Leserbrief

Stellenmeldepflicht ist hausgemacht

Mathias Tschanen, Müllheim, Kantonsrat und Präsident Thurgauischer Baumeisterverband
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Vor rund drei Monaten wurde die Stellenmeldepflicht eingeführt. Zu den betroffenen Branchen gehört auch die Bauwirtschaft. Aktuell liegt der Schwellenwert, welche Berufsarten meldepflichtig sind, bei 8 Prozent. Die administrative Belastung und die ungenauen Berufsbezeichnungen sind insbesondere auch für die Baubranche ein Problem.

Dieses Problem wird sich verschärfen, wenn per 1.1.2020 der Schwellenwert auf 5 Prozent sinkt und dadurch fast alle Bauberufe wegen der ungenauen Definition der Berufsarten davon betroffen sein werden. Dass wir auf dem Bau überhaupt vor der Problematik mit Arbeitslosenzahlen über den Schwellenwerten konfrontiert sind, ist zu einem beträchtlichen Anteil in der Branche selber verschuldet. Konkret haben wir im Landesmantelvertrag, der auf Ende 2018 ausläuft und der aktuell mit den Gewerkschaften neu verhandelt wird, verschiedene Überregulierungen und Fehlanreize drin, die die Arbeitslosenzahlen auf dem Bau direkt negativ beeinflussen und die Arbeitsmarktfähigkeit von Bauleuten untergräbt.

Die Baumeister fordern deshalb in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften über den neuen LMV eine flexiblere Organisation der Arbeitsstunden übers Jahr. Dabei sollen die Bauarbeiter übers Jahr nicht länger arbeiten als heute. Pro Jahr sollen schlichtweg 100 Minderstunden beziehungsweise 200 Mehrstunden erfasst werden können. Mit dieser Massnahme wollen die Baumeister Festanstellungen erhalten, die Attraktivität für den Einsatz von Temporärmitarbeitenden senken und weniger auf Subunternehmen setzen müssen.

Doch die Gewerkschaften blockieren Lösungen aus ideologischen Gründen und sind nicht bereit, sich hier auch nur ein bisschen zu bewegen. Damit schrauben sie jedoch vor allem die Arbeitslosenzahlen auf dem Bau in die Höhe und gefährden Stellen auf Schweizer Baustellen.