkriegen, schrieb kürzlich der britische Economist. Man wartet Monate, dann kommt die quälende Niederkunft, und danach ist die Welt für immer eine andere.

Da ist was dran. Wer mit dem Aktienkurs aufsteht und ins Bett geht, dazwischen getrieben von Quartalsergebnissen und regulatorischen Anforderungen durch den Tag steuert, hat wenig Zeit, sich intensiv mit den Langfristzielen und der strategischen Ausrichtung der Firma zu beschäftigen. Er hat auch Schwierigkeiten, unabhängig von kurzfristig absehbarer Kapitalrendite in Innovationen zu investieren. Paradigmatische Technologietransformation entsteht aber nicht durch «weiter so», sondern durch «alles neu». «Der auf kurzfristige Ziele fixierte Kapitalmarkt schreckt Unternehmen mit einer langfristigen Ausrichtung davon ab, an die Börse zu gehen – was der Wirtschaft Chancen und Innovationen entzieht», resümiert Investor Warren Buffet. Sogar der US-Präsident meldete sich nun zu Wort mit dem Vorschlag, die Quartalsberichterstattung zu stoppen und zu einem halbjährlichen Reporting überzugehen.

Nicht nur Elon Musk hadert derzeit mit der Börse. Weil viele der Vorgaben an den Kapitalmärkten zunehmend als Fesseln oder Bremsklötze empfunden werden, verliert die Börsenzulassung an Attraktivität. Oder soll, wie im Fall Tesla, rückabgewickelt werden. Obwohl die Chinesen den Börsengang als neuen grossen Sprung nach vorne entdeckt haben, ist global die Lust auf öffentliche Notierung rückläufig. Die Zahl der Börsengänge schrumpfte im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 27 Prozent

In der Ruhe und Perspektive liegt die Kraft. Deshalb haben private Unternehmen oft mehr Freiheit, ihre langfristigen Ziele zu verwirklichen. Aus einem Treffen mit dem CEO des saudiarabischen Staatsfonds, der bereits mit fünf Prozent bei Tesla investiert ist, hatte Elon Musk den Schluss gezogen, die Finanzierung der Reprivatisierung sei gesichert. Eine ausführliche Erläuterung der beiden getwitterten Worte («funding secured») in einem Blogpost zeigte: ganz so sicher war das offenbar doch nicht. Die amerikanische Börsenaufsicht wollte es nun ganz genau wissen. Der ganze Spuk dauerte keine drei Wochen, da war das Delisting vom Tisch. Nach einem Boardmeeting teilte Musk mit, Tesla bleibe an der Börse.

So wird aus guten Argumenten eine Farce, die einem Unternehmen schlecht bekommt. Musk hat gute Argumente für die Reprivatisierung. Tesla kann Autos, Raketen und vielleicht auch Tunnel bauen, von denen man bislang nur in Science-Fiction-Romanen las. Dafür braucht man einen langen Atem und nicht den kurzfristigen Druck der Börse. Das Gleiche gilt aber für die Führung eines disruptiven Unternehmens. Nur mit Konsistenz und Verlässlichkeit lassen sich Aufsichtsorgane, Investoren und Mitarbeiter bei der Stange halten. Deshalb muss eine solche Entscheidung gut und langfristig vorbereitet werden. Twittern hilft da selten. Schade. Richtig gemacht hätte Tesla ein Zeichen setzen können, dass es Alternativen zum Druck der Kapitalmärkte gibt. So setzt nur Musk ein Zeichen: für schlechtes Management in einer delikaten Situation.

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