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Kolumne

Was 5G ist? Ein Gigaversuch mit ungewissem Ausgang

In den nächsten Tagen beginnt in der Schweiz die Versteigerung für die 5G-Frequenzen. Damit kaufen die Telekomkonzerne die Lufthoheit zwischen den Häusern - und läuten das Zeitalter der quatschenden Gegenstände ein, schreibt unsere Kolumnistin Susan Boos.
Susan Boos
Susan Boos, Redaktorin Wochenzeitung WOZ

Susan Boos, Redaktorin Wochenzeitung WOZ

5G ist das Kürzel der Stunde. Die wenigsten wissen, wofür es steht, und noch viel weniger, was es bedeutet. 5G will uns alle glücklich machen. 5G soll die Welt revolutionieren. 5G wird dem Bund Geld in die Kasse spülen.

Einfach gesagt ist 5G ganz, ganz, ganz, ganz, ganz schneller Mobilfunk. Heute sind wir mit 3G oder 4G unterwegs, das G steht offiziell für «Generation». Aber auch egal. Um mit dem Handy zu telefonieren, braucht man eigentlich nur 1G. Doch da die Autos bald einmal alleine fahren wollen, wäre es gäbig, wenn sie sofort halten würden, sobald ein Kind über die Strasse springt – und nicht erst mit einer ruckelnden Verzögerung von zwei, drei Sekunden. Beim heutigen 4G wäre das noch der Fall.

Die Telekomfirmen versprechen viel. 5G soll zum Beispiel endlich unser Zuhause klug machen: Es wird selber beschliessen, die Heizung einzuschalten, weil ein Temperatursturz angesagt ist; es wird den Tumbler einschalten, weil der Strom gerade nichts kostet; es wird eigenständig Milch oder Obst bestellen, wenn der Kühlschrank leer ist. In wenigen Jahren wird alles mit allem kommunizieren. Das nennt sich dann Internet der Dinge. 5G ist sozusagen die Tür ins Zeitalter der quatschenden Gegenstände. Die Menschen werden mehr mit ihren Häusern reden als mit ihren Liebsten.

«Zurzeit steht die Schweiz gut da. Hier gelten derzeit tiefe Grenzwerte. Diese sind jedoch massiv unter Beschuss.»

In den nächsten Tagen beginnt in der Schweiz die Versteigerung für die 5G-Frequenzen. Die Telekomkonzerne können sich beim Bund darum bewerben. Das spült voraussichtlich zwischen einer viertel und einer ganzen Milliarde Franken in die Bundeskasse. Damit kaufen die Telekomkonzerne die Lufthoheit zwischen den Häusern. Dies gestattet ihnen, drahtlose Datenautobahnen zu installieren.

Und das ist im wahrsten Sinn des Wortes ein heisses Thema. Um 5G in Betrieb zu nehmen, braucht es viele neue Antennen. Die Antennen produzieren elektromagnetische Felder, die delikater sind als die der alten Generationen. Die Strahlung wirkt simpel gesagt wie die Mikrowelle in der Küche. Die Mikrowelle bringt Wassermoleküle in Schwingung und wärmt so die Resten vom Znacht von gestern auf. Die 5G-Strahlung tut dasselbe, nur mit viel geringerer Energie. Das kann Zellen schädigen, das weiss man. Doch wie gefährlich die 5G-Strahlung wirklich ist, weiss man noch nicht so genau.

Zurzeit steht die Schweiz gut da. Hier gelten derzeit tiefe Grenzwerte. Der EU-Grenzwert liegt um das Zehnfache höher. Viele EU-Bürgerinnen und -Bürger beneiden uns dafür. Der tiefe Schweizer Grenzwert ist jedoch massiv unter Beschuss. Die Telekomfirmen drängen darauf, die Grenzwerte auch hierzulande auf EU-Niveau anzuheben, weil sonst die Segnung von 5G nicht über uns kommen kann. Doch es will keine Freude aufkommen. Immer mehr Leute wehren sich dagegen. Laut «Blick» ist sogar der Hauseigentümerverband (HEV) gegen eine Lockerung der Grenzwerte für 5G, «weil Antennen an einer Liegenschaft deren Wert vermindern und weil die Auswirkung der Antennenstrahlung auf die Gesundheit nicht geklärt sei».

Das ist eine pragmatische Haltung. Daran sollte sich der Bundesrat orientieren, wenn er in den nächsten Monaten über die Grenzwerte zu befinden hat. Die Schweiz könnte sich dann künftig als elektrosmogarmes Ferienland positionieren. Klingt nach Scherz, ist aber keiner. Es werden weltweit Milliarden in den Aufbau der 5G-Netze investiert. Doch für Risikoforschung gibt es kaum Geld. Und so steht 5G auch für Gigaversuch mit ungewissem Ausgang.

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