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Kommentar

Stadler nimmt das Heft in die Hand

Der Konzern von Patron Peter Spuhler setzt mit dem Bau eines neuen Werks in St. Margrethen ein Zeichen für die heimische Industrie. Stadler Rail hätte ebenso gut nach Osteuropa auslagern können. Dass Spuhler an den Werkplatz Schweiz glaubt, ist lobenswert.
Thomas Griesser Kym

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Thomas Griesser

Thomas Griesser

Auf den ersten Blick scheint der Schritt nur logisch. In Altenrhein ist Stadler Rail, die Schienenfahrzeugherstellerin mit Sitz in Bussnang, in einem veralteten Werk eingemietet. Dieses verkompliziert die Montage der Fahrzeuge, es ist investitions- und renovationsbedürftig, und die erforderlichen Arbeiten wären aufwendig und teuer.

Den Ausweg gefunden hat Patron Peter Spuhler in St. Margrethen. Dort lässt er ein topmodernes Werk bauen, das den Löwenanteil der Altenrheiner Tätigkeiten aufnehmen wird. Stolze 86 Millionen Franken werden investiert.

Der neue Standort ist ideal gelegen. Er ist an Strasse und Schiene angebunden, verfügt über einen Gleisanschluss, und die Distanz zum alten Standort beträgt lediglich einige Kilometer.

Diese Nähe ist ein enormer Vorteil, ermöglicht sie doch Stadler, die Mitarbeitenden zu halten. In ihren Köpfen steckt das Wissen, in ihren Händen die Sorgfalt und praktische Erfahrung, die im Engineering und im Eisenbahnbau unerlässlich sind.

Aber Stadler hätte ebenso gut anders entscheiden können.

Zur Diskussion stand auch eine Verlagerung nach Osteuropa. Geografisch näher an Märkte, in denen die meist staatlichen Bahnen zwar immer wieder mal mit Finanzierungsschwierigkeiten kämpfen, aber auch Märkte mit enormem Wachstumspotenzial, weil grosse Teile des Rollmaterials veraltet sind. Zudem könnte Stadler in Osteuropa kostengünstiger produzieren, weil die Löhne tiefer sind als in der Schweiz.

Dass Spuhler dennoch in der Region bleibt, dokumentiert seinen Glauben an den Werkplatz Schweiz. Nicht von ungefähr hat der Unternehmer die Zahl der Mitarbeitenden allein in der Schweiz seit 1989 von 18 auf über 3000 erhöht.

Er hat es zusammen mit seiner Belegschaft in der Hand, dank Investitionen die Effizienz und damit die Produktivität zu steigern, um mit Innovationen auch weiterhin gegen starke Konkurrenz nicht nur Aufträge im Heimmarkt zu gewinnen, sondern auch in Exportmärkten.

Dort hingegen, im Ausland, sieht sich Stadler auch mit Hemmnissen konfrontiert. In China etwa schottet die Regierung den Staatskoloss CRRC von jedweder ausländischer Konkurrenz ab.

In den USA verlangt der Buy America Act bei Bahnaufträgen, für die öffentliche Gelder fliessen, eine lokale Wertschöpfung von rund zwei Dritteln. Beide Praktiken verstossen gegen die Regeln der Welthandelsorganisation.

Ordnungspolitisch wäre ein Mechanismus wünschenswert, der solchen wettbewerbsverzerrenden Praktiken ein Ende setzt. Doch danach sieht es nicht aus, und so bleibt Stadler nur eins: kontinuierlich an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Das neue Werk ist dafür ein zentraler Baustein.

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