Sind Verheiratete bessere Eltern?

Die Nachricht: Würde das restriktive Fortpflanzungsmedizingesetz gelockert, gäbe es dreimal so viele künstliche Befruchtungen wie heute.

Fabienne Riklin
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Der Kommentar: Mehr als 10 000 künstliche Befruchtungen werden jährlich in der Schweiz durchgeführt. Allerdings profitieren davon nur verheiratete Paare. Frauen, die in einer anderen Lebensform leben, haben keine Möglichkeit, auf legalem Weg an eine Samenspende zu gelangen. Darum weichen sie oft ins Ausland aus. Begründet wird die Regelung im Fortpflanzungsmedizingesetz damit, dass lediglich die Ehe einem Kind ein stabiles Verhältnis bis zum 18. Lebensjahr bieten könne.
Die nationale Ethikkommission hält diese Einschränkung für überholt. Zu Recht. Mit einer Scheidungsrate von über 40 Prozent garantiert die Ehe allein keine stabilen Verhältnisse. Unverheiratete Eltern können genauso gute Eltern sein. Im vergangenen Jahr haben 17 457 unverheiratete Mütter ein Kind zur Welt gebracht, dreimal mehr als noch vor 20 Jahren.
Diese Entwicklung zeigt, dass längst ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden hat. Für das Wohl des Kindes ist entscheidend, dass es in einer liebevollen, verlässlichen Beziehung aufwächst – und nicht der Zivilstand seiner Eltern. Ebenso wenig ist entscheidend, ob die Mutter mit einem Mann oder mit einer Frau zusammenlebt.
Es ist Zeit, die gesellschaftlichen Realitäten anzuerkennen und die Empfehlungen der Ethikkommission im Gesetz umzusetzen. Das entbindet die Betroffenen und auch die Ärzte nicht vor der Verantwortung. Der Arzt hat vor jeder künstlichen Befruchtung abzuklären, ob die Patientin den physischen und psychischen Belastungen gewachsen ist, die das Muttersein mit sich bringt. Egal, in welcher Lebensform sie ihr Kind zur Welt bringen möchte.
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